DAS EVANGELIUM NACH MATTHÄUS
1. Kapitel
Jesu Stammbaum
(Lk 3,23-38)
1,1 Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des (a) Sohnes Davids,
des (b) Sohnes Abrahams. 1,2 Abraham zeugte (a) Isaak. Isaak zeugte (b) Jakob. Jakob zeugte cJuda und
seine Brüder. 1,3 aJuda zeugte (a) Perez und Serach mit der Tamar. Perez zeugte Hezron.
Hezron zeugte Ram. 1,4 Ram zeugte Amminadab. Amminadab zeugte Nachschon. Nachschon zeugte
Salmon. 1,5 Salmon zeugte Boas mit der (a) Rahab. (b) Boas zeugte Obed mit der Rut. Obed
zeugte Isai. 1,6 Isai zeugte den König David. David zeugte (a) Salomo mit der Frau des
Uria. 1,7 (a) Salomo zeugte Rehabeam. Rehabeam zeugte Abija. Abija zeugte Asa. 1,8 Asa zeugte Joschafat. Joschafat zeugte Joram. Joram zeugte Usija. 1,9 Usija zeugte Jotam. Jotam zeugte Ahas. Ahas zeugte Hiskia. 1,10 Hiskia zeugte Manasse. Manasse zeugte Amon. Amon zeugte Josia. 1,11 Josia zeugte Jojachin und seine Brüder um die Zeit der (a) babylonischen
Gefangenschaft. 1,12 Nach der babylonischen Gefangenschaft zeugte Jojachin (a) Schealtïl.
Schealtiël zeugte (b) Serubbabel. 1,13 Serubbabel zeugte Abihud. Abihud zeugte Eljakim. Eljakim zeugte Asor. 1,14 Asor zeugte Zadok. Zadok zeugte Achim. Achim zeugte Eliud. 1,15 Eliud zeugte Eleasar. Eleasar zeugte Mattan. Mattan zeugte Jakob. 1,16 Jakob zeugte aJosef, den Mann der Maria, von der geboren ist Jesus, der
da heißt Christus.
1,17 Alle Glieder von Abraham bis zu David sind vierzehn Glieder. Von David
bis zur babylonischen Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der
babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder. 1,18 Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem
Josef vertraut* war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger
war (a) von dem heiligen Geist. 1,19 Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande
bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. 1,20 Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im
Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine
Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem
heiligen Geist. 1,21 Und sie wird einen Sohn gebären, (a) (b) dem sollst du den Namen Jesus geben,
denn (c) er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 1,22 Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch
den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): «1,23 Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und
sie werden ihm den Namen Immanuel geben», das heißt übersetzt: Gott mit
uns.
1,24 Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn
befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 1,25 Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den
Namen Jesus.
2. Kapitel
Die Weisen aus dem Morgenland
2,1 Als aJesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs
Herodes, siehe, da kamen Weise* aus dem Morgenland nach Jerusalem und
sprachen: 2,2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir (a) haben seinen Stern gesehen
im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. 2,3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz
Jerusalem, 2,4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des
Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. 2,5 Und sie sagten ihm: In (a) Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben
durch den Propheten (Micha 5,1): «2,6 Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste
unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein
Volk Israel weiden soll.» 2,7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von
ihnen, wann der Stern erschienen wäre, 2,8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht
fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder,
daß auch ich komme und es anbete. 2,9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der
Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er
über dem Ort stand, wo das Kindlein war. 2,10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut 2,11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner
Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und
(a) (b) schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. 2,12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren;
und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.
Die Flucht nach Ägypten
2,13 Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des
Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine
Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage;
denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. 2,14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei
Nacht und entwich nach Ägypten 2,15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was
der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): «Aus
Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.»
Der Kindermord des Herodes
2,16 Als Herodes nun sah, daß er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr
zornig und schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der
ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er
von den Weisen genau erkundet hatte. 2,17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da
spricht (Jeremia 31,15): «2,18 In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; (a)
Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es
war aus mit ihnen.»
Die Rückkehr aus Ägypten
2,19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn
dem Josef im Traum in Ägypten 2,20 und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und
zieh hin in das Land Israel; (a) sie sind gestorben, die dem Kindlein nach
dem Leben getrachtet haben. 2,21 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam
in das Land Israel. 2,22 Als er aber hörte, daß Archelaus in Judäa König war anstatt seines
Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing
er Befehl von Gott und zog ins galiläische Land 2,23 und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen (a) (b) Nazareth, damit erfüllt
würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer* heißen.
3. Kapitel
Johannes der Täufer
(Mk 1,2-8; Lk 3,1-18)
3,1 Zu der Zeit kam aJohannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa 3,2 und sprach: (a) (b) Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! 3,3 Denn dieser ist's, von dem der Prophet Jesaja gesprochen und gesagt hat
(Jesaja 40,3): «Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet
dem Herrn den Weg und macht eben seine Steige!»a 3,4 Er aber, Johannes, hatte ein Gewand aus Kamelhaaren an und (a) einen
ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber waren Heuschrecken und
wilder Honig. 3,5 Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz Judäa und alle Länder
am Jordan 3,6 und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden. 3,7 Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen,
sprach er zu ihnen: (a) Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiß gemacht,
daß ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 3,8 Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße! 3,9 Denkt nur nicht, daß ihr bei euch sagen könntet: (a) (b) (c) Wir haben Abraham zum
Vater. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen
Kinder zu erwecken. 3,10 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: (a) jeder
Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 3,11 Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist
stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der
wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen. (a) (b) (c) 3,12 Er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und
seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen
mit unauslöschlichem Feuer. (a)
Jesu Taufe
(Mk 1,9-11; Lk 3,21.22; Joh 1,32-34)
3,13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, daß er
sich von ihm taufen ließe. 3,14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, daß ich von dir
getauft werde, und du kommst zu mir?a 3,15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt geschehen! Denn
so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's
geschehen. 3,16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und
siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah (a) den Geist Gottes wie
eine Taube herabfahren und über sich kommen. 3,17 Und siehe, eine (a) Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber
Sohn, (b) an dem ich Wohlgefallen habe.
4. Kapitel
Jesu Versuchung
(Mk 1,12.13; Lk 4,1-13)
4,1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel
(a) versucht würde. 4,2 Und da er (a) (b) vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte
ihn. 4,3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so
sprich, daß diese Steine Brot werden. (a) 4,4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): «Der
Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus
dem Mund Gottes geht.» 4,5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn
auf die Zinne des Tempels 4,6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es
steht geschrieben (Psalm 91,11.12): «Er wird seinen Engeln deinetwegen
Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen
Fuß nicht an einen Stein stößt.» 4,7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16):
«Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.»
