DAS EVANGELIUM NACH LUKAS
1. Kapitel
1,1 Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten,
die unter uns geschehen sind, 1,2 wie uns das überliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben
und Diener des Worts gewesen sind. (a) 1,3 So habe auch ich's für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an
sorgfältig erkundet habe, (a) (b) es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter
Ordnung aufzuschreiben, 1,4 damit du den sicheren Grund der Lehre erfahrest, in der du unterrichtet
bist. 1,5 Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von
der (a) Ordnung Abija, mit Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem
Geschlecht Aaron und hieß Elisabeth. 1,6 Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und
Satzungen des Herrn untadelig. 1,7 Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide
waren hochbetagt. 1,8 Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da
seine Ordnung an der Reihe war, 1,9 daß ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das (a)
Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn. 1,10 Und die ganze Menge des Volkes stand draußen und betete zur Stunde des
Räucheropfers. 1,11 Da erschien ihm der Engel des Herrn und stand an der rechten Seite des
Räucheraltars. 1,12 Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam Furcht über ihn. 1,13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein
Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären,
und du sollst ihm den Namen Johannes geben. 1,14 Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine
Geburt freuen. 1,15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; (a) Wein und starkes Getränk wird
er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem
heiligen Geist. 1,16 Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. 1,17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft (a) (b) Elias, zu
bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der
Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl
vorbereitet ist. 1,18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn (a)
ich bin alt, und meine Frau ist betagt. 1,19 Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin (a) Gabriel, der vor Gott
steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen. 1,20 Und siehe, du wirst stumm werden und nicht reden können bis zu dem Tag,
an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die
erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit.
1,21 Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, daß er so lange
im Tempel blieb. 1,22 Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie
merkten, daß er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte
ihnen und blieb stumm. 1,23 Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim
in sein Haus. 1,24 Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich
fünf Monate verborgen und sprach: 1,25 So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat,
(a) um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen. 1,26 Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine
Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, 1,27 zu einer Jungfrau, die vertraut* war (a) einem Mann mit Namen Josef vom
Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. 1,28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete!
Der Herr ist mit dir! 1,29 Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? 1,30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade
bei Gott gefunden. 1,31 Siehe, (a) du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und (b) du
sollst ihm den Namen Jesus geben. 1,32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der
Herr wird ihm den (a) Thron seines Vaters David geben, 1,33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich
wird kein Ende haben.
1,34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von
keinem Mann weiß? 1,35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr: (a) Der heilige Geist wird über
dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird
auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. 1,36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem
Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt,
daß sie unfruchtbar sei. 1,37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. (a) 1,38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du
gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. 1,39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das
Gebirge zu einer Stadt in Juda 1,40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 1,41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind
in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom heiligen Geist erfüllt 1,42 und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und
gepriesen ist die Frucht deines Leibes! 1,43 Und wie geschieht mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 1,44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor
Freude in meinem Leibe. 1,45 Und (a) selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet
werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. 1,46 (a) Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn1,47 und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; 1,48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an
werden mich selig preisen alle Kindeskinder. 1,49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen
Name heilig ist. 1,50 Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen,
die ihn fürchten. (a) 1,51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und (a) zerstreut, die hoffärtig sind in
ihres Herzens Sinn. 1,52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. (a) 1,53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer ausgehen. (a) (b) 1,54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, 1,55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in
Ewigkeit. (a) (b)
1,56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder
heim. 1,57 Und für Elisabeth kam die Zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar
einen Sohn. 1,58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr große
Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr. 1,59 Und es begab sich (a) am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu
beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen. 1,60 Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes
heißen. 1,61 Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der
so heißt. 1,62 Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte. 1,63 Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und
sie wunderten sich alle. 1,64 Und sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er
redete und lobte Gott. 1,65 Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde
bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas. 1,66 Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen: Was meinst
du, will aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. 1,67 Und sein Vater Zacharias wurde vom heiligen Geist erfüllt, weissagte
und sprach: 1,68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn (a) er hat besucht und erlöst
sein Volk 1,69 und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners
David 1,70 - wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen
Propheten -, 1,71 daß er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die
uns hassen, 1,72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte (a) an seinen
heiligen Bund 1,73 und an den (a) (b) Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu
geben, 1,74 daß wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, 1,75 ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und
Gerechtigkeit vor seinen Augen. (a) 1,76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn (a) du
wirst dem Herrn vorangehen, daß du seinen Weg bereitest, 1,77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer
Sünden, (a) 1,78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns
besuchen wird (a) das aufgehende Licht aus der Höhe, 1,79 damit es erscheine denen, die (a) sitzen in Finsternis und Schatten des
Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
1,80 Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist. Und er (a) war in der
Wüste bis zu dem Tag, an dem er vor das Volk Israel treten sollte.
2. Kapitel
Jesu Geburt
2,1 Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus
ausging, daß alle Welt geschätzt würde. 2,2 Und diese Schätzung* war die allererste und geschah zur Zeit, da
Quirinius Statthalter in Syrien war. *Siehe Sach- und Worterklärungen. 2,3 Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine
Stadt. 2,4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in
das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus
dem Hause und Geschlechte Davids war, 2,5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe;* die
war schwanger. *Siehe Sach- und Worterklärungen zu «Verlobung». 2,6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. 2,7 Und (a) sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte
ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. 2,8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden,
die hüteten des Nachts ihre Herde. 2,9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn
leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 2,10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich
verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 2,11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der
Herr, in der Stadt Davids. 2,12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln
gewickelt und in einer Krippe liegen. 2,13 Und alsbald war da bei dem Engel (a) die Menge der himmlischen
Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 2,14 (a) Ehre sei Gott in der Höhe und (b) (c) Friede auf Erden bei den Menschen
seines Wohlgefallens.*
2,15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten
untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen,
die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 2,16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind
in der Krippe liegen. 2,17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu
ihnen von diesem Kinde gesagt war. 2,18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten
gesagt hatten. 2,19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 2,20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles,
was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
2,21 Und als acht Tage um waren und (a) (b) man das Kind beschneiden mußte, (c) gab
man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im
Mutterleib empfangen war.
Jesu Darstellung im Tempel. Simeon und Hanna
2,22 Und als die (a) Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren,
brachten sie ihn nach Jerusalem, (b) um ihn dem Herrn darzustellen, 2,23 wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn (2. Mose 13,2.15): «Alles
Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn
geheiligt heißen», 2,24 und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn:
«ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben» (3. Mose 12,6-8). 2,25 Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser
Mann war fromm und gottesfürchtig und (a) wartete auf den Trost Israels, und
der heilige Geist war mit ihm. 2,26 Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem heiligen Geist, er solle
den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. 2,27 Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern
das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch
ist nach dem Gesetz, 2,28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: 2,29 Herr, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; 2,30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, 2,31 den du bereitet hast vor allen Völkern, 2,32 ein (a) Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes
Israel.
2,33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm
gesagt wurde. 2,34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe,
dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu
einem Zeichen, dem widersprochen wirda 2,35 - und (a) auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit vieler
Herzen Gedanken offenbar werden.
2,36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm
Asser; die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt,
nachdem sie geheiratet hatte, 2,37 und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom
Tempel und (a) diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. 2,38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von
ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
2,39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten
sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth. 2,40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade
war bei ihm.
Der zwölfjährige Jesus im Tempel
2,41 Und seine Eltern (a) gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. 2,42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des
Festes. 2,43 Und als (a) die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen,
blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wußten's nicht. 2,44 Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise
weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 2,45 Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und
suchten ihn. 2,46 Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen,
mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. 2,47 Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und
seine Antworten. 2,48 Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu
ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich
haben dich mit Schmerzen gesucht. 2,49 Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wißt ihr nicht,
daß ich sein muß in dem, (a) was meines Vaters ist? 2,50 Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. 2,51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen
untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. 2,52 Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den
Menschen. (a)
3. Kapitel
Das Wirken Johannes des Täufers. Seine Gefangennahme
(Mt 3,1-12; Mk 1,1-8)
3,1 Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius
Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und
sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft
Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, 3,2 als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da (a) (b) geschah das Wort Gottes
zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. 3,3 Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der
Buße zur Vergebung der Sünden, 3,4 wie geschrieben steht im Buch der Reden des Propheten Jesaja (Jesaja
40,3-5): «Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den
Weg des Herrn und macht seine Steige eben! 3,5 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen
erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben
ist, soll ebener Weg werden. 3,6 Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.» 3,7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen
zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiß gemacht, daß ihr dem
künftigen Zorn entrinnen werdet? 3,8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht
vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann
dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 3,9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der
nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
3,10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? 3,11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem,
der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. 3,12 Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu
ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 3,13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 3,14 Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun?
Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und laßt euch
genügen an eurem Sold!
3,15 Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen
von Johannes, (a) ob er vielleicht der Christus wäre, 3,16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es
kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, daß ich
ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem heiligen Geist
und mit Feuer taufen. 3,17 In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und
wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit
unauslöschlichem Feuer verbrennen. 3,18 Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihm das
Heil. 3,19 (a) (b) Der Landesfürst Herodes aber, der von Johannes zurechtgewiesen wurde
wegen der Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen, das er
getan hatte, 3,20 fügte zu dem allen noch dies hinzu: er warf Johannes ins Gefängnis.
Jesu Taufe
(Mt 3,13-17; Mk 1,9-11)
3,21 Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch
getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, 3,22 und (a) der heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt
wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: (b) Du bist mein lieber
Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.
Jesu Stammbaum
(Mt 1,1-17)
3,23 Und Jesus war, als er auftrat, etwa dreißig Jahre alt und (a) wurde
gehalten für einen Sohn Josefs, der war ein Sohn Elis, 3,24 der war ein Sohn Mattats, der war ein Sohn Levis, der war ein Sohn
Melchis, der war ein Sohn Jannais, der war ein Sohn Josefs, 3,25 der war ein Sohn Mattitjas, der war ein Sohn des Amos, der war ein Sohn
Nahums, der war ein Sohn Heslis, der war ein Sohn Naggais, 3,26 der war ein Sohn Mahats, der war ein Sohn Mattitjas, der war ein Sohn
Schimis, der war ein Sohn Josechs, der war ein Sohn Jodas, 3,27 der war ein Sohn Johanans, der war ein Sohn Resas, der war ein Sohn
Serubbabels, der war ein Sohn Schealtïls, der war ein Sohn Neris, 3,28 der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Addis, der war ein Sohn
Kosams, der war ein Sohn Elmadams, der war ein Sohn Ers, 3,29 der war ein Sohn Joschuas, der war ein Sohn Elïsers, der war ein Sohn
Jorims, der war ein Sohn Mattats, der war ein Sohn Levis, 3,30 der war ein Sohn Simeons, der war ein Sohn Judas, der war ein Sohn
Josefs, der war ein Sohn Jonams, der war ein Sohn Eljakims, 3,31 der war ein Sohn Meleas, der war ein Sohn Mennas, der war ein Sohn
Mattatas, der war ein Sohn (a) Nathans, der war ein Sohn Davids, 3,32 der war ein Sohn (a) Isais, der war ein Sohn Obeds, der war ein Sohn des
Boas, der war ein Sohn Salmas, der war ein Sohn Nachschons, 3,33 (a) (b) (c) (d) der war ein Sohn Amminadabs, der war ein Sohn Admins, der war ein
Sohn Arnis, der war ein Sohn Hezrons, der war ein Sohn des Perez, der war
ein Sohn Judas, 3,34 der war ein Sohn Jakobs, der war ein Sohn Isaaks, der war ein Sohn
Abrahams, der war ein Sohn Terachs, der war ein Sohn Nahors, 3,35 der war ein Sohn Serugs, der war ein Sohn Regus, der war ein Sohn
Pelegs, der war ein Sohn Ebers, der war ein Sohn Schelachs, 3,36 der war ein Sohn Kenans, der war ein Sohn Arpachschads, der war ein
Sohn Sems, der war ein Sohn Noahs, der war ein Sohn Lamechs, 3,37 der war ein Sohn Metuschelachs, der war ein Sohn Henochs, der war ein
Sohn Jereds, der war ein Sohn Mahalalels, der war ein Sohn Kenans, 3,38 der war ein Sohn des Enosch, der war ein Sohn Sets, der war ein Sohn
Adams, der war Gottes.
4. Kapitel
Jesu Versuchung
(Mt 4,1-11; Mk 1,12.13)
4,1 Jesus aber, voll heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan und wurde vom
Geist in die Wüste geführt 4,2 und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht. Und er aß nichts in
diesen Tagen, und als sie ein Ende hatten, hungerte ihn. 4,3 Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich zu diesem
Stein, daß er Brot werde. 4,4 Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): «Der
Mensch lebt nicht allein vom Brot.» * *In der späteren Überlieferung
finden sich zusätzlich die Worte: «sondern von einem jeden Wort Gottes»
(vgl. Mt 4,4). 4,5 Und der Teufel führte ihn hoch hinauf und zeigte ihm alle Reiche der
Welt in einem Augenblick 4,6 und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und ihre
Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, wem ich will. 4,7 Wenn du mich nun anbetest, so soll sie ganz dein sein. 4,8 Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 6,13):
«Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.»
4,9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des
Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich von hier
hinunter; 4,10 denn es steht geschrieben (Psalm 91,11.12): «Er wird seinen Engeln
deinetwegen befehlen, daß sie dich bewahren. 4,11 Und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an
einen Stein stößt.» 4,12 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt (5. Mose 6,16): «Du
sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.» 4,13 Und (a) als der Teufel alle Versuchungen vollendet hatte, wich er von ihm
eine Zeitlang.
Jesu Predigt in Nazareth
(Mt 4,12-17; 13,53-58; Mk 1,14.15; 6,1-6)
4,14 Und Jesus kam in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa, und die
Kunde von ihm erscholl durch alle umliegenden Orte. 4,15 Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von jedermann gepriesen. 4,16 Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner
Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen. 4,17 Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das
Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61,1.2): «4,18 Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu
verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, (a) zu predigen
den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen
sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, 4,19 zu verkündigen das (a) Gnadenjahr des Herrn.» 4,20 Und als er das Buch zutat, gab er's dem Diener und setzte sich. Und
aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn. 4,21 Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift
erfüllt vor euren Ohren.