4,8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und
zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 4,9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst
und mich anbetest. (a) 4,10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! denn es steht geschrieben
(5. Mose 6,13): «Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein
dienen.» 4,11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da (a) (b) traten Engel zu ihm und
dienten ihm.
Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa
(Mk 1,14.15; Lk 4,14.15)
4,12 Als nun Jesus hörte, daß aJohannes gefangengesetzt worden war, zog er
sich nach Galiläa zurück. 4,13 Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt
im Gebiet von Sebulon und Naftali, 4,14 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da
spricht (Jesaja 8,23; 9,1): «4,15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land
jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, 4,16 das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und
denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht
aufgegangen.»a 4,17 Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen: (a) Tut Buße, denn das
Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Die Berufung der ersten Jünger
(Mk 1,16-20; Lk 5,1-11; Joh 1,35-51)
4,18 Als nun Jesus am Galiläischen Meer entlangging, sah er zwei Brüder,
Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder; die warfen
ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. 4,19 Und er sprach zu ihnen: Folgt mir nach; (a) ich will euch zu
Menschenfischern machen! 4,20 Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. (a) 4,21 Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den
Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Boot mit ihrem Vater
Zebedäus, wie sie ihre Netze flickten. Und er rief sie. 4,22 Sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm nach.
Krankenheilungen in Galiläa
(Mk 1,39; 3,7-12; Lk 4,44; 6,17-19)
4,23 Und Jesus zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und (a) (b)
predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle
Gebrechen im Volk. 4,24 Und die Kunde von ihm erscholl durch ganz Syrien. Und sie (a) brachten zu
ihm alle Kranken, mit mancherlei Leiden und Plagen behaftet, Besessene,
Mondsüchtige und Gelähmte; und er machte sie gesund. 4,25 Und es folgte ihm eine große Menge aus Galiläa, aus den Zehn Städten,
aus Jerusalem, aus Judäa und von jenseits des Jordans.
5. Kapitel
DIE BERGPREDIGT
(Kapitel 5-7)
Die Seligpreisungen
(Lk 6,20-49)
5,1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und
seine Jünger traten zu ihm. 5,2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 5,3 Selig sind, (a) die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das
Himmelreich. 5,4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. (a) (b) 5,5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. (a) (b) 5,6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie
sollen satt werden. (a) (b) 5,7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. (a) (b) 5,8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. (a) (b) (c) 5,9 Selig sind die (a) Friedfertigen;* denn sie werden Gottes Kinder heißen. 5,10 Selig sind, die (a) um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn
ihrer ist das Himmelreich. 5,11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen (a) (b) (c) um meinetwillen schmähen und
verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. 5,12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt
werden. Denn ebenso haben sie (a) (b) verfolgt die Propheten, die vor euch
gewesen sind.
Salz und Licht
5,13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit
soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als daß man es wegschüttet
und läßt es von den Leuten zertreten. (a) (b) 5,14 Ihr seid (a) das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge
liegt, nicht verborgen sein. 5,15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel,
sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. (a) (b) 5,16 So laßt (a) euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie (b) (c) eure guten
Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Jesu Stellung zum Gesetz
5,17 Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die
Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu
erfüllen. (a) (b) (c) (d) 5,18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht
vergehen der kleinste Buchstabe noch ein (a) Tüpfelchen vom Gesetz, bis es
alles geschieht. 5,19 Wer nun (a) eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die
Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und
lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. 5,20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die
der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich
kommen. (a)
Vom Töten
5,21 Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12):
«Du sollst nicht töten»; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig
sein. 5,22 Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts
schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des
Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen
Feuers schuldig. (a) 5,23 Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in
den Sinn, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, 5,24 so laß dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und (a) versöhne
dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe. 5,25 Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf
dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der
Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest. (a) (b) 5,26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du
auch den letzten Pfennig bezahlt hast.
Vom Ehebrechen
5,27 Ihr habt gehört, daß gesagt ist (2. Mose 20,14): «Du sollst nicht
ehebrechen.» 5,28 Ich aber sage euch: (a) (b) (c) Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat
schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. 5,29 (a) (b) (c) Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus
und wirf's von dir. Es ist besser für dich, daß eins deiner Glieder
verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. 5,30 Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf
sie von dir. Es ist besser für dich, daß eins deiner Glieder verderbe und
nicht der ganze Leib in die Hölle fahre. 5,31 Es ist auch gesagt (5. Mose 24,1): «Wer sich von seiner Frau scheidet,
der soll ihr einen Scheidebrief geben.»a 5,32 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn
wegen Ehebruchs, der macht, daß sie die Ehe bricht; und wer eine
Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe. (a) (b)
Vom Schwören
5,33 Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist (3. Mose 19,12; 4.
Mose 30,3): «Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn
deinen Eid halten.» 5,34 (a) Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei
dem (b) Himmel, denn er ist Gottes Thron; 5,35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei
Jerusalem, denn (a) sie ist die Stadt des großen Königs. 5,36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht
ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. 5,37 Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom
Übel. (a)
Vom Vergelten
5,38 Ihr habt gehört, daß gesagt ist (2. Mose 21,24): «Auge um Auge, Zahn um
Zahn.» 5,39 Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern:
wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch
dar. (a) (b) (c) (d) 5,40 Und (a) wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem
laß auch den Mantel. (b) 5,41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm
zwei. 5,42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas
von dir borgen will.
Von der Feindesliebe
5,43 Ihr habt gehört, daß gesagt ist (3. Mose 19,18): «Du sollst deinen
Nächsten lieben» und deinen Feind hassen. 5,44 Ich aber sage euch: (a) (b) (c) Liebt eure Feinde und (d) (e) bittet für die, die euch
verfolgen,* 5,45 damit ihr (a) Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er läßt seine
Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und
Ungerechte. 5,46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben?
Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? 5,47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr
Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? 5,48 Darum sollt ihr (a) vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen
ist.
6. Kapitel
Vom Almosengeben
6,1 Habt acht auf eure Frömmigkeit, daß ihr die nicht übt vor den Leuten, um
von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im
Himmel. 6,2 Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen
lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit
sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben
ihren Lohn schon gehabt. (a) 6,3 Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was
die rechte tut, (a) (b) 6,4 damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das
Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Vom Beten. Das Vaterunser
6,5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in
den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den
Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon
gehabt. 6,6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu
und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in
das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. 6,7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn
(a) sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 6,8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr
bedürft, bevor ihr ihn bittet. 6,9 (a) Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! (b) Dein Name werde
geheiligt. 6,10 Dein Reich komme. (a) Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 6,11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 6,12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern
Schuldigern. (a) 6,13 Und (a) (b) führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.*
[Denn (c) dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.]** 6,14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer
himmlischer Vater auch vergeben. (a) 6,15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure
Verfehlungen auch nicht vergeben.
Vom Fasten
6,16 Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler;
denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit
ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon
gehabt. (a) 6,17 Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, 6,18 damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern
vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das
Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Vom Schätzesammeln und Sorgen
6,19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und
der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. 6,20 Sammelt euch aber (a) (b) (c) Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost
fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. 6,21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. 6,22 Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird
dein ganzer Leib licht sein. (a) 6,23 Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein.
Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die
Finsternis sein!a
6,24 Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und
den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern
verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. (a) (b) 6,25 (a) Darum sage ich euch: (b) (c) Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und
trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist
nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 6,26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht,
sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie
doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?a 6,27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen
könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? 6,28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem
Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 6,29 Ich sage euch, daß auch (a) Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht
gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 6,30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht
und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für
euch tun, ihr Kleingläubigen? 6,31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was
werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? 6,32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß,
daß ihr all dessen bedürft. 6,33 Trachtet zuerst nach dem (a) Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit,
(b) (c) so wird euch das alles zufallen. 6,34 Darum sorgt nicht für morgen, denn (a) der morgige Tag wird für das Seine
sorgen. Es ist genug, daß jeder Tag seine eigene Plage hat.
7. Kapitel
Vom Richtgeist
7,1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. (a) (b) 7,2 Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und (a) (b)
mit welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden. 7,3 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht
wahr den Balken in deinem Auge? 7,4 Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den
Splitter aus deinem Auge ziehen?, und siehe, ein Balken ist in deinem
Auge. 7,5 Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie
du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst. 7,6 Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr
nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen
und sich umwenden und euch zerreißen. (a) (b)
Von der Gebetserhörung
7,7 (a) (b) (c) Bittet, so wird euch gegeben; (d) suchet, so werdet ihr finden; klopfet
an, so wird euch aufgetan. 7,8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer
da anklopft, dem wird aufgetan. 7,9 Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um
Brot, einen Stein biete? 7,10 oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? 7,11 Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben
geben könnt, wieviel mehr (a) wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen,
die ihn bitten!
Vom Tun des göttlichen Willens
7,12 Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihnen
auch! Das ist das Gesetz und die Propheten. (a) (b) (c) 7,13 a Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der
Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm
hineingehen. 7,14 Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und
wenige sind's, die ihn finden!a
7,15 Seht euch vor vor den (a) (b) falschen Propheten, die in Schafskleidern zu
euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. 7,16 An ihren (a) Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen
von den Dornen oder Feigen von den Disteln? 7,17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt
schlechte Früchte. (a) 7,18 Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, und ein fauler
Baum kann nicht gute Früchte bringen. 7,19 Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer
geworfen. (a) (b) 7,20 Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
7,21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das
Himmelreich kommen, sondern (a) (b) die den Willen tun meines Vaters im Himmel. 7,22 (a) Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, (b) haben wir
nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse
Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? 7,23 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht
von mir, ihr Übeltäter!a
Vom Hausbau
7,24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen
Mann, der sein Haus auf Fels baute. 7,25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten
und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels
gegründet. 7,26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem
törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 7,27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten
und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß. 7,28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, daß sich das
Volk (a) entsetzte über seine Lehre; 7,29 denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten. (a)
8. Kapitel
Die Heilung eines Aussätzigen
(Mk 1,40-44; Lk 5,12-14)
8,1 Als er aber vom Berge herabging, folgte ihm eine große Menge. 8,2 Und siehe, ein Aussätziger kam heran und fiel vor ihm nieder und sprach:
Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. 8,3 Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will's
tun; sei rein! Und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein. 8,4 Und Jesus sprach zu ihm: Sieh zu, (a) sage es niemandem, sondern geh hin
und (b) zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat,
ihnen zum Zeugnis.
Der Hauptmann von Kapernaum
(Lk 7,1-10; Joh 4,46-53)
8,5 Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der
bat ihn 8,6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet
große Qualen. 8,7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. 8,8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du
unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht
gesund. 8,9 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten
unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem
andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut
er's. 8,10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm
nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel
bei keinem gefunden!a 8,11 aAber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und
mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 8,12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da
wird sein Heulen und Zähneklappern. 8,13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; (a) (b) dir geschehe, wie du
geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.
Jesus im Haus des Petrus
(Mk 1,29-34; Lk 4,38-41)
8,14 Und Jesus kam in das Haus des Petrus und sah, daß dessen (a)
Schwiegermutter zu Bett lag und hatte das Fieber. 8,15 Da ergriff er ihre Hand, und das Fieber verließ sie. Und sie stand auf
und diente ihm. 8,16 Am Abend aber brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die
Geister aus durch sein Wort und machte alle Kranken gesund, 8,17 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da
spricht (Jesaja 53,4): «Er hat unsre Schwachheit auf sich genommen, und
unsre Krankheit hat er getragen.»
Vom Ernst der Nachfolge
(Lk 9,57-60)
8,18 Als aber Jesus die Menge um sich sah, befahl er, hinüber ans andre Ufer
zu fahren. 8,19 Und es trat ein Schriftgelehrter herzu und sprach zu ihm: Meister, ich
will dir folgen, wohin du gehst. 8,20 Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem
Himmel haben Nester; aber (a) der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt
hinlege. 8,21 Und ein anderer unter den Jüngern sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, daß
ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. (a) 8,22 Aber Jesus spricht zu ihm: Folge du mir, und laß die Toten ihre Toten
begraben!
Die Stillung des Sturms
(Mk 4,35-41; Lk 8,22-25)
8,23 Und er stieg in das Boot, und seine Jünger folgten ihm. 8,24 Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, so daß auch
das Boot von Wellen zugedeckt wurde. Er aber schlief. 8,25 Und sie traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf, wir
kommen um! 8,26 Da sagt er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?
Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da wurde es ganz
stille. (a) (b) 8,27 Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein
Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam sind?