4,22 Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich, daß solche
Worte der Gnade aus seinem Munde kamen, und sprachen: (a) Ist das nicht
Josefs Sohn? 4,23 Und er sprach zu ihnen: Ihr werdet mir freilich dies Sprichwort sagen:
Arzt, hilf dir selber! Denn wie große Dinge haben wir gehört, die in
Kapernaum geschehen sind! Tu so auch hier in deiner Vaterstadt! 4,24 Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: (a) Kein Prophet gilt etwas in
seinem Vaterland. 4,25 aAber wahrhaftig, ich sage euch: Es waren viele Witwen in Israel zur
Zeit des Elia, als der Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate
und eine große Hungersnot herrschte im ganzen Lande, 4,26 und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt als allein zu einer Witwe
nach Sarepta im Gebiet von Sidon. 4,27 Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa, und
keiner von ihnen wurde rein als allein (a) Naaman aus Syrien. 4,28 Und alle, die in der Synagoge waren, wurden von Zorn erfüllt, als sie
das hörten. 4,29 Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an
den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn
hinabzustürzen. 4,30 Aber er ging mitten durch sie hinweg.
Jesus in Kapernaum
(Mt 8,14-17; Mk 1,21-39)
4,31 Und er ging hinab nach (a) (b) Kapernaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte
sie am Sabbat. 4,32 Und sie verwunderten sich über seine Lehre; denn (a) (b) er predigte mit
Vollmacht. 4,33 Und es war ein Mensch in der Synagoge, besessen von einem unreinen
Geist, und der schrie laut: 4,34 Halt, was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns
zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! 4,35 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und
der böse Geist warf ihn mitten unter sie und fuhr von ihm aus und tat ihm
keinen Schaden. 4,36 Und es kam eine Furcht über sie alle, und sie redeten miteinander und
sprachen: Was ist das für ein Wort? Er gebietet mit Vollmacht und Gewalt
den unreinen Geistern, und sie fahren aus. 4,37 Und die Kunde von ihm erscholl in alle Orte des umliegenden Landes. 4,38 Und er machte sich auf aus der Synagoge und kam in Simons Haus. Und
Simons Schwiegermutter hatte hohes Fieber, und sie baten ihn für sie. 4,39 Und er trat zu ihr und gebot dem Fieber, und es verließ sie. Und
sogleich stand sie auf und diente ihnen. 4,40 Und als die Sonne untergegangen war, brachten alle ihre Kranken mit
mancherlei Leiden zu ihm. Und er legte die Hände auf einen jeden und
machte sie gesund. 4,41 Von vielen fuhren auch die bösen Geister aus und schrien: (a) (b) Du bist der
Sohn Gottes! Und er bedrohte sie und ließ sie nicht reden; denn sie
wußten, daß er der Christus war.
4,42 Als es aber Tag wurde, ging er hinaus an eine einsame Stätte; und das
Volk suchte ihn, und sie kamen zu ihm und wollten ihn festhalten, damit er
nicht von ihnen ginge. 4,43 Er sprach aber zu ihnen: Ich muß auch den andern Städten das Evangelium
predigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt. 4,44 Und er predigte in den Synagogen Judäas. (a)
5. Kapitel
Der Fischzug des Petrus
(Mt 4,18-22; Mk 1,16-20)
5,1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort
Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth 5,2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen
und wuschen ihre Netze. 5,3 Da stieg er in eins der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig
vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot
aus. 5,4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus,
wo es tief ist, und (a) werft eure Netze zum Fang aus! 5,5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht
gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze
auswerfen. 5,6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre
Netze begannen zu reißen. 5,7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten
kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll,
so daß sie fast sanken. 5,8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh
weg von mir! (a) Ich bin ein sündiger Mensch. 5,9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfaßt und alle, die bei ihm waren, über
diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 5,10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons
Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst
du Menschen fangen. 5,11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm
nach.
Die Heilung eines Aussätzigen
(Mt 8,1-4; Mk 1,40-45)
5,12 Und es begab sich, als er in einer Stadt war, siehe, da war ein Mann
voller Aussatz. Als der Jesus sah, fiel er nieder auf sein Angesicht und
bat ihn und sprach: Herr, willst du, so kannst du mich reinigen. 5,13 Und er streckte die Hand aus und rührte ihn an und sprach: Ich will's
tun, sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm. 5,14 Und er gebot ihm, daß er's niemandem sagen sollte. (a) Geh aber hin und
zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten
hat, ihnen zum Zeugnis. 5,15 Aber die Kunde von ihm breitete sich immer weiter aus, und es kam eine
große Menge zusammen, zu hören und gesund zu werden von ihren
Krankheiten. 5,16 Er aber zog sich zurück in die Wüste und betete. (a)
Die Heilung eines Gelähmten («Der Gichtbrüchige»)
(Mt 9,1-8; Mk 2,1-12)
5,17 Und es begab sich eines Tages, als er lehrte, daß auch Pharisäer und
Schriftgelehrte dasaßen, die gekommen waren aus allen Orten in Galiläa und
Judäa und aus Jerusalem. Und die Kraft des Herrn war mit ihm, daß er
heilen konnte. 5,18 Und siehe, einige Männer brachten einen Menschen auf einem Bett; der
war gelähmt. Und sie versuchten, ihn hineinzubringen und vor ihn zu
legen. 5,19 Und weil sie wegen der Menge keinen Zugang fanden, ihn hineinzubringen,
stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel hinunter mit dem
Bett mitten unter sie vor Jesus. 5,20 Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir
vergeben. 5,21 Und die Schriftgelehrten und Pharisäer fingen an zu überlegen und
sprachen: Wer ist der, daß er Gotteslästerungen redet? (a) (b) (c) Wer kann Sünden
vergeben als allein Gott? 5,22 Als aber Jesus ihre Gedanken merkte, antwortete er und sprach zu ihnen:
Was denkt ihr in euren Herzen? 5,23 Was ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu
sagen: Steh auf und geh umher? 5,24 (a) Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden
Sünden zu vergeben - sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf,
nimm dein Bett und geh heim! 5,25 Und sogleich stand er auf vor ihren Augen und nahm das Bett, auf dem er
gelegen hatte, und ging heim und pries Gott. 5,26 Und sie entsetzten sich alle und priesen Gott und wurden von Furcht
erfüllt und sprachen: Wir haben heute seltsame Dinge gesehen.
Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern
(Mt 9,9-13; Mk 2,13-17)
5,27 Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll
sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! 5,28 Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. 5,29 Und Levi richtete ihm ein großes Mahl zu in seinem Haus, und (a) viele
Zöllner und andre saßen mit ihm zu Tisch. 5,30 Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und sprachen zu
seinen Jüngern: Warum eßt und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? 5,31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des
Arztes nicht, sondern die Kranken. 5,32 Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die
Gerechten.
Die Frage nach dem Fasten
(Mt 9,14-17; Mk 2,18-22)
5,33 Sie aber sprachen zu ihm: Die Jünger des Johannes fasten oft und beten
viel, ebenso die Jünger der Pharisäer; aber deine Jünger essen und
trinken. 5,34 Jesus sprach aber zu ihnen: Ihr könnt die Hochzeitsgäste nicht fasten
lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist. 5,35 Es wird aber die Zeit kommen, daß der Bräutigam von ihnen genommen
wird; dann werden sie fasten, in jenen Tagen. 5,36 Und er sagte zu ihnen ein Gleichnis: Niemand reißt einen Lappen von
einem neuen Kleid und flickt ihn auf ein altes Kleid; sonst zerreißt man
das neue, und der Lappen vom neuen paßt nicht auf das alte. 5,37 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der neue
Wein die Schläuche und wird verschüttet, und die Schläuche verderben. 5,38 Sondern neuen Wein soll man in neue Schläuche füllen. 5,39 Und niemand, der vom alten Wein trinkt, will neuen; denn er spricht:
Der alte ist milder.
6. Kapitel
Das Ährenraufen am Sabbat
(Mt 12,1-8; Mk 2,23-28)
6,1 (a) (b) Und es begab sich an einem Sabbat, daß er durch ein Kornfeld ging; und
seine Jünger rauften Ähren aus und zerrieben sie mit den Händen und aßen. 6,2 Einige der Pharisäer aber sprachen: Warum tut ihr, was am Sabbat nicht
erlaubt ist? 6,3 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht das gelesen, (a)
was David tat, als ihn hungerte und die, die bei ihm waren? 6,4 wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm und aß, (a) die
doch niemand essen durfte als die Priester allein, und wie er sie auch
denen gab, die bei ihm waren? 6,5 Und er sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist ein Herr über den Sabbat.
Die Heilung eines Mannes am Sabbat
(Mt 12,9-14; Mk 3,1-6)
6,6 Es geschah aber an einem andern Sabbat, daß er in die Synagoge ging und
lehrte. Und da war ein Mensch, dessen rechte Hand war verdorrt. 6,7 Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer lauerten darauf, ob er auch am
Sabbat heilen würde, damit sie etwas fänden, ihn zu verklagen. 6,8 Er aber merkte ihre Gedanken und sprach zu dem Mann mit der verdorrten
Hand: Steh auf und tritt hervor! Und er stand auf und trat vor. 6,9 Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Ist's erlaubt, am Sabbat Gutes
zu tun oder Böses, Leben zu erhalten oder zu vernichten? 6,10 Und er sah sie alle ringsum an und sprach zu ihm: Strecke deine Hand
aus! Und er tat's; da wurde seine Hand wieder zurechtgebracht. 6,11 Sie aber wurden ganz von Sinnen und beredeten sich miteinander, was sie
Jesus tun wollten.
Die Berufung der Zwölf
(Mt 4,23-5,1; Mk 3,13-19)
6,12 Es begab sich aber zu der Zeit, daß er auf einen Berg ging, um zu
beten; und er blieb die Nacht über im Gebet zu Gott. (a) 6,13 (a) (b) Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von
ihnen, die er auch Apostel nannte: 6,14 Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus
und Johannes; Philippus und Bartholomäus; 6,15 Matthäus und Thomas; Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, genannt
der Zelot; 6,16 Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter
wurde.
DIE PREDIGT AUF DEM FELDE
(Verse 17-49)
6,17 Und er ging mit ihnen hinab und trat auf ein ebenes Feld.
Und um ihn war eine große Schar seiner Jünger und eine große Menge des
Volkes aus ganz Judäa und Jerusalem und aus dem Küstenland von Tyrus und
Sidon, 6,18 die gekommen waren, ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu
werden; und die von unreinen Geistern umgetrieben waren, wurden gesund. 6,19 Und alles Volk suchte, ihn anzurühren; denn es ging Kraft von ihm aus,
und er heilte sie alle.
Die Seligpreisungen
(Mt 5,3-12) 6,20 Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: (a) Selig seid
ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. 6,21 Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden.
Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen. (a) 6,22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und
schmähen und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes
willen. (a) 6,23 Freut euch an jenem Tage und springt vor Freude; denn siehe, euer Lohn
ist groß im Himmel. Denn das gleiche haben ihre Väter den Propheten
getan.
Die Weherufe
6,24 Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon
gehabt. (a) (b) 6,25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid! Denn ihr werdet hungern. Weh euch,
die ihr jetzt lacht! Denn ihr werdet weinen und klagen. 6,26 Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet! Denn das gleiche haben ihre
Väter den falschen Propheten getan.
Von der Feindesliebe
(Mt 5,39-48)
6,27 Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen,
die euch hassen; 6,28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. (a) 6,29 Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar;
und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. 6,30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere
es nicht zurück. 6,31 Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!a 6,32 Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon?
Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde. 6,33 Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon?
Denn die Sünder tun dasselbe auch. 6,34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft,
welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie
das Gleiche bekommen. (a) 6,35 Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu
bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des
Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Von der Stellung zum Nächsten
(Mt 7,1-5)
6,36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 6,37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht,
so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. (a) 6,38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und
überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn (a) eben mit dem Maß,
mit dem ihr meßt, wird man euch wieder messen. 6,39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem
Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?a 6,40 Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist
er wie sein Meister. (a)
6,41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken
in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 6,42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den
Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in
deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh
dann zu, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!
Vom Baum und seinen Früchten
(Mt 12,33-35)
6,43 (a) Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und keinen
faulen Baum, der gute Frucht trägt. 6,44 Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Man pflückt ja
nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken. 6,45 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines
Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das
Herz voll ist, des geht der Mund über. 6,46 Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch
sage?a
Vom Hausbau
(Mt 7,24-27)
6,47 Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie - ich will euch
zeigen, wem er gleicht. 6,48 Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte
den Grund auf Fels. Als aber eine Wasserflut kam, da riß der Strom an dem
Haus und konnte es nicht bewegen; denn es war gut gebaut. 6,49 Wer aber hört und nicht tut, der gleicht einem Menschen, der ein Haus
baute auf die Erde, ohne Grund zu legen; und der Strom riß an ihm und es
fiel gleich zusammen, und sein Einsturz war groß.
7. Kapitel
Der Hauptmann von Kapernaum
(Mt 8,5-13; Joh 4,46-53)
7,1 Nachdem Jesus seine Rede vor dem Volk vollendet hatte, ging er nach
Kapernaum. 7,2 Ein Hauptmann aber hatte einen Knecht, der ihm lieb und wert war; der
lag todkrank. 7,3 Als er aber von Jesus hörte, sandte er die Ältesten der Juden zu ihm und
bat ihn, zu kommen und seinen Knecht gesund zu machen. 7,4 Als sie aber zu Jesus kamen, baten sie ihn sehr und sprachen: Er ist es
wert, daß du ihm die Bitte erfüllst; 7,5 denn er hat unser Volk lieb, und die Synagoge hat er uns erbaut. 7,6 Da ging Jesus mit ihnen. Als er aber nicht mehr fern von dem Haus war,
sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Ach Herr, bemühe
dich nicht; ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst; 7,7 darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu
kommen; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund. 7,8 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten
unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er hin; und zu
einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so
tut er's. 7,9 Als aber Jesus das hörte, wunderte er sich über ihn und wandte sich um
und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben
habe ich in Israel nicht gefunden. 7,10 Und als die Boten wieder nach Hause kamen, fanden sie den Knecht
gesund.