Die Heilung der zwei besessenen Gadarener
(Mk 5,1-17; Lk 8,26-37)
8,28 Und er kam ans andre Ufer in die Gegend der Gadarener. Da liefen ihm
entgegen zwei Besessene; die kamen aus den Grabhöhlen und waren sehr
gefährlich, so daß niemand diese Straße gehen konnte. 8,29 Und siehe, sie schrien: Was willst du von uns, du (a) Sohn Gottes? Bist
du hergekommen, (b) (c) uns zu quälen, ehe es Zeit ist? 8,30 Es war aber fern von ihnen eine große Herde Säue auf der Weide. 8,31 Da baten ihn die bösen Geister und sprachen: Willst du uns austreiben,
so laß uns in die Herde Säue fahren. 8,32 Und er sprach: Fahrt aus! Da fuhren sie aus und fuhren in die Säue. Und
siehe, die ganze Herde stürmte den Abhang hinunter in den See, und sie
ersoffen im Wasser. 8,33 Und die Hirten flohen und gingen hin in die Stadt und berichteten das
alles und wie es den Besessenen ergangen war. 8,34 Und siehe, da ging die ganze Stadt hinaus Jesus entgegen. Und als sie
ihn sahen, baten sie ihn, daß er ihr Gebiet verlasse.
9. Kapitel
Die Heilung eines Gelähmten («Der Gichtbrüchige»)
(Mk 2,1-12; Lk 5,17-26)
9,1 Da stieg er in ein Boot und fuhr hinüber und kam in (a) seine Stadt. 9,2 Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gelähmten, der lag auf einem
Bett. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sei
getrost, mein Sohn, (a) (b) deine Sünden sind dir vergeben. 9,3 Und siehe, einige unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst:
(a) Dieser lästert Gott. 9,4 Als aber Jesus (a) ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr so Böses
in euren Herzen? 9,5 Was ist denn leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu
sagen: Steh auf und geh umher? 9,6 Damit ihr aber wißt, daß (a) der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden die
Sünden zu vergeben - sprach er zu dem Gelähmten: Steh auf, hebe dein Bett
auf und geh heim! 9,7 Und er stand auf und ging heim. 9,8 Als das Volk das sah, fürchtete es sich und pries Gott, der solche Macht
den Menschen gegeben hat.
Die Berufung des Matthäus und das Mahl mit den Zöllnern
(Mk 2,13-17; Lk 5,27-32)
9,9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen,
der hieß (a) Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und
folgte ihm. 9,10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele
Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. 9,11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum ißt
euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? 9,12 Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht,
sondern die Kranken. (a) 9,13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): (a) (b) «Ich habe
Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.» (c) Ich bin gekommen,
die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
Die Frage nach dem Fasten
(Mk 2,18-22; Lk 5,33-38)
9,14 Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum (a) fasten
wir und die Pharisäer so viel, und deine Jünger fasten nicht? 9,15 Jesus antwortete ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste Leid tragen,
solange der (a) Bräutigam bei ihnen ist? Es wird aber die Zeit kommen, daß
der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten. 9,16 Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Lappen von neuem Tuch; denn
der Lappen reißt doch wieder vom Kleid ab, und der Riß wird ärger. (a) 9,17 Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißen die
Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben.
Sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide
miteinander erhalten.
Die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des
Jaïrus
(Mk 5,21-43; Lk 8,40-56)
9,18 Als er dies mit ihnen redete, siehe, da kam einer von den Vorstehern
der Gemeinde, fiel vor ihm nieder und sprach: Meine Tochter ist eben
gestorben, aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. 9,19 Und Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern. 9,20 Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren den Blutfluß hatte, trat
von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes. 9,21 Denn sie sprach bei sich selbst: Könnte ich nur (a) sein Gewand berühren,
so würde ich gesund. 9,22 Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine
Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und die Frau wurde gesund zu
derselben Stunde.
9,23 Und als er in das Haus des Vorstehers kam und sah die Flötenspieler
und das Getümmel des Volkes, 9,24 sprach er: Geht hinaus! denn (a) das Mädchen ist nicht tot, sondern es
schläft. Und sie verlachten ihn. 9,25 Als aber das Volk hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie
bei der Hand. Da stand das Mädchen auf. 9,26 Und diese Kunde erscholl durch dieses ganze Land.
Die Heilung zweier Blinder und eines Stummen
9,27 Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde, die
schrien: Ach, du Sohn Davids, erbarme dich unser!a 9,28 Und als er heimkam, traten die Blinden zu ihm. Und Jesus sprach zu
ihnen: (a) Glaubt ihr, daß ich das tun kann? Da sprachen sie zu ihm: Ja,
Herr. 9,29 Da berührte er ihre Augen und sprach: Euch (a) geschehe nach eurem
Glauben! 9,30 Und ihre Augen wurden geöffnet. Und Jesus drohte ihnen und sprach: (a)
Seht zu, daß es niemand erfahre! 9,31 Aber sie gingen hinaus und verbreiteten die Kunde von ihm in diesem
ganzen Lande. 9,32 Als diese nun hinausgegangen waren, siehe, da brachten sie zu ihm
einen Menschen, der war stumm und besessen. 9,33 Als aber der böse Geist ausgetrieben war, redete der Stumme. Und das
Volk verwunderte sich und sprach: So etwas ist noch nie in Israel gesehen
worden. 9,34 Aber die Pharisäer sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch
ihren Obersten. (a)
Die große Ernte
9,35 Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren
Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle
Krankheiten und alle Gebrechen. 9,36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet
und (a) (b) zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. (c) 9,37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind
der Arbeiter. 9,38 Darum bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte
sende. (a)
10. Kapitel
Die Berufung der Zwölf
(Mk 6,7-13; Lk 9,1-5)
10,1 Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die
unreinen Geister, daß sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und
alle Gebrechen. 10,2 (a) (b) (c) Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: zuerst Simon, genannt
Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und
Johannes, sein Bruder; 10,3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus,
der Sohn des Alphäus, und Thaddäus; 10,4 Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn verriet.