Der Jüngling zu Nain
7,11 Und es begab sich danach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und
seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. 7,12 Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten
heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe;
und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. 7,13 Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine
nicht! 7,14 Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen.
Und er sprach: Jüngling, (a) ich sage dir, steh auf! 7,15 Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und aJesus gab ihn
seiner Mutter. 7,16 Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: (a) Es
ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: (b) Gott hat sein Volk
besucht. 7,17 Und diese Kunde von ihm erscholl in ganz Judäa und im ganzen
umliegenden Land.
Die Anfrage des Täufers
(Mt 11,2-6)
7,18 Und die Jünger des Johannes verkündeten ihm das alles. Und Johannes
rief zwei seiner Jünger zu sich 7,19 und sandte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du, der da kommen
soll, oder sollen wir auf einen andern warten? 7,20 Als aber die Männer zu ihm kamen, sprachen sie: Johannes der Täufer hat
uns zu dir gesandt und läßt dich fragen: Bist du, der da kommen soll, oder
sollen wir auf einen andern warten? 7,21 Zu der Stunde machte Jesus viele gesund von Krankheiten und Plagen und
bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht. 7,22 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht und verkündet Johannes,
was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige
werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium
gepredigt; 7,23 und selig ist, wer sich nicht ärgert an mir.
Jesu Zeugnis über den Täufer
(Mt 11,7-19)
7,24 Als aber die Boten des Johannes fortgingen, fing Jesus an, zu dem Volk
über Johannes zu reden: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen?
Wolltet ihr ein Rohr sehen, das vom Wind bewegt wird? 7,25 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen
sehen in weichen Kleidern? Seht, die herrliche Kleider tragen und üppig
leben, die sind an den königlichen Höfen. 7,26 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten
sehen? Ja, ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet. (a) 7,27 Er ist's, von dem geschrieben steht (Maleachi 3,1): «Siehe, ich sende
meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.» 7,28 Ich sage euch, daß unter denen, die von einer Frau geboren sind, (a)
keiner größer ist als Johannes; der aber der Kleinste ist im Reich Gottes,
der ist größer als er. 7,29 Und alles Volk, das ihn hörte, und (a) (b) die Zöllner gaben Gott recht und
ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes. 7,30 Aber (a) die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten, was Gott ihnen
zugedacht hatte, und ließen sich nicht von ihm taufen. 7,31 Mit wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem
sind sie gleich? 7,32 Sie sind den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen
einander zu: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir
haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint. 7,33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen und (a) aß kein Brot und trank
keinen Wein; so sagt ihr: Er ist besessen. 7,34 Der Menschensohn ist gekommen, ißt und trinkt; so sagt ihr: Siehe,
dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein (a) Freund der Zöllner und
Sünder! 7,35 Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren
Kindern. (a)
Jesu Salbung durch die Sünderin
7,36 Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging
hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. (a) 7,37 Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die
vernahm, daß er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, (a) brachte sie ein
Glas mit Salböl 7,38 und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit
Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küßte
seine Füße und salbte sie mit Salböl. 7,39 Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er
bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüßte er, wer
und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine
Sünderin. 7,40 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen.
Er aber sprach: Meister, sag es! 7,41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert
Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. 7,42 Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er's beiden. Wer von ihnen
wird ihn am meisten lieben? 7,43 Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten
geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.
7,44 Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese
Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; (a) du hast mir kein Wasser für meine
Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren
Haaren getrocknet. 7,45 Du (a) hast mir keinen Kuß gegeben; diese aber hat, seit ich
hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 7,46 Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit
Salböl gesalbt. 7,47 Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat
viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.
7,48 Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. 7,49 Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst:
Wer ist dieser, (a) der auch die Sünden vergibt? 7,50 Er aber sprach zu der Frau: (a) (b) (c) Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in
Frieden!
8. Kapitel
Jüngerinnen Jesu
8,1 Und es begab sich danach, daß er durch Städte und Dörfer zog und
predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf
waren mit ihm, 8,2 dazu einige Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und
Krankheiten, nämlich (a) Maria, genannt Magdalena, von der sieben böse
Geister ausgefahren waren, 8,3 und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters des Herodes, und
Susanna und (a) viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.
Vom Sämann
(Mt 13,1-9; Mk 4,1-9)
8,4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm
eilten, redete er in einem Gleichnis: 8,5 Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel
einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel
fraßen's auf. 8,6 Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es
keine Feuchtigkeit hatte. 8,7 Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf
und erstickten's. 8,8 Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach
Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Vom Sinn der Gleichnisse
(Mt 13,10-17; Mk 4,10-12)
8,9 Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. 8,10 Er aber sprach: Euch ist's gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes
zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen, (a) damit sie es nicht sehen,
auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören.
Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann
(Mt 13,18-23; Mk 4,13-20)
8,11 Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. 8,12 Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der
Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und
selig werden. 8,13 Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort
mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeitlang glauben sie,
und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. 8,14 Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin
und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens
und bringen keine Frucht. 8,15 Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten
(a) in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
Vom Licht und vom rechten Hören
(Mk 4,21-25)
8,16 Niemand aber zündet ein Licht an und bedeckt es mit einem Gefäß oder
setzt es unter eine Bank; sondern er setzt es auf einen Leuchter, damit,
wer hineingeht, das Licht sehe. (a) 8,17 Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden soll, auch
nichts geheim, was nicht bekannt werden und an den Tag kommen soll. (a) (b) 8,18 So seht nun darauf, wie ihr zuhört; denn (a) wer da hat, dem wird
gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er meint zu
haben.
Jesu wahre Verwandte
(Mt 12,46-50; Mk 3,31-35)
8,19 Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm und konnten wegen
der Menge nicht zu ihm gelangen. 8,20 Da wurde ihm gesagt: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und
wollen dich sehen. 8,21 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder
sind diese, die Gottes Wort hören und tun.
Die Stillung des Sturms
(Mt 8,23-27; Mk 4,35-41)
8,22 Und es begab sich an einem der Tage, daß er in ein Boot stieg mit
seinen Jüngern; und er sprach zu ihnen: Laßt uns über den See fahren. Und
sie stießen vom Land ab. 8,23 Und als sie fuhren, schlief er ein. Und es kam ein Windwirbel über den
See, und die Wellen überfielen sie, und sie waren in großer Gefahr. 8,24 Da traten sie zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Meister,
Meister, wir kommen um! Da stand er auf und bedrohte den Wind und die
Wogen des Wassers, und sie legten sich, und es entstand eine Stille. 8,25 Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie aber fürchteten sich
und verwunderten sich und sprachen zueinander: Wer ist dieser? Auch dem
Wind und dem Wasser gebietet er, und sie sind ihm gehorsam.
Die Heilung des besessenen Geraseners
(Mt 8,28-34; Mk 5,1-20)
8,26 Und sie fuhren weiter in die Gegend der Gerasener, die Galiläa
gegenüberliegt. 8,27 Und als er ans Land trat, begegnete ihm ein Mann aus der Stadt, der
hatte böse Geister; er trug seit langer Zeit keine Kleider mehr und blieb
in keinem Hause, sondern in den Grabhöhlen. 8,28 Als er aber Jesus sah, schrie er auf und fiel vor ihm nieder und rief
laut: Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes des Allerhöchsten? Ich
bitte dich: Quäle mich nicht! 8,29 Denn er hatte dem unreinen Geist geboten, aus dem Menschen auszufahren.
Denn der hatte ihn lange Zeit geplagt; und er wurde mit Ketten und Fesseln
gebunden und gefangen gehalten, doch er zerriß seine Fesseln und wurde von
dem bösen Geist in die Wüste getrieben. 8,30 Und Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Legion. Denn es
waren viele böse Geister in ihn gefahren. 8,31 Und sie baten ihn, daß er ihnen nicht gebiete, in den Abgrund zu
fahren. 8,32 Es war aber dort auf dem Berg eine große Herde Säue auf der Weide. Und
sie baten ihn, daß er ihnen erlaube, in die Säue zu fahren. Und er
erlaubte es ihnen. 8,33 Da fuhren die bösen Geister von dem Menschen aus und fuhren in die
Säue; und die Herde stürmte den Abhang hinunter in den See und ersoff. 8,34 Als aber die Hirten sahen, was da geschah, flohen sie und verkündeten
es in der Stadt und in den Dörfern. 8,35 Da gingen die Leute hinaus, um zu sehen, was geschehen war, und kamen
zu Jesus und fanden den Menschen, von dem die bösen Geister ausgefahren
waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und vernünftig, und sie
erschraken. 8,36 Und die es gesehen hatten, verkündeten ihnen, wie der Besessene gesund
geworden war. 8,37 Und die ganze Menge aus dem umliegenden Land der Gerasener bat ihn, von
ihnen fortzugehen; denn es hatte sie große Furcht ergriffen. Und er stieg
ins Boot und kehrte zurück. 8,38 Aber der Mann, von dem die bösen Geister ausgefahren waren, bat ihn,
daß er bei ihm bleiben dürfe. Aber Jesus schickte ihn fort und sprach: 8,39 Geh wieder heim und sage, wie große Dinge Gott an dir getan hat. Und er
ging hin und verkündigte überall in der Stadt, wie große Dinge Jesus an
ihm getan hatte.
Die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des
Jaïrus
(Mt 9,18-26; Mk 5,21-43)
8,40 Als Jesus zurückkam, nahm ihn das Volk auf; denn sie warteten alle auf
ihn. 8,41 Und siehe, da kam ein Mann mit Namen Jaïrus, der ein Vorsteher der
Synagoge war, und fiel Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu
kommen; 8,42 denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, die lag in
den letzten Zügen. Und als er hinging, umdrängte ihn das Volk. 8,43 Und eine Frau hatte den Blutfluß seit zwölf Jahren; die hatte alles,
was sie zum Leben hatte, für die Ärzte aufgewandt und* konnte von keinem
geheilt werden. *Der Versteil «hatte alles . . . aufgewandt und» findet
sich bei einigen wichtigen Textzeugen nicht. 8,44 Die trat von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes;
und sogleich hörte ihr Blutfluß auf. 8,45 Und Jesus fragte: Wer hat mich berührt? Als es aber alle abstritten,
sprach Petrus: Meister, das Volk drängt und drückt dich. 8,46 Jesus aber sprach: Es hat mich jemand berührt; denn ich habe gespürt,
daß eine Kraft von mir ausgegangen ist. 8,47 Als aber die Frau sah, daß es nicht verborgen blieb, kam sie mit
Zittern und fiel vor ihm nieder und verkündete vor allem Volk, warum sie
ihn angerührt hatte, und wie sie sogleich gesund geworden war. 8,48 Er aber sprach zu ihr: Meine Tochter, (a) dein Glaube hat dir geholfen.
Geh hin in Frieden!
8,49 Als er noch redete, kam einer von den Leuten des Vorstehers der
Synagoge und sprach: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht
mehr. 8,50 Als aber Jesus das hörte, antwortete er ihm: Fürchte dich nicht; glaube
nur, so wird sie gesund! 8,51 Als er aber in das Haus kam, ließ er niemanden mit hineingehen (a) als
Petrus und Johannes und Jakobus und den Vater und die Mutter des Kindes. 8,52 Sie weinten aber alle und klagten um sie. Er aber sprach: (a) Weint
nicht! Sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft. 8,53 Und sie verlachten ihn, denn sie wußten, daß sie gestorben war. 8,54 Er aber nahm sie bei der Hand und rief: Kind, steh auf! 8,55 Und ihr Geist kam wieder, und sie stand sogleich auf. Und er befahl,
man solle ihr zu essen geben. 8,56 Und ihre Eltern entsetzten sich. (a) (b) Er aber gebot ihnen, niemandem zu
sagen, was geschehen war.
9. Kapitel
Die Aussendung der Zwölf
(Mt 10,1-14; Mk 6,7-13)
9,1 (a) Er rief aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über
alle bösen Geister, und daß sie Krankheiten heilen konnten, 9,2 und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und die Kranken zu
heilen. 9,3 Und er sprach zu ihnen: Ihr sollt nichts mit auf den Weg nehmen, weder
Stab noch Tasche noch Brot noch Geld; es soll auch einer nicht zwei Hemden
haben. 9,4 Und wenn ihr in ein Haus geht, dann bleibt dort, bis ihr weiterzieht. 9,5 Und wenn sie euch nicht aufnehmen, dann geht fort aus dieser Stadt und
schüttelt den Staub von euren Füßen zu einem Zeugnis gegen sie. 9,6 Und sie gingen hinaus und zogen von Dorf zu Dorf, predigten das
Evangelium und machten gesund an allen Orten.
Herodes und Jesus
(Mt 14,1.2; Mk 6,14-16)
9,7 Es kam aber vor Herodes, den Landesfürsten, alles, was geschah; und er
wurde unruhig, weil von einigen gesagt wurde: Johannes ist von den Toten
auferstanden; 9,8 von einigen aber: Elia ist erschienen; von andern aber: Einer von den
alten Propheten ist auferstanden. 9,9 Und Herodes sprach: Johannes, den habe ich enthauptet; wer ist aber
dieser, über den ich solches höre? Und (a) er begehrte ihn zu sehen.
Die Speisung der Fünftausend
(Mt 14,13-21; Mk 6,31-44; Joh 6,1-13)
9,10 Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie
getan hatten. Und er nahm sie zu sich, und er zog sich mit ihnen allein in
die Stadt zurück, die heißt Betsaida. 9,11 Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach. Und er ließ sie zu sich und
sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung
bedurften. 9,12 Aber der Tag fing an, sich zu neigen.
Da traten die Zwölf zu ihm und sprachen: Laß das Volk gehen, damit sie
hingehen in die Dörfer und Höfe ringsum und Herberge und Essen finden;
denn wir sind hier in der Wüste. 9,13 Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir
haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, daß wir
hingehen sollen und für alle diese Leute Essen kaufen. 9,14 Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern:
Laßt sie sich setzen in Gruppen zu je fünfzig. 9,15 Und sie taten das und ließen alle sich setzen. 9,16 Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und
dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten. 9,17 Und sie aßen und wurden alle satt; und es wurde aufgesammelt, was sie
an Brocken übrigließen, zwölf Körbe voll.
Das Bekenntnis des Petrus
(Mt 16,13-19; Mk 8,27-29; Joh 6,67-69)
9,18 Und es begab sich, als Jesus allein war und betete und nur seine Jünger
bei ihm waren, da fragte er sie und sprach: Wer sagen die Leute, daß ich
sei? 9,19 Sie antworteten und sprachen: (a) Sie sagen, du seist Johannes der
Täufer; einige aber, du seist Elia; andere aber, es sei einer der alten
Propheten auferstanden. 9,20 Er aber sprach zu ihnen: Wer sagt ihr aber, daß ich sei? Da antwortete
Petrus und sprach: Du bist der Christus Gottes!
Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
(Mt 16,20.21; Mk 8,30.31)
9,21 Er aber gebot ihnen, daß sie das niemandem sagen sollten, 9,22 und sprach: Der Menschensohn muß viel leiden und verworfen werden von
den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden
und am dritten Tag auferstehen. (a) (b)
Von der Nachfolge
(Mt 16,24-28; Mk 8,34-9,1)
9,23 Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich
selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. 9,24 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein
Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten. (a) (b) (c) 9,25 Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne
und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst? 9,26 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der
Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und
der des Vaters und der heiligen Engel. (a) (b) 9,27 Ich sage euch aber wahrlich: Einige von denen, die hier stehen, werden
den Tod nicht schmecken, bis sie das Reich Gottes sehen.
Die Verklärung Jesu
(Mt 17,1-8; Mk 9,2-8)
9,28 Und es begab sich, etwa acht Tage nach diesen Reden, daß er mit sich
nahm Petrus, Johannes und Jakobus und ging auf einen Berg, um zu beten. 9,29 Und als er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts anders, und
sein Gewand wurde weiß und glänzte. 9,30 Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm; das waren Mose und Elia. 9,31 Sie erschienen verklärt und redeten von seinem Ende, das er in
Jerusalem erfüllen sollte. 9,32 Petrus aber und die bei ihm waren, waren voller Schlaf. Als sie aber
aufwachten, sahen sie, wie er verklärt war, und die zwei Männer, die bei
ihm standen. 9,33 Und es begab sich, als sie von ihm schieden, da sprach Petrus zu Jesus:
Meister, hier ist für uns gut sein! Laßt uns drei Hütten bauen, dir eine,
Mose eine und Elia eine. Er wußte aber nicht, was er redete. 9,34 Als er aber dies redete, kam eine Wolke und überschattete sie; und sie
erschraken, als sie in die Wolke hineinkamen. 9,35 Und es geschah eine Stimme aus der Wolke, die sprach: (a) (b) Dieser ist mein
auserwählter Sohn; (c) den sollt ihr hören! 9,36 Und als die Stimme geschah, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen
davon und verkündeten in jenen Tagen niemandem, was sie gesehen hatten.
Die Heilung eines besessenen Knaben
(Mt 17,14-21; Mk 9,14-29)
9,37 Es begab sich aber, als sie am nächsten Tag von dem Berg kamen, da kam
ihm eine große Menge entgegen. 9,38 Und siehe, ein Mann aus der Menge rief: Meister, ich bitte dich, sieh
doch nach meinem Sohn; denn er ist mein einziger Sohn. 9,39 Siehe, ein Geist ergreift ihn, daß er plötzlich aufschreit, und er
reißt ihn, daß er Schaum vor dem Mund hat, und läßt kaum von ihm ab und
reibt ihn ganz auf. 9,40 Und ich habe deine Jünger gebeten, daß sie ihn austrieben, und sie
konnten es nicht. 9,41 Da antwortete Jesus und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes
Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein und euch erdulden? Bring
deinen Sohn her! 9,42 Und als er zu ihm kam, riß ihn der böse Geist und zerrte ihn. Jesus
aber bedrohte den unreinen Geist und machte den Knaben gesund und (a) gab
ihn seinem Vater wieder. 9,43 Und sie entsetzten sich alle über die Herrlichkeit Gottes.
Die zweite Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
(Mt 17,22.23; Mk 9,30-32)
Als sie sich aber alle verwunderten über alles, was er tat, sprach er zu
seinen Jüngern: 9,44 Laßt diese Worte in eure Ohren dringen: Der
Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen. (a) (b) 9,45 Aber dieses Wort verstanden sie nicht, und (a) es war vor ihnen
verborgen, so daß sie es nicht begriffen. Und sie fürchteten sich, ihn
nach diesem Wort zu fragen.
Der Rangstreit der Jünger
(Mt 18,1-5; Mk 9,33-37)
9,46 Es kam aber unter ihnen der Gedanke auf, wer von ihnen der Größte sei. 9,47 Als aber Jesus den Gedanken ihres Herzens erkannte, nahm er ein Kind
und stellte es neben sich 9,48 und sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, der
nimmt mich auf; und (a) wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich
gesandt hat. Denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.
Der fremde Wundertäter
(Mk 9,38-40)
9,49 Da fing Johannes an und sprach: Meister, wir sahen einen, der trieb
böse Geister aus in deinem Namen; und wir wehrten ihm, denn er folgt dir
nicht nach mit uns. 9,50 Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt ihm nicht! Denn (a) (b) wer nicht gegen euch
ist, der ist für euch.
Aufbruch nach Jerusalem. Ablehnung Jesu durch Samariter
9,51 Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, daß er hinweggenommen
werden sollte, da wandte er sein Angesicht, stracks (a) nach Jerusalem zu
wandern. 9,52 Und er sandte Boten vor sich her; die gingen hin und kamen in ein Dorf
der Samariter, ihm Herberge zu bereiten. 9,53 Und (a) sie nahmen ihn nicht auf, weil er sein Angesicht gewandt hatte,
nach Jerusalem zu wandern. 9,54 Als aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie:
Herr, willst du, so wollen wir sagen, (a) daß Feuer vom Himmel falle und sie
verzehre. 9,55 Jesus aber wandte sich um und wies sie zurecht.* *Die Versteile
55b.56a finden sich erst in der späteren Überlieferung: «und sprach: Wißt
ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Der Menschensohn ist nicht
gekommen, das Leben der Menschen zu vernichten, sondern zu erhalten.» 9,56 Und sie gingen in ein andres Dorf.
Vom Ernst der Nachfolge
(Mt 8,19-22)
9,57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir
folgen, wohin du gehst. 9,58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter
dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein
Haupt hinlege. 9,59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr,
erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 9,60 Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; du aber
geh hin und verkündige das Reich Gottes! 9,61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir
zuvor, daß ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. (a) 9,62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht
zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (a)
10. Kapitel
Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger
(Mt 10,7-16)
10,1 Danach setzte der Herr (a) (b) weitere zweiundsiebzig* Jünger ein und sandte
sie (c) je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er
gehen wollte, 10,2 und sprach zu ihnen: Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige.
Darum bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in seine
Ernte. (a) (b) 10,3 Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe. 10,4 (a) Tragt keinen Geldbeutel bei euch, keine Tasche und keine Schuhe, und
(b) grüßt niemanden unterwegs. 10,5 Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst: (a) Friede sei diesem Hause! 10,6 Und wenn dort ein Kind des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm
ruhen; wenn aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden. 10,7 In demselben Haus aber bleibt, eßt und trinkt, was man euch gibt; denn
ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Ihr sollt nicht von einem Haus zum
andern gehen. 10,8 Und wenn ihr in eine Stadt kommt, und sie euch aufnehmen, dann eßt, was
euch vorgesetzt wird, 10,9 und heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes
ist nahe zu euch gekommen. 10,10 Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, und sie euch nicht aufnehmen, so
geht hinaus auf ihre Straßen und sprecht: 10,11 Auch den Staub aus eurer Stadt, der sich an unsre Füße gehängt hat,
schütteln wir ab auf euch. Doch sollt ihr wissen: das Reich Gottes ist
nahe herbeigekommen. 10,12 Ich sage euch: Es wird (a) Sodom erträglicher ergehen an jenem Tage als
dieser Stadt.
Jesu Weherufe über galiläische Städte
(Mt 11,20-24)
10,13 Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Denn wären solche Taten in Tyrus
und Sidon geschehen, wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst in
Sack und Asche gesessen und Buße getan. 10,14 Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen im Gericht als euch. 10,15 Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel erhoben werden? Du wirst bis
in die Hölle hinuntergestoßen werden. 10,16 Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet
mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat. (a) (b)
Jesu Jubelruf
(Mt 11,25-27)
10,17 Die Zweiundsiebzig* aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr,
auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen. *Statt
«zweiundsiebzig» haben andere Textzeugen «siebzig». 10,18 Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen
Blitz. (a) (b) 10,19 Seht, ich habe euch Macht gegeben, (a) (b) zu treten auf Schlangen und
Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch
schaden. 10,20 Doch darüber freut euch nicht, daß euch die Geister untertan sind.
Freut euch aber, daß (a) (b) (c) (d) eure Namen im Himmel geschrieben sind. 10,21 Zu der Stunde freute sich Jesus im heiligen Geist und sprach: Ich
preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, (a) weil du dies den
Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja,
Vater, so hat es dir wohlgefallen. 10,22 Alles ist mir übergeben von meinem Vater. Und niemand weiß, wer der
Sohn ist, als nur der Vater, noch, wer der Vater ist, als nur der Sohn und
wem es der Sohn offenbaren will.
10,23 Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen allein: (a)
Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht. 10,24 Denn ich sage euch: (a) Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr
seht, und haben's nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und haben's
nicht gehört.
Der barmherzige Samariter
10,25 (a) (b) (c) Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und
sprach: Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe? 10,26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? 10,27 Er antwortete und sprach: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von
ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt*,
und deinen Nächsten wie dich selbst» (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18). *Siehe
Sach- und Worterklärungen. 10,28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; (a) (b) tu das, so wirst du
leben. 10,29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist
denn mein Nächster? 10,30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von
Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus
und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. 10,31 Es traf sich aber, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als
er ihn sah, ging er vorüber. 10,32 Desgleichen auch ein Levit: als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging
er vorüber. 10,33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn
sah, jammerte er ihn; 10,34 und er ging zu ihm, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie
ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte
ihn. 10,35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und
sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen,
wenn ich wiederkomme. 10,36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der
unter die Räuber gefallen war? 10,37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm:
So geh hin und tu desgleichen!a
Maria und Marta
10,38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war (a) (b) eine Frau mit
Namen Marta, die nahm ihn auf. 10,39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn
zu Füßen und hörte seiner Rede zu. 10,40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat
hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester
läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfen soll! 10,41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel
Sorge und Mühe. 10,42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von
ihr genommen werden. (a)
11. Kapitel
Das Vaterunser
(Mt 6,9-13)
11,1 Und es begab sich, daß er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört
hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch
Johannes seine Jünger lehrte. 11,2 Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name
werde geheiligt. Dein Reich komme.* 11,3 Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag 11,4 und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns
schuldig werden. Und führe uns nicht in Versuchung.* *In der späteren
Überlieferung finden sich zusätzliche Versteile: Vers 2: «Dein Wille
geschehe auf Erden wie im Himmel», Vers 4: «sondern erlöse uns von dem
Bösen» (entsprechend Mt 6,10.13).
Der bittende Freund
(Mt 7,7-11)
11,5 Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und
ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir
drei Brote; 11,6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts,
was ich ihm vorsetzen kann, 11,7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die
Tür ist schon zugeschlossen, und meine Kinder und ich liegen schon zu
Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 11,8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil
er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens
aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf. 11,9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet
ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 11,10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und (a)
wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11,11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn* um einen
Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? *In der späteren
Überlieferung finden sich zusätzlich die Worte: «... ums Brot bittet,
dafür einen Stein biete? oder wenn er...» (vgl. Mt 7,9). 11,12 oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? 11,13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt,
wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die
ihn bitten!
Jesus und die bösen Geister
(Mt 12,22-30; Mk 3,22-27)
11,14 Und er trieb einen bösen Geist aus, der war stumm. Und es geschah, als
der Geist ausfuhr, da redete der Stumme. Und die Menge verwunderte sich. 11,15 Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch
Beelzebul, ihren Obersten. 11,16 Andere aber versuchten ihn und (a) forderten von ihm ein Zeichen vom
Himmel. 11,17 Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das
mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet, und ein Haus fällt über das
andre. 11,18 Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich
bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die bösen Geister aus durch
Beelzebul. 11,19 Wenn aber ich die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen
treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 11,20 Wenn ich aber (a) durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist
ja das Reich Gottes zu euch gekommen. 11,21 Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast bewacht, so bleibt, was er
hat, in Frieden. 11,22 Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er
ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute. (a) (b) 11,23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir
sammelt, der zerstreut. (a)
Von der Rückkehr des bösen Geistes
(Mt 12,43-45)
11,24 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so
durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; dann
spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich
fortgegangen bin. 11,25 Und wenn er kommt, so findet er's gekehrt und geschmückt. 11,26 Dann geht er hin und nimmt sieben andre Geister mit sich, die böser
sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin, und (a) es
wird mit diesem Menschen hernach ärger als zuvor.
Eine Seligpreisung Jesu
11,27 Und es begab sich, als er so redete, da erhob eine Frau im Volk ihre
Stimme und sprach zu ihm: (a) Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und
die Brüste, an denen du gesogen hast. 11,28 Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und
bewahren. (a)
Ablehnung der Zeichenforderung
(Mt 12,38-42)
11,29 Die Menge aber drängte herzu. Da fing er an und sagte: Dies Geschlecht
ist ein böses Geschlecht; (a) es fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein
Zeichen gegeben werden als nur das Zeichen des Jona. 11,30 Denn wie Jona ein Zeichen war für die Leute von Ninive,* so wird es
auch der Menschensohn sein für dieses Geschlecht. *Siehe Sach- und
Worterklärungen zu «Jona». 11,31 Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit den
Leuten dieses Geschlechts und wird sie verdammen; denn (a) sie kam vom Ende
der Welt, zu hören die Weisheit Salomos. Und siehe, hier ist mehr als
Salomo. 11,32 Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem
Geschlecht und werden's verdammen; denn (a) sie taten Buße nach der Predigt
des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona.