Die Aussendung der Zwölf
10,5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg
zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter, 10,6 sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. (a) (b) 10,7 (a) Geht aber und predigt und sprecht: (b) Das Himmelreich ist nahe
herbeigekommen. 10,8 Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, (a) treibt
böse Geister aus. Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch. 10,9 Ihr sollt (a) weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, 10,10 auch keine Reisetasche, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch
keinen Stecken. Denn (a) (b) (c) ein Arbeiter ist seiner Speise wert. 10,11 Wenn ihr aber in eine Stadt oder ein Dorf geht, da erkundigt euch, ob
jemand darin ist, der es wert ist; und bei dem bleibt, bis ihr
weiterzieht. 10,12 Wenn ihr aber in ein Haus geht, so grüßt es; 10,13 und wenn es das Haus wert ist, wird euer Friede auf sie kommen. Ist es
aber nicht wert, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden. 10,14 Und wenn euch jemand nicht aufnehmen und eure Rede nicht hören wird, so
geht heraus aus diesem Hause oder dieser Stadt und (a) schüttelt den Staub
von euren Füßen. 10,15 Wahrlich, ich sage euch: Dem Land der (a) Sodomer und Gomorrer wird es
erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als dieser Stadt.
Die Ansage kommender Verfolgungen
(Mk 13,9-13; Lk 21,12-17)
10,16 (a) Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum (b) (c) seid
klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. 10,17 Hütet euch aber vor den Menschen; denn (a) (b) sie werden euch den Gerichten
überantworten und werden euch geißeln in ihren Synagogen. 10,18 Und man wird euch vor Statthalter und Könige führen um meinetwillen, (a) (b)
ihnen und den Heiden zum Zeugnis. 10,19 Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorgt nicht, wie oder was
ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr
reden sollt. (a) (b) (c) 10,20 Denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern (a) eures Vaters Geist ist
es, der durch euch redet. 10,21 Es wird aber ein Bruder den andern dem Tod preisgeben und der Vater den
Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen ihre Eltern und werden sie
töten helfen. (a) 10,22 Und ihr werdet gehaßt werden von jedermann um meines Namens willen. Wer
aber (a) bis an das Ende beharrt, der wird selig werden. (b) 10,23 (a) Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine
andere. Wahrlich, ich sage euch: (b) Ihr werdet mit den Städten Israels
nicht zu Ende kommen, bis der Menschensohn kommt. 10,24 Der Jünger steht nicht über dem Meister und der Knecht nicht über
seinem Herrn. (a) (b) 10,25 Es ist für den Jünger genug, daß er ist wie sein Meister und der Knecht
wie sein Herr. Haben sie (a) den Hausherrn Beelzebul genannt, wieviel mehr
werden sie seine Hausgenossen so nennen! 10,26 Darum fürchtet euch nicht vor ihnen.
Menschenfurcht und Gottesfurcht
(Lk 12,2-9)
Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was
man nicht wissen wird. (a) (b) 10,27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im
Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. 10,28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele
nicht töten können; (a) (b) fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und
Seele verderben kann in der Hölle. 10,29 Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner
von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. 10,30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. (a) 10,31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. (a) 10,32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor
meinem himmlischen Vater. (a) 10,33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen
vor meinem himmlischen Vater. (a) (b) (c)
Entzweiungen um Jesu willen
10,34 (a) (b) Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf
die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 10,35 Denn ich bin gekommen, a den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und
die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer
Schwiegermutter. 10,36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. 10,37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert;
und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht
wert. (a) (b) (c) 10,38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist
meiner nicht wert. (a) 10,39 Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben
verliert um meinetwillen, der wird's finden. (a) (b)
Aufnahme um Jesu willen
10,40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt
den auf, der mich gesandt hat. (a) (b) (c) 10,41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, der wird den
Lohn eines Propheten empfangen. (a) Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es
ein Gerechter ist, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen. 10,42 Und wer einem dieser Geringen auch nur einen Becher kalten Wassers zu
trinken gibt, weil es ein Jünger ist, wahrlich ich sage euch: es wird ihm
nicht unbelohnt bleiben. (a) (b)
11. Kapitel
Die Anfrage des Täufers
(Lk 7,18-23)
11,1 Und es begab sich, als Jesus diese Gebote an seine zwölf Jünger beendet
hatte, daß er von dort weiterging, um in ihren Städten zu lehren und zu
predigen. 11,2 Als aber Johannes im (a) Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er
seine Jünger 11,3 und ließ ihn fragen: (a) (b) Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir
auf einen andern warten? 11,4 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder,
was ihr hört und seht: 11,5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören,
Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; (a) (b) 11,6 und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. (a) (b)
Jesu Zeugnis über den Täufer
(Lk 7,24-35)
11,7 Als sie fortgingen, fing Jesus an, zu dem Volk von Johannes zu reden:
Was seid ihr (a) hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr
sehen, das der Wind hin und her weht? 11,8 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in
weichen Kleidern sehen? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den
Häusern der Könige. 11,9 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen (a) (b) Propheten
sehen? Ja, ich sage euch: er ist mehr als ein Prophet. 11,10 Dieser ist's, von dem geschrieben steht (Maleachi 3,1): «Siehe, ich
sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.» 11,11 Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind,
ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer; (a) der aber
der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er. 11,12 Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das
Himmelreich Gewalt, und die Gewalttätigen reißen es an sich. (a) 11,13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu
Johannes; 11,14 und wenn ihr's annehmen wollt: er ist (a) (b) Elia, der da kommen soll. 11,15 Wer Ohren hat, der höre!
11,16 Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es gleicht den
Kindern, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: 11,17 Wir haben euch aufgespielt, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben
Klagelieder gesungen, und ihr wolltet nicht weinen. (a) 11,18 Johannes ist gekommen, (a) aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er ist
besessen. 11,19 Der Menschensohn ist gekommen, (a) (b) ißt und trinkt; so sagen sie: Siehe,
was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der
Zöllner und Sünder! Und doch ist die (c) (d) Weisheit gerechtfertigt worden aus
ihren Werken.