Bildworte vom Licht
(Mt 5,15; 6,22.23)
11,33 Niemand zündet ein Licht an und setzt es in einen Winkel, auch nicht
unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit, wer hineingeht, das
Licht sehe. (a) 11,34 Dein Auge ist das Licht des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so
ist dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib
finster. 11,35 So schaue darauf, daß nicht das Licht in dir Finsternis sei. 11,36 Wenn nun dein Leib ganz licht ist und kein Teil an ihm finster ist,
dann wird er ganz licht sein, wie wenn dich das Licht erleuchtet mit
hellem Schein.
Weherufe gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten
(Mt 23,1-36)
11,37 Als er noch redete, bat ihn ein Pharisäer, mit ihm zu essen. Und er
ging hinein und setzte sich zu Tisch. (a) (b) 11,38 Als das der Pharisäer sah, wunderte er sich, daß er sich nicht (a) vor
dem Essen gewaschen hatte. 11,39 Der Herr aber sprach zu ihm: Ihr Pharisäer, ihr haltet die Becher und
Schüsseln außen rein; aber euer Inneres ist voll Raubgier und Bosheit. 11,40 Ihr Narren, hat nicht der, der das Äußere geschaffen hat, auch das
Innere geschaffen? 11,41 Gebt doch, was drinnen ist, als Almosen, siehe, dann ist euch alles
rein. 11,42 Aber weh euch Pharisäern! Denn ihr gebt den Zehnten von Minze und
Raute und allerlei Gemüse, aber am Recht und (a) an der Liebe Gottes geht
ihr vorbei. Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
11,43 Weh euch Pharisäern! Denn (a) ihr sitzt gern obenan in den Synagogen und
wollt gegrüßt sein auf dem Markt.
11,44 Weh euch! Denn ihr seid wie die verdeckten Gräber, über die die Leute
laufen, und wissen es nicht.
11,45 Da antwortete einer von den Schriftgelehrten und sprach zu ihm:
Meister, mit diesen Worten schmähst du uns auch. 11,46 Er aber sprach: Weh auch euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die
Menschen mit unerträglichen Lasten, und ihr selbst rührt sie nicht mit
einem Finger an.
11,47 Weh euch! Denn ihr baut den Propheten Grabmäler; (a) eure Väter aber
haben sie getötet. 11,48 So bezeugt ihr und billigt die Taten eurer Väter; denn sie haben sie
getötet; und ihr baut ihnen Grabmäler! 11,49 Darum spricht die Weisheit Gottes: Ich will Propheten und Apostel zu
ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen, 11,50 damit gefordert werde von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten,
das vergossen ist seit Erschaffung der Welt, 11,51 von Abels Blut an bis hin zum Blut des Secharja, der umkam zwischen
Altar und Tempel. Ja, ich sage euch: Es wird gefordert werden von diesem
Geschlecht.
11,52 Weh euch Schriftgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis
weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt auch denen
gewehrt, die hinein wollten.
11,53 Und als er von dort hinausging, fingen die Schriftgelehrten und
Pharisäer an, heftig auf ihn einzudringen und ihn mit vielen Fragen
auszuhorchen, 11,54 und belauerten ihn, ob sie etwas aus seinem Mund erjagen könnten. (a)
12. Kapitel
Mahnung zum furchtlosen Bekennen
(Mt 10,26-33)
12,1 Unterdessen kamen einige tausend Menschen zusammen, so daß sie sich
untereinander traten. Da fing er an und sagte zuerst zu seinen Jüngern: (a) (b)
Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist die Heuchelei. 12,2 Es ist aber (a) nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts
geheim, was man nicht wissen wird. 12,3 Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das wird man im Licht hören; und
was ihr ins Ohr flüstert in der Kammer, das wird man auf den Dächern
predigen.
12,4 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die
den Leib töten und danach nichts mehr tun können. 12,5 Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet
euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu
werfen. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch. (a) 12,6 Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Groschen? Dennoch ist vor
Gott nicht einer von ihnen vergessen. 12,7 Aber (a) auch die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt. Darum fürchtet
euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. 12,8 Ich sage euch aber: Wer mich bekennt vor den Menschen, den wird auch der
Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes. 12,9 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird verleugnet werden
vor den Engeln Gottes. (a) (b) 12,10 Und wer ein Wort gegen den Menschensohn sagt, dem soll es vergeben
werden; wer aber den heiligen Geist lästert, dem soll es nicht vergeben
werden. (a) (b) 12,11 (a) (b) Wenn sie euch aber führen werden in die Synagogen und vor die
Machthaber und die Obrigkeit, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch
verantworten oder was ihr sagen sollt; 12,12 denn der heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen
sollt.
Warnung vor Habgier
12,13 Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm: Meister, sage meinem Bruder,
daß er mit mir das Erbe teile. 12,14 Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder
Erbschlichter über euch gesetzt? 12,15 Und er sprach zu ihnen: Seht zu und (a) (b) hütet euch vor aller Habgier;
denn niemand lebt davon, daß er viele Güter hat.
Der reiche Kornbauer
12,16 Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch,
dessen Feld hatte gut getragen. 12,17 Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe
nichts, wohin ich meine Früchte sammle. 12,18 Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und
größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte 12,19 (a) und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen
Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut! 12,20 Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von
dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? 12,21 So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei
Gott. (a)
Vom falschen und rechten Sorgen
(Mt 6,25-33.20.21)
12,22 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Sorgt nicht um
euer Leben, was ihr essen sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr
anziehen sollt. 12,23 Denn das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die
Kleidung. 12,24 Seht die Raben an: sie säen nicht, sie ernten auch nicht, sie haben
auch keinen Keller und keine Scheune, und Gott ernährt sie doch. Wieviel
besser seid ihr als die Vögel! 12,25 Wer ist unter euch, der, wie sehr er sich auch darum sorgt, seines
Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte? 12,26 Wenn ihr nun auch das Geringste nicht vermögt, warum sorgt ihr euch um
das andre? 12,27 Seht die Lilien an, wie sie wachsen: sie spinnen nicht, sie weben
nicht. Ich sage euch aber, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit
nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 12,28 Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den
Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr wird er euch kleiden, ihr
Kleingläubigen! 12,29 Darum auch ihr, fragt nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken
sollt, und macht euch keine Unruhe. 12,30 Nach dem allen trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß,
daß ihr dessen bedürft. 12,31 Trachtet vielmehr nach seinem Reich, so wird euch das alles zufallen. 12,32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater
wohlgefallen, euch (a) das Reich zu geben. 12,33 Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen. Macht euch Geldbeutel, die
nicht veralten, einen (a) Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel, wo kein
Dieb hinkommt und den keine Motten fressen. 12,34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
Vom Warten auf das Kommen Christi
(Mt 24,43-51)
12,35 (a) (b) Laßt eure Lenden umgürtet sein und (c) eure Lichter brennen 12,36 und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er
aufbrechen wird von der Hochzeit, damit, (a) wenn er kommt und anklopft, sie
ihm sogleich auftun. 12,37 Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet.
Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch
bitten und kommen und ihnen dienen. 12,38 Und wenn er kommt in der zweiten oder in der dritten Nachtwache und
findet's so: selig sind sie. 12,39 Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüßte, (a) zu welcher Stunde
der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen. 12,40 Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da
ihr's nicht meint. 12,41 Petrus aber sprach: Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns oder auch zu
allen? 12,42 Der Herr aber sprach: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den
der Herr über seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was
ihnen zusteht? 12,43 Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. 12,44 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. 12,45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch
lange nicht, und fängt an, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu
essen und zu trinken und sich vollzusaufen, 12,46 dann wird der Herr dieses Knechtes kommen an einem Tage, an dem er's
nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn in
Stücke hauen lassen und wird ihm sein Teil geben bei den Ungläubigen.
12,47 Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kennt, hat aber nichts
vorbereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge erleiden
müssen. (a) 12,48 Wer ihn aber nicht kennt und getan hat, was Schläge verdient, wird
wenig Schläge erleiden. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel
suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.
Entzweiungen um Jesu willen
(Mt 10,34-36)
12,49 Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich
lieber, als daß es schon brennte! 12,50 Aber ich muß mich zuvor taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir
so bange, bis sie vollbracht ist!a 12,51 Meint ihr, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich
sage: Nein, sondern Zwietracht. 12,52 Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei gegen zwei
und zwei gegen drei. 12,53 Es wird der Vater gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater, die
Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die
Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen
die Schwiegermutter.
Beurteilung der Zeit
12,54 (a) Er sprach aber zu der Menge: Wenn ihr eine Wolke aufsteigen seht vom
Westen her, so sagt ihr gleich: Es gibt Regen. Und es geschieht so. 12,55 Und wenn der Südwind weht, so sagt ihr: Es wird heiß werden. Und es
geschieht so. 12,56 Ihr Heuchler! Über das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr
urteilen; warum aber könnt ihr über diese Zeit nicht urteilen? 12,57 Warum aber urteilt ihr nicht auch von euch aus darüber, was recht
ist? 12,58 (a) Denn wenn du mit deinem Gegner zum Gericht gehst, so bemühe dich auf
dem Wege, von ihm loszukommen, damit er nicht etwa dich vor den Richter
ziehe, und der Richter überantworte dich dem Gerichtsdiener, und der
Gerichtsdiener werfe dich ins Gefängnis. 12,59 Ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den
allerletzten Heller bezahlt hast.
13. Kapitel
Der Untergang der Galiläer. Der Turm von Siloah
13,1 Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten ihm von den
Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. 13,2 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, daß diese Galiläer
mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten
haben?a 13,3 Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle
auch so umkommen. 13,4 Oder meint ihr, daß die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und
erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle andern Menschen, die in
Jerusalem wohnen? 13,5 Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle
auch so umkommen.
Das Gleichnis vom Feigenbaum
13,6 Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der
war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam und (a) suchte Frucht darauf
und fand keine. 13,7 Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang
gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum, und finde keine. So
hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft? 13,8 Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies Jahr, bis
ich um ihn grabe und ihn dünge; (a) 13,9 vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab. (a)
Die Heilung einer verkrümmten Frau am Sabbat
13,10 (a) Und er lehrte in einer Synagoge am Sabbat. 13,11 Und siehe, eine Frau war da, die hatte seit achtzehn Jahren einen
Geist, der sie krank machte; und sie war verkrümmt und konnte sich nicht
mehr aufrichten. 13,12 Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau,
sei frei von deiner Krankheit! 13,13 Und legte die Hände auf sie; und sogleich richtete sie sich auf und
pries Gott. 13,14 Da antwortete der Vorsteher der Synagoge, denn er war unwillig, daß
Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind (a) sechs Tage, an
denen man arbeiten soll; an denen kommt und laßt euch heilen, aber nicht
am Sabbattag. 13,15 Da antwortete ihm der Herr und sprach: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder
von euch am Sabbat seinen Ochsen oder seinen Esel von der Krippe los und
führt ihn zur Tränke?a 13,16 Sollte dann nicht diese, die doch aAbrahams Tochter ist, die der Satan
schon achtzehn Jahre gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst
werden? 13,17 Und als er das sagte, mußten sich schämen alle, die gegen ihn gewesen
waren. Und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die durch
ihn geschahen.
Vom Senfkorn und vom Sauerteig
(Mt 13,31-33; Mk 4,30-32)
13,18 Er aber sprach: Wem gleicht das Reich Gottes, und womit soll ich's
vergleichen? 13,19 Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten
säte; und es wuchs und wurde ein Baum, und die Vögel des Himmels wohnten
in seinen Zweigen. 13,20 Und wiederum sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? 13,21 Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben
Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.
Von der engen Pforte und der verschlossenen Tür
13,22 Und er ging durch Städte und Dörfer und lehrte und nahm seinen Weg nach
Jerusalem. 13,23 Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst du, daß nur wenige selig
werden? Er aber sprach zu ihnen: 13,24 Ringt darum, (a) daß ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele,
das sage ich euch, werden danach trachten, wie sie hineinkommen, und
werden's nicht können. 13,25 Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat, und
ihr anfangt, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen:
Herr, tu uns auf!, dann wird er antworten und zu euch sagen: (a) Ich kenne
euch nicht; wo seid ihr her? 13,26 (a) Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und
getrunken, und auf unsern Straßen hast du gelehrt. 13,27 Und er wird zu euch sagen: Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her?
Weicht alle von mir, ihr Übeltäter! 13,28 (a) Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr sehen werdet Abraham,
Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber
hinausgestoßen. 13,29 Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von
Süden, die (a) zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. 13,30 Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste,
die werden die Letzten sein. (a)
Die Feindschaft des Herodes
13,31 Zu dieser Stunde kamen einige Pharisäer und sprachen zu ihm: Mach dich
auf und geh weg von hier; denn Herodes will dich töten. 13,32 Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich
treibe böse Geister aus und mache gesund heute und morgen, und am dritten
Tage werde ich vollendet sein. 13,33 Doch muß ich heute und morgen und am folgenden Tage noch wandern; denn
es geht nicht an, daß ein Prophet umkomme außerhalb von Jerusalem.
Jesu Klage über Jerusalem
(Mt 23,37-39)
13,34 aJerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die
zu dir gesandt werden, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie
eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! 13,35 Seht, «euer Haus soll euch wüst gelassen werden» (Jeremia 22,5; Psalm
69,26). Aber ich sage euch: Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis die Zeit
kommt, da ihr sagen werdet: (a) Gelobt ist, der da kommt in dem Namen des
Herrn!
14. Kapitel
Die Heilung eines Wassersüchtigen am Sabbat
14,1 Und es begab sich, daß er an einem Sabbat in das Haus eines Oberen der
Pharisäer kam, das Brot zu essen, und sie belauerten ihn. (a) (b) 14,2 Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. 14,3 Und Jesus fing an und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern:
Ist's erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht? 14,4 Sie aber schwiegen still. Und er faßte ihn an und heilte ihn und ließ
ihn gehen. 14,5 Und er sprach zu ihnen: Wer ist unter euch, dem sein Sohn oder sein
Ochse in den Brunnen fällt, und der ihn nicht alsbald herauszieht, auch am
Sabbat?a 14,6 Und sie konnten ihm darauf keine Antwort geben.
Von Rangordnung und Auswahl der Gäste
14,7 Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, als er merkte, (a) wie sie
suchten, obenan zu sitzen, und sprach zu ihnen: 14,8 (a) Wenn du von jemandem zur Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht
obenan; denn es könnte einer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, 14,9 und dann kommt der, der dich und ihn eingeladen hat, und sagt zu dir:
Weiche diesem!, und du mußt dann beschämt untenan sitzen. 14,10 Sondern wenn du eingeladen bist, so geh hin und setz dich untenan,
damit, wenn der kommt, der dich eingeladen hat, er zu dir sagt: Freund,
rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor allen, die mit dir zu Tisch
sitzen. 14,11 Denn wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich
selbst erniedrigt, der soll erhöht werden. (a) (b) (c) 14,12 Er sprach aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte: Wenn du ein
Mittags- oder Abendmahl machst, so lade weder deine Freunde noch deine
Brüder noch deine Verwandten noch reiche Nachbarn ein, damit sie dich
nicht etwa wieder einladen und dir vergolten wird. 14,13 (a) Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Verkrüppelte, Lahme
und Blinde ein, 14,14 dann wirst du selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu
vergelten; es wird dir aber vergolten werden bei der aAuferstehung der
Gerechten.
a Weish 5,16; 1. Kor 15,23; Apg 24,15
Das große Abendmahl
(Mt 22,1-10)
14,15 Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus:
Selig ist, der das (a) Brot ißt im Reich Gottes! 14,16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes
Abendmahl und lud viele dazu ein. 14,17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den
Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! 14,18 Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste
sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn
besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 14,19 Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich
gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 14,20 Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich
nicht kommen. (a) 14,21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der
Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die
Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden
und Lahmen herein. 14,22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es
ist aber noch Raum da. 14,23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und
an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, daß mein Haus voll werde. 14,24 Denn ich sage euch, daß keiner der Männer, die eingeladen waren, mein
Abendmahl schmecken wird.
Von Nachfolge und Selbstverleugnung
14,25 Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach
zu ihnen: 14,26 Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Frau,
Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein
Jünger sein. (a) (b) (c) 14,27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein
Jünger sein. (a) 14,28 Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht
zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es
auszuführen? 14,29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann's nicht ausführen,
alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten, 14,30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann's nicht
ausführen. 14,31 Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen
andern König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit
Zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit Zwanzigtausend? 14,32 Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern
ist, und bittet um Frieden. 14,33 So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat,
der kann nicht mein Jünger sein. (a) 14,34 Das Salz ist etwas Gutes; wenn aber das Salz nicht mehr salzt, womit
soll man würzen?a 14,35 Es ist weder für den Acker noch für den Mist zu gebrauchen, sondern man
wird's wegwerfen. Wer Ohren hat zu hören, der höre!
15. Kapitel
Vom verlorenen Schaf
15,1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 15,2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: (a) (b) Dieser
nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen. 15,3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 15,4 (a) Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er
eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und
geht dem verlorenen nach, bis er's findet?b 15,5 Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller
Freude. 15,6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu
ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren
war. 15,7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der
Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht
bedürfen.
Vom verlorenen Groschen
15,8 Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert,
zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie
ihn findet? 15,9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und
Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen
Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 15,10 So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen
Sünder, der Buße tut.
Vom verlorenen Sohn
15,11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 15,12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das
Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. 15,13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog
in ein fernes Land; und dort (a) brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. 15,14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot
über jenes Land, und er fing an zu darben 15,15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte
ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. 15,16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue
fraßen; und niemand gab sie ihm. (a) 15,17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die
Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! 15,18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:
Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. (a) (b) 15,19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu
einem deiner Tagelöhner! 15,20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit
entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel
ihm um den Hals und küßte ihn. 15,21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel
und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. 15,22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste
Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und
Schuhe an seine Füße 15,23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; laßt uns essen und
fröhlich sein! 15,24 Denn dieser (a) mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er
war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. 15,25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam,
hörte er Singen und Tanzen 15,26 und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre. 15,27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das
gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat. 15,28 (a) Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater
heraus und bat ihn. 15,29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre
diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie
einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. 15,30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit
Huren verpraßt hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. 15,31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles,
was mein ist, das ist dein. 15,32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder
war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist
wiedergefunden.
16. Kapitel
Vom unehrlichen Verwalter
16,1 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte
einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm
seinen Besitz. 16,2 Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib
Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter
sein. 16,3 Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt
mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. 16,4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen,
wenn ich von dem Amt abgesetzt werde. 16,5 Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich,
und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? 16,6 Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen
Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. 16,7 Danach fragte er den zweiten: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er
sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen
Schuldschein und schreib achtzig. 16,8 Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt
hatte; denn die (a) Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als
die Kinder des Lichts. 16,9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit,
wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. (a) (b) (c)
Von der Treue
16,10 Wer (a) im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im
Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. 16,11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch
das wahre Gut anvertrauen? 16,12 Und wenn ihr mit dem fremden Gut nicht treu seid, wer wird euch geben,
was euer ist? 16,13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen; entweder er wird den einen hassen
und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern
verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. (a)
Die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer. Das Gesetz
16,14 Das alles hörten die Pharisäer. Die waren geldgierig und spotteten über
ihn. 16,15 Und er sprach zu ihnen: Ihr seid's, die ihr (a) euch selbst rechtfertigt
vor den Menschen; aber Gott kennt eure Herzen; denn was hoch ist bei den
Menschen, das ist ein Greuel vor Gott. 16,16 a Das Gesetz und die Propheten reichen bis zu Johannes. Von da an wird
das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt, und jedermann drängt sich mit
Gewalt hinein. 16,17 Es ist aber leichter, daß Himmel und Erde vergehen, als daß ein (a)
Tüpfelchen vom Gesetz fällt. 16,18 Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht
die Ehe; und wer die von ihrem Mann Geschiedene heiratet, der bricht auch
die Ehe. (a) (b)
Vom reichen Mann und armen Lazarus
16,19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares
Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. 16,20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll
von Geschwüren 16,21 und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel;
dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre. 16,22 Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln
getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde
begraben. 16,23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und
sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 16,24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus,
damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge
kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. 16,25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du (a) dein Gutes empfangen hast
in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier
getröstet, und du wirst gepeinigt. 16,26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß
niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch
niemand von dort zu uns herüber. 16,27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines
Vaters Haus; 16,28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht
auch kommen an diesen Ort der Qual. 16,29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie
hören. (a) 16,30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten
zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. 16,31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie
sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.
17. Kapitel
Von Verführung zum Abfall. Von der Vergebung
(Mt 18,6.7.15.21.22; Mk 9,42)
17,1 aEr sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß keine
Verführungen kommen; aber weh dem, durch den sie kommen! 17,2 Es wäre besser für ihn, daß man einen Mühlstein an seinen Hals hängte
und würfe ihn ins Meer, als daß er einen dieser Kleinen zum Abfall
verführt. 17,3 Hütet euch!
Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut,
vergib ihm. (a) 17,4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder
zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben. (a)
Von der Kraft des Glaubens
17,5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! 17,6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn,
dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze
dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. (a) (b)
Vom Knechtslohn
17,7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und
sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu
Tisch? 17,8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze
dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du
auch essen und trinken? 17,9 Dankt er etwa dem Knecht, daß er getan hat, was befohlen war? 17,10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so
sprecht: Wir sind unnütze Knechte; (a) wir haben getan, was wir zu tun
schuldig waren.
Die zehn Aussätzigen
17,11 Und es begab sich, (a) (b) als er nach Jerusalem wanderte, daß er durch
Samarien und Galiläa hin zog. 17,12 Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; (a)
die standen von ferne 17,13 und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme
dich unser! 17,14 Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: (a) Geht hin und zeigt euch den
Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. 17,15 Einer aber unter ihnen, als er sah, daß er gesund geworden war, kehrte
er um und pries Gott mit lauter Stimme 17,16 und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und
das war ein Samariter. 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo
sind aber die neun? 17,18 Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre
zu geben, als nur dieser Fremde? 17,19 Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; (a) dein Glaube hat dir
geholfen.
Vom Kommen des Gottesreiches
(Mt 24; Mk 13)
17,20 Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich
Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: (a) Das Reich Gottes kommt nicht
so, daß man's beobachten kann; 17,21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn
siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.* *Luther übersetzte Vers
20b.21: «Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden. . . sehet,
das Reich Gottes ist inwendig in euch». 17,22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr
begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn
nicht sehen. 17,23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! oder: Siehe, hier! Geht nicht
hin und lauft ihnen nicht nach!a 17,24 Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels
bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein. 17,25 Zuvor aber muß er viel leiden und verworfen werden von diesem
Geschlecht. (a) 17,26 Und wie es geschah (a) zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in
den Tagen des Menschensohns: 17,27 sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu
dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte
sie alle um. 17,28 Ebenso, wie es geschah (a) zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie
kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 17,29 an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und
Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. 17,30 Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn
wird offenbar werden.
17,31 Wer an jenem Tage auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, der
steige nicht hinunter, um sie zu holen. Und ebenso, wer auf dem Feld ist,
der wende sich nicht um nach dem, was hinter ihm ist. 17,32 Denkt an (a) Lots Frau! 17,33 Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren; und wer es
verlieren wird, der wird es gewinnen. (a) 17,34 Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett liegen; der
eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben werden. 17,35 Zwei Frauen werden miteinander Korn mahlen; die eine wird angenommen,
die andere wird preisgegeben werden.* *Vers 36 findet sich erst in der
späteren Überlieferung: «Zwei werden auf dem Felde sein; der eine wird
angenommen, der andere wird preisgegeben werden» (vgl. Mt 24,40). 17,36 Und sie fingen an und fragten ihn: Herr, wo? Er aber sprach zu ihnen:
Wo das Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.
18. Kapitel
Von der bittenden Witwe
18,1 Er sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, daß sie (a) allezeit beten und
nicht nachlassen sollten, 18,2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht
vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. 18,3 Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach:
Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! 18,4 Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn
ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, 18,5 will ich doch dieser Witwe, (a) weil sie mir soviel Mühe macht, Recht
schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage. 18,6 Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt! 18,7 Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm
Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? 18,8 Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der
Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?
Vom Pharisäer und Zöllner
18,9 Er sagte aber zu einigen, die (a) sich anmaßten, fromm zu sein, und
verachteten die andern, dies Gleichnis: 18,10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein
Pharisäer, der andere ein Zöllner. 18,11 (a) Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, daß
ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch
wie dieser Zöllner. 18,12 Ich faste zweimal in der Woche und (a) gebe den Zehnten von allem, was
ich einnehme. 18,13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum
Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder
gnädig! (a) 18,14 Ich sage euch: (a) Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht
jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und (b) (c) wer
sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Die Segnung der Kinder
(Mt 19,13-15; Mk 10,13-16)
18,15 Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühren sollte.
Als das aber die Jünger sahen, fuhren sie sie an. 18,16 Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen
und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. 18,17 Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein
Kind, der wird nicht hineinkommen.
Die Gefahr des Reichtums («Der reiche Jüngling»)
(Mt 19,16-26; Mk 10,17-27)
18,18 Und es fragte ihn ein Oberer und sprach: Guter Meister, was muß ich
tun, damit ich das ewige Leben ererbe?a 18,19 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als
Gott allein. 18,20 Du kennst die Gebote: (a) «Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht
töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du
sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!» 18,21 Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von Jugend auf. 18,22 Als Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eines.
Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen (a)
Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! 18,23 Als er das aber hörte, wurde er traurig; denn er war sehr reich. 18,24 Als aber Jesus sah, daß er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer
kommen die Reichen in das Reich Gottes!a 18,25 Denn es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß
ein Reicher in das Reich Gottes komme. 18,26 Da sprachen, die das hörten: Wer kann dann selig werden? 18,27 Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott
möglich.
Der Lohn der Nachfolge
(Mt 19,27-30; Mk 10,28-31)
18,28 Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind
dir nachgefolgt. 18,29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der
Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verläßt um des Reiches
Gottes willen, 18,30 der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der
zukünftigen Welt das ewige Leben.
Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
(Mt 20,17-19; Mk 10,32-34)
18,31 (a) Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen
hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, (b) was
geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. 18,32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet
und mißhandelt und angespien werden, 18,33 und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er
auferstehen. 18,34 Sie aber begriffen nichts davon, und (a) (b) der Sinn der Rede war ihnen
verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.
Die Heilung eines Blinden bei Jericho
(Mt 20,29-34; Mk 10,46-52)
18,35 Es begab sich aber, als er in die Nähe von Jericho kam, daß ein Blinder
am Wege saß und bettelte. 18,36 Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das
wäre. 18,37 Da berichteten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorbei. 18,38 Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 18,39 Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber
schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 18,40 Jesus aber blieb stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er aber näher
kam, fragte er ihn: 18,41 Was willst du, daß ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, daß ich
sehen kann. 18,42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! (a) Dein Glaube hat dir geholfen. 18,43 Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und
alles Volk, das es sah, lobte Gott.