Jesu Weheruf über galiläische Städte
(Lk 10,13-15)
11,20 Da fing er an, die Städte zu schelten, in denen die meisten seiner
Taten geschehen waren; denn sie hatten nicht Buße getan: 11,21 Wehe dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wären solche Taten in Tyrus und
Sidon geschehen, wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst (a) in
Sack und Asche Buße getan. 11,22 Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen am
Tage des Gerichts als euch. 11,23 Und du, (a) (b) (c) Kapernaum, wirst du (d) bis zum Himmel erhoben werden? Du wirst
bis in die Hölle hinuntergestoßen werden. Denn wenn in Sodom die Taten
geschehen wären, die in dir geschehen sind, es stünde noch heutigen Tages. 11,24 Doch ich sage euch: Es wird dem Land der Sodomer erträglicher ergehen
am Tage des Gerichts als dir. (a)
Jesu Lobpreis und Heilandsruf
11,25 (a) (b) (c) Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr
des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen
hast und hast es den Unmündigen offenbart. (d) 11,26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 11,27 aAlles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn
als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es
der Sohn offenbaren will. 11,28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will
euch erquicken. (a) (b) (c) 11,29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und
von Herzen demütig; so werdet ihr (a) (b) Ruhe finden für eure Seelen. 11,30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (a) (b)
12. Kapitel
Das Ährenraufen am Sabbat
(Mk 2,23-28; Lk 6,1-5)
12,1 Zu der Zeit ging Jesus durch ein Kornfeld am Sabbat; und seine Jünger
waren hungrig und fingen an, (a) Ähren auszuraufen und zu essen. 12,2 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Jünger
tun, (a) was am Sabbat nicht erlaubt ist. 12,3 (a) Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als
ihn und die bei ihm waren hungerte? 12,4 wie er in das Gotteshaus ging und aß die Schaubrote, die doch weder er
noch die bei ihm waren, essen durften, sondern (a) allein die Priester? 12,5 Oder habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie die Priester am Sabbat im
Tempel den Sabbat brechen und sind doch ohne Schuld? 12,6 Ich sage euch aber: Hier ist Größeres als der Tempel. 12,7 Wenn ihr aber wüßtet, was das heißt (Hosea 6,6): (a) «Ich habe
Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer», dann hättet ihr die
Unschuldigen nicht verdammt. 12,8 Der Menschensohn ist ein Herr über den Sabbat.
Die Heilung eines Mannes am Sabbat
(Mk 3,1-6; Lk 6,6-11)
12,9 Und er ging von dort weiter und kam in ihre Synagoge. 12,10 Und siehe, da war ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. Und sie
fragten ihn und sprachen: Ist's erlaubt, am Sabbat zu heilen?, damit sie
ihn verklagen könnten. 12,11 Aber er sprach zu ihnen: Wer ist unter euch, der sein einziges Schaf,
wenn es ihm am Sabbat in eine Grube fällt, nicht ergreift und ihm
heraushilft?a 12,12 Wieviel mehr ist nun ein Mensch als ein Schaf! Darum darf man am Sabbat
Gutes tun. 12,13 Da sprach er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte
sie aus; und sie wurde ihm wieder gesund wie die andere. 12,14 Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten Rat über ihn, wie sie ihn
umbrächten. (a)
Der Gottesknecht
(Mk 3,7-12; Lk 6,17-19)
12,15 Aber als Jesus das erfuhr, entwich er von dort. Und eine große Menge
folgte ihm, und er heilte sie alle 12,16 und gebot ihnen, daß sie ihn nicht offenbar machten, (a) 12,17 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da
spricht (Jesaja 42,1-4): «12,18 Siehe, (a) das ist mein Knecht, den ich erwählt habe, und mein
Geliebter, (b) an dem meine Seele Wohlgefallen hat; ich will meinen Geist
auf ihn legen, und er soll den Heiden das Recht verkündigen. 12,19 Er wird nicht streiten noch schreien, und man wird seine Stimme nicht
hören auf den Gassen; 12,20 das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht
wird er nicht auslöschen, bis er das Recht hinausführt zum Sieg; 12,21 und die Heiden werden auf seinen Namen hoffen.»
Jesu Macht über die bösen Geister
(Mk 3,22-27; Lk 11,14-23)
12,22 Da wurde ein Besessener zu Jesus gebracht, der war blind und stumm; und
er heilte ihn, so daß der Stumme redete und sah. 12,23 Und alles Volk entsetzte sich und fragte: Ist dieser nicht (a) (b) Davids
Sohn? 12,24 Aber als die Pharisäer das hörten, sprachen sie: (a) Er treibt die bösen
Geister nicht anders aus als durch Beelzebul, ihren Obersten. 12,25 Jesus erkannte aber ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das
mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet; und jede Stadt oder jedes
Haus, das mit sich selbst uneins ist, kann nicht bestehen. 12,26 Wenn nun der Satan den Satan austreibt, so muß er mit sich selbst
uneins sein; wie kann dann sein Reich bestehen? 12,27 Wenn ich aber die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen
treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 12,28 Wenn ich aber (a) die bösen Geister durch den Geist Gottes austreibe, so
ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. 12,29 Oder wie kann jemand in das Haus eines Starken eindringen und ihm
seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken fesselt? Erst dann
kann er sein Haus berauben. (a) (b) 12,30 (a) Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir
sammelt, der zerstreut.
Die Sünde gegen den heiligen Geist
(Mk 3,28-30; Lk 12,10; 6,43-45)
12,31 Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen
vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. (a) (b) (c) 12,32 Und (a) wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben;
aber wer etwas redet gegen den heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben,
weder in dieser noch in jener Welt.
Vom Baum und seinen Früchten
12,33 Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein; oder
nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an
der Frucht erkennt man den Baum. (a) 12,34 Ihr (a) Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes
das Herz voll ist, des geht der Mund über. 12,35 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines
Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen
Schatz. 12,36 Ich sage euch aber, daß die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage
des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben. (a) (b) 12,37 Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten
wirst du verdammt werden.
Die Zeichenforderung der Pharisäer
(Mk 8,11.12; Lk 11,29-32)
12,38 Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und
sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. 12,39 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges
Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben
werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. 12,40 Denn (a) wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so
wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte (b) (c) im Schoß der Erde sein. 12,41 Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem
Geschlecht und werden es verdammen; denn (a) sie taten Buße nach der Predigt
des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. 12,42 Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem
Geschlecht und wird es verdammen; denn (a) sie kam vom Ende der Erde, um
Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.
Von der Rückkehr des bösen Geistes
(Lk 11,24-26)
12,43 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so
durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. 12,44 Dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich
fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's leer, gekehrt und
geschmückt. 12,45 Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andre Geister, die böser
sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und (a) es
wird mit diesem Menschen hernach ärger, als es vorher war. So wird's auch
diesem bösen Geschlecht ergehen.
Jesu wahre Verwandte
(Mk 3,31-35; Lk 8,19-21)
12,46 Als er noch zu dem Volk redete, siehe, da standen (a) seine Mutter und
seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden. 12,47 Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen
draußen und wollen mit dir reden. 12,48 Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine
Mutter, und wer sind meine Brüder?a 12,49 Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da,
das ist meine Mutter, und das sind meine Brüder!a 12,50 Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, (a) der ist mir Bruder
und Schwester und Mutter.