19. Kapitel
Zachäus
19,1 Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 19,2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der
Zöllner und war reich. 19,3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen
der Menge; denn er war klein von Gestalt. 19,4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen;
denn dort sollte er durchkommen. 19,5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus,
steig eilend herunter; denn ich muß heute in deinem Haus einkehren. 19,6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. 19,7 Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist
er eingekehrt. (a) 19,8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von
meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so
gebe ich es vierfach zurück. (a) (b) 19,9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn
(a) auch er ist Abrahams Sohn. 19,10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was
verloren ist. (a) (b) (c)
Von den anvertrauten Pfunden
(Mt 25,14-30)
19,11 Als sie nun zuhörten, sagte er ein weiteres Gleichnis; denn er war nahe
bei Jerusalem, und sie meinten, das Reich Gottes werde sogleich offenbar
werden. 19,12 Und er sprach: Ein Fürst zog in ein fernes Land, um ein Königtum zu
erlangen und dann zurückzukommen. 19,13 Der ließ zehn seiner Knechte rufen und gab ihnen zehn Pfund und sprach
zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme! 19,14 Seine Bürger aber waren ihm feind und schickten eine Gesandtschaft
hinter ihm her und ließen sagen: (a) Wir wollen nicht, daß dieser über uns
herrsche. 19,15 Und es begab sich, als er wiederkam, nachdem er das Königtum erlangt
hatte, da ließ er die Knechte rufen, denen er das Geld gegeben hatte, um
zu erfahren, was ein jeder erhandelt hätte. 19,16 Da trat der erste herzu und sprach: Herr, dein Pfund hat zehn Pfund
eingebracht. 19,17 Und er sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger Knecht; (a) weil du im
Geringsten treu gewesen bist, sollst du Macht haben über zehn Städte. 19,18 Der zweite kam auch und sprach: Herr, dein Pfund hat fünf Pfund
erbracht. 19,19 Zu dem sprach er auch: Und du sollst über fünf Städte sein. 19,20 Und der dritte kam und sprach: Herr, siehe, hier ist dein Pfund, das
ich in einem Tuch verwahrt habe; 19,21 denn ich fürchtete mich vor dir, weil du ein harter Mann bist; du
nimmst, was du nicht angelegt hast, und erntest, was du nicht gesät hast. 19,22 Er sprach zu ihm: Mit deinen eigenen Worten richte ich dich, du böser
Knecht. Wußtest du, daß ich ein harter Mann bin, nehme, was ich nicht
angelegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe: 19,23 warum hast du dann mein Geld nicht zur Bank gebracht? Und wenn ich
zurückgekommen wäre, hätte ich's mit Zinsen eingefordert. 19,24 Und er sprach zu denen, die dabeistanden: Nehmt das Pfund von ihm und
gebt's dem, der zehn Pfund hat. 19,25 Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn Pfund. 19,26 Ich sage euch aber: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber,
der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat. (a) (b) 19,27 Doch diese meine Feinde, die nicht wollten, daß ich ihr König werde,
bringt her und macht sie vor mir nieder.
Jesu Einzug in Jerusalem
(Mt 21,1-11; Mk 11,1-10; Joh 12,12-16)
19,28 Und als er das gesagt hatte, ging er voran und zog hinauf nach
Jerusalem. 19,29 Und es begab sich, als er nahe von Betfage und Betanien an den Berg
kam, der Ölberg heißt, da sandte er zwei Jünger 19,30 und sprach: Geht hin in das Dorf, das vor uns liegt. Und wenn ihr
hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein
Mensch gesessen hat; bindet es los und bringt's her! 19,31 Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann sagt: Der
Herr bedarf seiner. 19,32 Und die er gesandt hatte, gingen hin und fanden's, wie er ihnen gesagt
hatte. 19,33 Als sie aber das Füllen losbanden, sprachen seine Herren zu ihnen:
Warum bindet ihr das Füllen los? 19,34 Sie aber sprachen: Der Herr bedarf seiner. 19,35 Und sie brachten's zu Jesus und warfen ihre Kleider auf das Füllen und
setzten Jesus darauf. 19,36 Als er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg. 19,37 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge
der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle
Taten, die sie gesehen hatten, 19,38 und sprachen: (a) Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des
Herrn! (b) Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! 19,39 Und einige Pharisäer in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch
deine Jünger zurecht! 19,40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden,
so werden die Steine schreien.
Jesus weint über Jerusalem
19,41 Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie 19,42 und sprach: (a) Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum
Frieden dient! (b) Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. 19,43 Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich
einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen, 19,44 und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir
und (a) keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht
erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist.
Die Tempelreinigung
(Mt 21,12-16; Mk 11,15-18; Joh 2,13-16)
19,45 Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler auszutreiben, 19,46 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): «Mein Haus
soll ein Bethaus sein»; ihr aber habt es zur (a) Räuberhöhle gemacht. 19,47 Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und
Schriftgelehrten und die Angesehensten des Volkes trachteten danach, daß
sie ihn umbrächten, 19,48 und fanden nicht, wie sie es machen sollten; denn das ganze Volk hing
ihm an und hörte ihn.
20. Kapitel
Die Frage nach Jesu Vollmacht
(Mt 21,23-27; Mk 11,27-33)
20,1 Und es begab sich eines Tages, als er das Volk lehrte im Tempel und
predigte das Evangelium, da traten zu ihm die Hohenpriester und
Schriftgelehrten mit den Ältesten 20,2 und sprachen zu ihm: Sage uns, aus welcher Vollmacht tust du das? oder
wer hat dir diese Vollmacht gegeben? 20,3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch eine Sache
fragen; sagt mir: 20,4 Die Taufe des Johannes - war sie vom Himmel oder von Menschen? 20,5 Sie aber bedachten's bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, vom
Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm nicht geglaubt?a 20,6 Sagen wir aber, von Menschen, so wird uns alles Volk steinigen; denn sie
sind überzeugt, daß Johannes ein Prophet war. 20,7 Und sie antworteten, sie wüßten nicht, wo sie her wäre. 20,8 Und Jesus sprach zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus welcher
Vollmacht ich das tue.
Von den bösen Weingärtnern
(Mt 21,33-46; Mk 12,1-12)
20,9 Er fing aber an, dem Volk dies Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte
einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes
für eine lange Zeit. 20,10 (a) Und als die Zeit kam, sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern,
damit sie ihm seinen Anteil gäben an der Frucht des Weinbergs. Aber die
Weingärtner schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. 20,11 Und er sandte noch einen zweiten Knecht; sie aber schlugen den auch und
verhöhnten ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. 20,12 Und er sandte noch einen dritten; sie aber schlugen auch den blutig und
stießen ihn hinaus. 20,13 Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun? Ich will meinen
lieben Sohn senden; vor dem werden sie sich doch scheuen. 20,14 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, dachten sie bei sich selbst
und sprachen: Das ist der Erbe; laßt uns ihn töten, damit das Erbe unser
sei! 20,15 Und sie stießen ihn hinaus vor den Weinberg und töteten ihn. Was wird
nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun? 20,16 Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und seinen Weinberg
andern geben.
Als sie das hörten, sprachen sie: Nur das nicht! 20,17 Er aber sah sie an und sprach: Was bedeutet dann das, was geschrieben
steht (Psalm 118,22): «Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der
ist zum Eckstein geworden»? 20,18 Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; (a) auf wen er aber
fällt, den wird er zermalmen. 20,19 Und die Schriftgelehrten und Hohenpriester trachteten danach, Hand an
ihn zu legen noch in derselben Stunde, und (a) fürchteten sich doch vor dem
Volk; denn sie hatten verstanden, daß er auf sie hin dies Gleichnis gesagt
hatte.
Die Frage nach der Steuer («Der Zinsgroschen»)
(Mt 22,15-22; Mk 12,13-17)
20,20 Und sie belauerten ihn und sandten Leute aus, die sich stellen sollten,
als wären sie fromm; (a) (b) die sollten ihn fangen in seinen Worten, damit man
ihn überantworten könnte der Obrigkeit und Gewalt des Statthalters. 20,21 Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, daß du
aufrichtig redest und lehrst und achtest nicht das Ansehen der Menschen,
sondern du lehrst den Weg Gottes recht. 20,22 Ist's recht, daß wir dem Kaiser Steuern zahlen oder nicht? 20,23 Er aber merkte ihre List und sprach zu ihnen: 20,24 Zeigt mir einen Silbergroschen! Wessen Bild und Aufschrift hat er? Sie
sprachen: Des Kaisers. 20,25 Er aber sprach zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und
Gott, was Gottes ist!a 20,26 Und sie konnten ihn in seinen Worten nicht fangen vor dem Volk und
wunderten sich über seine Antwort und schwiegen still.
Die Frage nach der Auferstehung
(Mt 22,23-33.46; Mk 12,18-27.34)
20,27 Da traten zu ihm einige der Sadduzäer, die lehren, es gebe keine
Auferstehung, und fragten ihn und sprachen: 20,28 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben (5. Mose 25,5.6): «Wenn jemand
stirbt, der eine Frau hat, aber keine Kinder, so soll sein Bruder sie zur
Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.» 20,29 Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau und starb kinderlos. 20,30 Und der zweite nahm sie, 20,31 und der dritte; desgleichen alle sieben, sie hinterließen keine Kinder
und starben. 20,32 Zuletzt starb auch die Frau. 20,33 Nun in der Auferstehung: wessen Frau wird sie sein unter ihnen? Denn
alle sieben haben sie zur Frau gehabt. 20,34 Und Jesus sprach zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen
sich heiraten; 20,35 welche aber gewürdigt werden, jene Welt zu erlangen und die
Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten
lassen. 20,36 Denn sie können hinfort auch nicht sterben; denn sie sind den Engeln
gleich und (a) Gottes Kinder, weil sie Kinder der Auferstehung sind. 20,37 Daß aber die Toten auferstehen, darauf hat auch Mose gedeutet beim
Dornbusch, wo er den Herrn nennt Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott
Jakobs (2. Mose 3,6). 20,38 Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn (a)
ihm leben sie alle. 20,39 Da antworteten einige der Schriftgelehrten und sprachen: Meister, du
hast recht geredet. 20,40 Und sie wagten nicht mehr, ihn etwas zu fragen.
Die Frage nach dem Davidssohn
(Mt 22,41-44; Mk 12,35-37)
20,41 Er sprach aber zu ihnen: Wieso sagen sie, der Christus sei Davids
Sohn? 20,42 Denn David selbst sagt im Psalmbuch (Psalm 110,1): «Der Herr sprach zu
meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, 20,43 bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.» 20,44 David nennt ihn also einen Herrn; wie ist er dann sein Sohn?
Warnung vor den Schriftgelehrten
(Mt 23,5-7)
20,45 Als aber alles Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern: 20,46 Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die es lieben, in langen Gewändern
einherzugehen, und lassen sich gern grüßen auf dem Markt und (a) sitzen gern
obenan in den Synagogen und bei Tisch; 20,47 sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange
Gebete. Die werden ein um so härteres Urteil empfangen.
21. Kapitel
Das Scherflein der Witwe
(Mk 12,41-44)
21,1 Er blickte aber auf und sah, wie die Reichen ihre Opfer in den
Gotteskasten einlegten. 21,2 Er sah aber auch eine arme Witwe, die legte dort zwei Scherflein ein. 21,3 Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als
sie alle eingelegt. 21,4 Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluß zu den Opfern eingelegt;
sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte. (a)
JESU REDE ÜBER DIE ENDZEIT
(Verse 5-36)
(Mt 24,1-36; Mk 13,1-32)
Das Ende des Tempels
21,5 Und als einige von dem Tempel sagten, daß er mit schönen Steinen und
Kleinoden geschmückt sei, sprach er: 21,6 Es wird die Zeit kommen, in der von allem, was ihr seht, nicht ein Stein
auf dem andern gelassen wird, der nicht zerbrochen werde. (a)
Die Vorzeichen
21,7 Sie fragten ihn aber: Meister, wann wird das geschehen? und was wird das
Zeichen sein, wenn das geschehen wird? 21,8 Er aber sprach: Seht zu, laßt euch nicht verführen. Denn viele werden
kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin's, und: Die Zeit ist
herbeigekommen. - Folgt ihnen nicht nach! 21,9 Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Aufruhr, so entsetzt euch
nicht. Denn das muß zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald
da. 21,10 Dann sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich erheben gegen das andere
und ein Reich gegen das andere, 21,11 und es werden geschehen große Erdbeben und hier und dort Hungersnöte
und Seuchen; auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen
geschehen.
Die Verfolgung der Gemeinde
21,12 aAber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch
verfolgen, und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen
und euch vor Könige und Statthalter führen um meines Namens willen. 21,13 Das wird euch widerfahren zu einem Zeugnis. 21,14 So nehmt nun zu Herzen, (a) daß ihr euch nicht vorher sorgt, wie ihr euch
verantworten sollt. 21,15 Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Gegner nicht
widerstehen noch widersprechen können. (a) 21,16 Ihr werdet aber verraten werden von Eltern, Brüdern, Verwandten und
Freunden; und man wird einige von euch töten. 21,17 Und ihr werdet gehaßt sein von jedermann um meines Namens willen. 21,18 Und kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen. (a) 21,19 Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben gewinnen. (a) *
Das Ende Jerusalems
21,20 Wenn ihr aber sehen werdet, daß Jerusalem von einem Heer belagert wird,
dann erkennt, daß seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. 21,21 Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt
ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht herein. 21,22 Denn das sind die (a) Tage der Vergeltung, daß erfüllt werde alles, was
geschrieben ist. 21,23 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es
wird große Not auf Erden sein und Zorn über dies Volk kommen, 21,24 und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen
weggeführt unter alle Völker, und aJerusalem wird zertreten werden von den
Heiden, (a) bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.
Das Kommen des Menschensohns
21,25 (a) Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und
auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem
Brausen und Wogen des Meeres, 21,26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge,
die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden
ins Wanken kommen. 21,27 Und alsdann (a) werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke
mit großer Kraft und Herrlichkeit. 21,28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure
Häupter, (a) weil sich eure Erlösung naht.
Vom Feigenbaum
21,29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume
an: 21,30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wißt ihr selber, daß
jetzt der Sommer nahe ist. 21,31 So auch ihr: wenn ihr seht, daß dies alles geschieht, so wißt, daß das
Reich Gottes nahe ist.
Ermahnung zur Wachsamkeit
21,32 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es
alles geschieht. 21,33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. 21,34 Hütet euch aber, daß (a) eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen
und Saufen und mit täglichen Sorgen und dieser Tag nicht (b) plötzlich über
euch komme wie ein Fallstrick; 21,35 denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erde wohnen. 21,36 So seid allezeit wach und betet, daß ihr stark werdet, zu entfliehen
diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.
21,37 Er lehrte des Tags im Tempel; des Nachts aber ging er hinaus und blieb
an dem Berg, den man den Ölberg nennt. 21,38 Und alles Volk machte sich früh auf zu ihm, ihn im Tempel zu hören.
22. Kapitel
LEIDEN, STERBEN UND AUFERSTEHUNG JESU
(Kapitel 22-24)
(Mt 26-28; Mk 14-16; Joh 18-21)
Der Verrat des Judas
22,1 Es war aber nahe das Fest der Ungesäuerten Brote, das Passa heißt. 22,2 Und (a) die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten danach, wie sie
ihn töten könnten; denn sie fürchteten sich vor dem Volk. 22,3 Es fuhr aber (a) der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der
Zwölf gehörte. 22,4 Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den
Hauptleuten darüber, wie er ihn an sie verraten könnte. 22,5 Und sie wurden froh und versprachen, ihm Geld zu geben. 22,6 Und er sagte es zu und suchte eine Gelegenheit, daß er ihn an sie
verriete ohne Aufsehen.