13. Kapitel
Vom Sämann
(Mk 4,1-9; Lk 8,4-8)
13,1 An demselben Tage ging Jesus aus dem Hause und setzte sich an den See. 13,2 Und es versammelte sich eine große Menge bei ihm, so daß er in ein Boot
stieg und sich setzte, und alles Volk stand am Ufer. 13,3 Und er redete vieles zu ihnen in Gleichnissen und sprach: Siehe, es ging
ein Sämann aus, zu säen. 13,4 Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg; da kamen die Vögel und
fraßen's auf. 13,5 Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging
bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. 13,6 Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel
hatte, verdorrte es. 13,7 Einiges fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen empor und
erstickten's. 13,8 Einiges fiel auf gutes Land und trug Frucht, einiges hundertfach,
einiges sechzigfach, einiges dreißigfach. 13,9 Wer Ohren hat, der höre!
Vom Sinn der Gleichnisse
(Mk 4,10-12; Lk 8,9.10)
13,10 Und die Jünger traten zu ihm und sprachen: Warum redest du zu ihnen in
Gleichnissen? 13,11 Er antwortete und sprach zu ihnen: (a) Euch ist's gegeben, die
Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen, diesen aber ist's nicht
gegeben. 13,12 Denn (a) wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe; wer aber
nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. (b) (c) (d) 13,13 Darum (a) rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn (b) mit sehenden Augen
sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen
es nicht. 13,14 Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die da sagt (Jesaja
6,9.10): «Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen;
und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet es nicht erkennen. 13,15 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt: ihre Ohren hören schwer, und
ihre Augen sind geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und
mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und
ich ihnen helfe.»a 13,16 Aber selig sind eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie
hören. (a) 13,17 Wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt, zu
sehen, was ihr seht, und haben's nicht gesehen, und zu hören, was ihr
hört, und haben's nicht gehört. (a)
Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann
(Mk 4,13-20; Lk 8,11-15)
13,18 So hört nun ihr dies Gleichnis von dem Sämann: 13,19 Wenn jemand das Wort von dem Reich hört und nicht versteht, so kommt
der Böse und reißt hinweg, was in sein Herz gesät ist; das ist der, bei
dem auf den Weg gesät ist. 13,20 Bei dem aber auf felsigen Boden gesät ist, das ist, der das Wort hört
und es gleich mit Freuden aufnimmt; 13,21 aber er hat keine Wurzel in sich, sondern er ist wetterwendisch; wenn
sich Bedrängnis oder Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so fällt er
gleich ab. 13,22 Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört,
und (a) (b) die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das
Wort, und er bringt keine Frucht. 13,23 Bei dem aber auf gutes Land gesät ist, das ist, der das Wort hört und
versteht und dann auch Frucht bringt; und der eine trägt hundertfach, der
andere sechzigfach, der dritte dreißigfach.
Vom Unkraut unter dem Weizen
13,24 Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich
gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 13,25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen
den Weizen und ging davon. 13,26 Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das
Unkraut. 13,27 Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du
nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? 13,28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte:
Willst du denn, daß wir hingehen und es ausjäten? 13,29 Er sprach: Nein! damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn
ihr das Unkraut ausjätet. 13,30 Laßt beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit
will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es
in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine
Scheune. (a) (b) (c)
Vom Senfkorn
(Mk 4,30-32; Lk 13,18.19)
13,31 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich
gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; 13,32 das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen
ist, so ist es größer als alle Kräuter und (a) wird ein Baum, so daß die
Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.
Vom Sauerteig
13,33 Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich gleicht einem
Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte,
bis es ganz durchsäuert war. (a) 13,34 Das alles redete Jesus in Gleichnissen zu dem Volk, und ohne
Gleichnisse redete er nichts zu ihnen, (a) 13,35 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht
(Psalm 78,2): «Ich will meinen Mund auftun in Gleichnissen und will
aussprechen, was verborgen war vom Anfang der Welt an.»
Die Deutung des Gleichnisses vom Unkraut
13,36 Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim. Und seine Jünger traten zu
ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. 13,37 Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist's, der den
guten Samen sät. 13,38 Der aAcker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das
Unkraut sind die (a) Kinder des Bösen. 13,39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt.
Die Schnitter sind die Engel. 13,40 Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's
auch am Ende der Welt gehen. 13,41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus
seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, (a) 13,42 und werden sie in den Feuerofen werf en; da wird Heulen und
Zähneklappern sein. 13,43 Dann werden die Gerechten (a) leuchten wie die Sonne in ihres Vaters
Reich. Wer Ohren hat, der höre!
Vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle
13,44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein
Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und (a) (b) (c) verkaufte
alles, was er hatte, und kaufte den Acker. 13,45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen
suchte, 13,46 und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles,
was er hatte, und kaufte sie.
Vom Fischnetz
13,47 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Netz, das ins Meer geworfen ist
und Fische aller Art fängt. (a) 13,48 Wenn es aber voll ist, ziehen sie es heraus an das Ufer, setzen sich
und lesen die guten in Gefäße zusammen, aber die schlechten werfen sie
weg. 13,49 So wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen und
(a) die Bösen von den Gerechten scheiden 13,50 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und
Zähneklappern sein. 13,51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja. 13,52 Da sprach er: Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des
Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues
und Altes hervorholt.
Die Verwerfung Jesu in Nazareth
(Mk 6,1-6; Lk 4,16-30)
13,53 Und es begab sich, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, daß er
davonging 13,54 und kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge, so daß
sie sich entsetzten und fragten: Woher hat dieser solche Weisheit und
solche Taten? 13,55 Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria?
und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas? 13,56 Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? (a) (b) Woher kommt ihm
denn das alles? 13,57 Und sie ärgerten sich an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: (a) Ein Prophet
gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause. 13,58 Und er tat dort nicht viele Zeichen wegen ihres Unglaubens.