Das Abendmahl
22,7 Es kam nun der (a) Tag der Ungesäuerten Brote, an dem man das Passalamm
opfern mußte. 22,8 Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns
das Passalamm, damit wir's essen. 22,9 Sie aber fragten ihn: Wo willst du, daß wir's bereiten? 22,10 Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch
ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folgt ihm in das Haus, in
das er hineingeht, 22,11 und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister läßt dir sagen: Wo ist der Raum,
in dem ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern? 22,12 Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern versehen
ist; dort bereitet es. 22,13 Sie gingen hin und (a) fanden's, wie er ihnen gesagt hatte, und
bereiteten das Passalamm. 22,14 Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder und die Apostel mit
ihm. 22,15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit
euch zu essen, ehe ich leide. 22,16 Denn ich sage euch, daß ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt
wird im Reich Gottes. (a) 22,17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter
euch; 22,18 denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs
des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt.
22,19 a Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach:
Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem
Gedächtnis. 22,20 Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist
der neue Bund* in meinem Blut, das für euch vergossen wird! *Luther
übersetzte: «das neue Testament».
22,21 Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch. (a) 22,22 Denn der Menschensohn geht zwar dahin, wie es beschlossen ist; doch weh
dem Menschen, durch den er verraten wird! 22,23 Und sie fingen an, untereinander zu fragen, wer es wohl wäre unter
ihnen, der das tun würde.
Gespräche mit den Jüngern
22,24 (a) (b) Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, (c) wer von ihnen als der
Größte gelten solle. 22,25 Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und
ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. 22,26 Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der
Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. 22,27 Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist's nicht
der, der zu Tisch sitzt? (a) Ich aber bin unter euch wie ein Diener. 22,28 Ihr aber seid's, die ihr ausgeharrt habt bei mir in meinen
Anfechtungen. (a) 22,29 Und ich will euch das Reich zueignen, wie mir's mein Vater zugeeignet
hat, 22,30 daß ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich und (a)
sitzen auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.
22,31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den
Weizen. (a) 22,32 Ich aber habe (a) für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und
wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. 22,33 Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und
in den Tod zu gehen. 22,34 Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen,
ehe du dreimal geleugnet hast, daß du mich kennst.
22,35 Und er sprach zu ihnen: aAls ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel,
ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen:
Niemals. 22,36 Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Geldbeutel hat, der nehme
ihn, desgleichen auch die Tasche, und wer's nicht hat, verkaufe seinen
Mantel und kaufe ein Schwert. 22,37 Denn ich sage euch: Es muß das an mir vollendet werden, was geschrieben
steht (Jesaja 53,12): «Er ist zu den Übeltätern gerechnet worden.» Denn
was von mir geschrieben ist, das wird vollendet. 22,38 Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber
sprach zu ihnen: Es ist genug.
Jesus in Gethsemane
22,39 Und er ging nach seiner Gewohnheit hinaus an den Ölberg. Es folgten ihm
aber auch die Jünger. 22,40 Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, damit ihr nicht in
Anfechtung fallt! 22,41 Und er riß sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete
nieder, betete 22,42 und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht
mein, sondern (a) dein Wille geschehe! 22,43 Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. 22,44 Und er rang mit dem Tode und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde
wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.* *Die Verse 43.44 finden sich
in einigen wichtigen Textzeugen nicht. 22,45 Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie
schlafend vor Traurigkeit 22,46 und sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr
nicht in Anfechtung fallt!
Jesu Gefangennahme
22,47 Als er aber noch redete, siehe, da kam eine Schar; und einer von den
Zwölfen, der mit dem Namen Judas, ging vor ihnen her und nahte sich zu
Jesus, um ihn zu küssen. 22,48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem
Kuß? 22,49 Als aber, die um ihn waren, sahen, was geschehen würde, sprachen sie:
Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? 22,50 Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb
ihm sein rechtes Ohr ab. 22,51 Da sprach Jesus: Laßt ab! Nicht weiter! Und er rührte sein Ohr an und
heilte ihn. 22,52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und
den Ältesten, die zu ihm hergekommen waren: Ihr seid wie gegen einen
Räuber mit Schwertern und mit Stangen ausgezogen. 22,53 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und (a) (b) ihr habt nicht Hand
an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.
Die Verleugnung des Petrus
22,54 Sie ergriffen ihn aber und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus
des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. 22,55 Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen;
und Petrus setzte sich mitten unter sie. 22,56 Da sah ihn eine Magd am Feuer sitzen und sah ihn genau an und sprach:
Dieser war auch mit ihm. 22,57 Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht. 22,58 Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist
auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht. 22,59 Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekräftigte es ein
anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist ein
Galiläer. 22,60 Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und alsbald,
während er noch redete, krähte der Hahn. 22,61 Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des
Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du
mich dreimal verleugnen. 22,62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. (a)
Jesus vor dem Hohen Rat
22,63 Die Männer aber, die Jesus gefangen hielten, verspotteten ihn und
schlugen ihn, 22,64 verdeckten sein Angesicht und fragten: Weissage, wer ist's, der dich
schlug? 22,65 Und noch mit vielen andern Lästerungen schmähten sie ihn. 22,66 Und als es Tag wurde, versammelten sich die Ältesten des Volkes, die
Hohenpriester und Schriftgelehrten und führten ihn vor ihren Rat 22,67 und sprachen: Bist du der Christus, so sage es uns! Er sprach aber zu
ihnen: (a) Sage ich's euch, so glaubt ihr's nicht; 22,68 frage ich aber, so antwortet ihr nicht. 22,69 Aber von nun an wird der Menschensohn (a) sitzen zur Rechten der Kraft
Gottes. 22,70 Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr
sagt es, ich bin es. 22,71 Sie aber sprachen: Was bedürfen wir noch eines Zeugnisses? Wir haben's
selbst gehört aus seinem Munde.
23. Kapitel
Jesus vor Pilatus
23,1 Und die ganze Versammlung stand auf, und sie führten ihn vor Pilatus 23,2 und fingen an, ihn zu verklagen, und sprachen: (a) Wir haben gefunden, daß
dieser unser Volk aufhetzt und (b) verbietet, dem Kaiser Steuern zu geben,
und spricht, er sei Christus, ein König. 23,3 Pilatus aber fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Er
antwortete ihm und sprach: Du sagst es. 23,4 Pilatus sprach zu den Hohenpriestern und zum Volk: Ich finde keine
Schuld an diesem Menschen. 23,5 Sie aber wurden noch ungestümer und sprachen: Er wiegelt das Volk auf
damit, daß er lehrt hier und dort in ganz Judäa, angefangen von Galiläa
bis hierher.
Jesus vor Herodes
23,6 Als aber Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mensch aus Galiläa wäre. 23,7 Und als er vernahm, daß er ein (a) Untertan des Herodes war, sandte er ihn
zu Herodes, der in diesen Tagen auch in Jerusalem war. 23,8 Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr; denn (a) er hätte ihn
längst gerne gesehen; denn er hatte von ihm gehört und hoffte, er würde
ein Zeichen von ihm sehen. 23,9 Und er fragte ihn viel. Er aber antwortete ihm nichts. 23,10 Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen dabei und
verklagten ihn hart. 23,11 Aber Herodes mit seinen Soldaten verachtete und verspottete ihn, legte
ihm ein weißes Gewand an und sandte ihn zurück zu Pilatus. 23,12 An dem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; denn vorher waren sie
einander feind.
Jesu Verurteilung
23,13 Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Oberen und das Volk
zusammen 23,14 und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als
einen, der das Volk aufwiegelt; und siehe, ich habe ihn vor euch verhört
und habe an diesem Menschen keine Schuld gefunden, deretwegen ihr ihn
anklagt; 23,15 Herodes auch nicht, denn er hat ihn uns zurückgesandt. Und siehe, er
hat nichts getan, was den Tod verdient. 23,16 Darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben.* *Vers 17 findet sich
erst in der späteren Überlieferung: «Er mußte ihnen aber zum Fest einen
Gefangenen losgeben.» 23,17 Da schrien sie alle miteinander: Hinweg mit diesem, gib uns Barabbas
los! 23,18 Der war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen war, und wegen
eines Mordes ins Gefängnis geworfen worden. 23,19 Da redete Pilatus abermals auf sie ein, weil er Jesus losgeben wollte. 23,20 Sie riefen aber: Kreuzige, kreuzige ihn! 23,21 Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen: Was hat denn dieser Böses
getan? Ich habe nichts an ihm gefunden, was den Tod verdient; darum will
ich ihn schlagen lassen und losgeben. 23,22 Aber sie setzten ihm zu mit großem Geschrei und forderten, daß er
gekreuzigt würde. Und ihr Geschrei nahm überhand. 23,23 Und Pilatus urteilte, daß ihre Bitte erfüllt werde, 23,24 und ließ den los, der wegen Aufruhr und Mord ins Gefängnis geworfen
war, um welchen sie baten; aber Jesus übergab er ihrem Willen.
Jesu Weg nach Golgatha
23,25 Und als sie ihn abführten, ergriffen sie einen Mann, Simon von Kyrene,
der vom Feld kam, und legten das Kreuz auf ihn, daß er's Jesus nachtrüge. 23,26 Es folgte ihm aber eine große Volksmenge und Frauen, die klagten und
beweinten ihn. 23,27 Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von
Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über
eure Kinder. 23,28 Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind
die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste,
die nicht genährt haben!a 23,29 Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns! und
zu den Hügeln: Bedeckt uns!a 23,30 Denn wenn man das tut am grünen Holz, was wird am dürren werden?a
Jesu Kreuzigung und Tod
23,31 Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, daß sie mit ihm
hingerichtet würden. 23,32 Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte,
kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und
einen zur Linken. 23,33 Jesus aber sprach: (a) (b) Vater, vergib ihnen; denn (c) sie wissen nicht, was
sie tun! Und (d) sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. 23,34 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und
sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der
Christus, der Auserwählte Gottes. 23,35 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm
Essig 23,36 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! 23,37 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.
23,38 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und
sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! 23,39 Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch
nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? 23,40 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten
verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 23,41 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, (a) wenn du in dein Reich kommst! 23,42 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit
mir (a) im Paradies sein.
23,43 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis
über das ganze Land bis zur neunten Stunde, 23,44 und die Sonne verlor ihren Schein, und der (a) (b) Vorhang des Tempels riß
mitten entzwei. 23,45 Und Jesus rief laut: Vater, (a) (b) ich befehle meinen Geist in deine Hände!
Und als er das gesagt hatte, verschied er.
23,46 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach:
Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen! 23,47 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah,
schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. 23,48 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die (a) Frauen, die
ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.
Jesu Grablegung
23,49 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, der war ein
guter, frommer Mann 23,50 und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt. Er war aus
Arimathäa, einer Stadt der Juden, und (a) wartete auf das Reich Gottes. 23,51 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu 23,52 und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein
Felsengrab, in dem noch nie jemand gelegen hatte. 23,53 Und es war Rüsttag, und der Sabbat brach an. 23,54 Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus
Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. 23,55 Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. (a) Und
den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz.
24. Kapitel
Jesu Auferstehung
(Mt 28,1-10; Mk 16,1-8; Joh 20,1-10)
24,1 Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen
bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. 24,2 Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab 24,3 und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. 24,4 Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei
Männer mit glänzenden Kleidern. 24,5 Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die
zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 24,6 Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch
gesagt hat, als er noch in Galiläa war: 24,7 Der Menschensohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder und
gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. (a) 24,8 Und sie gedachten an seine Worte. 24,9 Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf
Jüngern und den andern allen. 24,10 Es waren aber (a) Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus
Mutter, und die andern mit ihnen; die sagten das den Aposteln. 24,11 Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie
glaubten ihnen nicht. 24,12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah
nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was
geschehen war. (a)
Die Emmausjünger
(Mk 16,12.13)
24,13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war
von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus. 24,14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. 24,15 Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da
nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. 24,16 Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht erkannten. 24,17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander
verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. 24,18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du
der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen
Tagen dort geschehen ist? 24,19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit
Jesus von Nazareth, der (a) ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor
Gott und allem Volk; 24,20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet
und gekreuzigt haben. 24,21 Wir aber hofften, er sei es, der (a) Israel erlösen werde. Und über das
alles ist heute der dritte Tag, daß dies geschehen ist. 24,22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind
früh bei dem Grab gewesen, 24,23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine
Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. 24,24 Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen
sagten; aber ihn sahen sie nicht.
24,25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu
glauben, was die Propheten geredet haben! 24,26 Mußte nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? 24,27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in
der ganzen Schrift von ihm gesagt war. (a) (b) 24,28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich,
als wollte er weitergehen. 24,29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend
werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu
bleiben.
24,30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot,
dankte, brach's und gab's ihnen. (a) (b) 24,31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand
vor ihnen. 24,32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er
mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? 24,33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem
und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; 24,34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon
erschienen. (a) 24,35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von
ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.
Jesu Erscheinung vor den Jüngern
(Mk 16,14-19; Joh 20,19-23; Apg 1,1-14; 1. Kor 15,5)
24,36 Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und
sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 24,37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und (a) meinten, sie sähen einen
Geist. 24,38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen
solche Gedanken in euer Herz? 24,39 Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Faßt mich an und
seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, daß ich
sie habe. 24,40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße. (a) 24,41 Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten,
sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? 24,42 Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. (a) (b) 24,43 Und er nahm's und aß vor ihnen. 24,44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, (a) die ich zu euch gesagt
habe, als ich noch bei euch war: (b) (c) Es muß alles erfüllt werden, was von
mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den
Psalmen. 24,45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift
verstanden, (a) (b) 24,46 und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, daß Christus leiden wird
und auferstehen von den Toten (a) am dritten Tage; 24,47 und (a) (b) daß gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden
unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem, 24,48 und seid dafür Zeugen. 24,49 Und siehe, ich will (a) (b) auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen
hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet (c) mit
Kraft aus der Höhe.
Jesu Himmelfahrt
24,50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und
segnete sie. 24,51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf
gen Himmel. 24,52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer
Freude 24,53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.