14. Kapitel
Das Ende Johannes des Täufers
(Mk 6,14-29; Lk 3,19.20; 9,7-9)
14,1 Zu der Zeit kam die Kunde von Jesus vor den Landesfürsten Herodes. 14,2 Und er sprach zu seinen Leuten: Das ist Johannes der Täufer; er ist von
den Toten auferstanden, darum tut er solche Taten. 14,3 Denn Herodes hatte Johannes ergriffen, gefesselt und (a) in das Gefängnis
geworfen wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus. 14,4 Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: (a) Es ist nicht recht, daß du sie
hast. 14,5 Und er hätte ihn gern getötet, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn (a)
sie hielten ihn für einen Propheten. 14,6 Als aber Herodes seinen Geburtstag beging, da tanzte die Tochter der
Herodias vor ihnen. Das gefiel dem Herodes gut. 14,7 Darum versprach er ihr mit einem Eid, er wolle ihr geben, was sie
fordern würde. 14,8 Und wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet war, sprach sie: Gib mir
hier auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers! 14,9 Und der König wurde traurig; doch wegen des Eides und derer, die mit ihm
zu Tisch saßen, befahl er, es ihr zu geben, 14,10 und schickte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. 14,11 Und sein Haupt wurde hereingetragen auf einer Schale und dem Mädchen
gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter. 14,12 Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leichnam und begruben ihn; und
sie kamen und verkündeten das Jesus.
Die Speisung der Fünftausend
(Mk 6,31-44; Lk 9,10-17; Joh 6,1-13)
14,13 Als das Jesus hörte, fuhr er von dort weg in einem Boot in eine einsame
Gegend allein. Und als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus den
Städten. 14,14 Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, und
er heilte ihre Kranken. 14,15 Am Abend aber traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Die Gegend ist
öde, und die Nacht bricht herein; laß das Volk gehen, damit sie in die
Dörfer gehen und sich zu essen kaufen. 14,16 Aber Jesus sprach zu ihnen: Es ist nicht nötig, daß sie fortgehen; gebt
ihr ihnen zu essen. 14,17 Sie sprachen zu ihm: Wir haben hier nichts als fünf Brote und zwei
Fische. 14,18 Und er sprach: Bringt sie mir her! 14,19 Und er ließ das Volk sich auf das Gras lagern und nahm die fünf Brote
und die zwei Fische, sah auf zum Himmel, dankte und brach's und gab die
Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. 14,20 Und sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken
übrigblieb, zwölf Körbe voll. (a) 14,21 Die aber gegessen hatten, waren etwa fünftausend Mann, ohne Frauen und
Kinder.
Jesus und der sinkende Petrus auf dem See
(Mk 6,45-56; Joh 6,15-21)
14,22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor
ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. 14,23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, (a) (b) stieg er allein auf einen
Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. 14,24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die
Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. 14,25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem
See. 14,26 Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und
riefen: (a) Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht. 14,27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich
bin's; fürchtet euch nicht! 14,28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl
mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. 14,29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem
Wasser und kam auf Jesus zu. 14,30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und
schrie: Herr, hilf mir! 14,31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu
ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? 14,32 Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich. 14,33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: (a) (b) Du bist
wahrhaftig Gottes Sohn!
Krankenheilungen in Genezareth
(Mk 6,53-56)
14,34 Und sie fuhren hinüber und kamen ans Land in Genezareth. 14,35 Und als die Leute an diesem Ort ihn erkannten, schickten sie Botschaft
ringsum in das ganze Land und brachten alle Kranken zu ihm 14,36 und baten ihn, daß sie nur (a) (b) den Saum seines Gewandes berühren dürften.
Und alle, die ihn berührten, wurden gesund.
15. Kapitel
Von Reinheit und Unreinheit
(Mk 7,1-23)
15,1 Da kamen zu Jesus Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem und
sprachen: 15,2 Warum übertreten deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Denn sie (a)
waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen. 15,3 Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Gottes
Gebot um eurer Satzungen willen? 15,4 Denn Gott hat geboten (2. Mose 20,12; 21,17): «Du sollst Vater und
Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes
sterben.» 15,5 aAber ihr lehrt: Wer zu Vater oder Mutter sagt: Eine Opfergabe soll
sein, was dir von mir zusteht, 15,6 der braucht seinen Vater nicht zu ehren. Damit habt ihr Gottes Gebot
aufgehoben um eurer Satzungen willen. 15,7 Ihr Heuchler, wie fein hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen
(Jesaja 29,13): «15,8 Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir; 15,9 vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als
Menschengebote sind.» 15,10 Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihnen: Hört zu und
begreift's: 15,11 (a) (b) (c) Was zum Mund hineingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern
was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein. 15,12 Da traten seine Jünger zu ihm und fragten: Weißt du auch, daß die
Pharisäer an dem Wort Anstoß nahmen, als sie es hörten? 15,13 Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer
Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen. (a) 15,14 Laßt sie, sie sind (a) (b) (c) blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den
andern führt, so fallen sie beide in die Grube. 15,15 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Deute uns dies Gleichnis! 15,16 Und Jesus sprach zu ihnen: Seid denn auch ihr noch immer unverständig? 15,17 Merkt ihr nicht, daß alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den
Bauch und wird danach in die Grube ausgeleert? 15,18 Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das
macht den Menschen unrein. 15,19 Denn (a) aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht,
Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. 15,20 Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit
ungewaschenen Händen essen, macht den Menschen nicht unrein.
Die kanaanäische Frau
(Mk 7,24-30)
15,21 Und Jesus ging weg von dort und zog sich zurück in die Gegend von Tyrus
und Sidon. 15,22 Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach
Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem
bösen Geist übel geplagt. 15,23 Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten
ihn und sprachen: Laß sie doch gehen,* denn sie schreit uns nach. * Es
kann auch übersetzt werden: «Stell sie zufrieden». 15,24 Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen
Schafen des Hauses Israel. (a) (b) 15,25 Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! 15,26 Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, daß man den Kindern
ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. 15,27 Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die
vom Tisch ihrer Herren fallen. 15,28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, (a) dein Glaube ist groß.
Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben
Stunde.
Weitere Heilungen
15,29 Und Jesus ging von dort weiter und kam an das Galiläische Meer und ging
auf einen Berg und setzte sich dort. 15,30 Und es kam eine große Menge zu ihm; die hatten bei sich Gelähmte,
Verkrüppelte, Blinde, Stumme und viele andere Kranke und legten sie Jesus
vor die Füße, und er heilte sie, 15,31 so daß sich das Volk verwunderte, als sie sahen, daß die Stummen
redeten, die Verkrüppelten gesund waren, die Gelähmten gingen, die Blinden
sahen; und sie priesen den Gott Israels. (a)
Die Speisung der Viertausend
(Mk 8,1-10)
15,32 (a) Und Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach: Das Volk jammert
mich; denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu
essen; und ich will sie nicht hungrig gehen lassen, damit sie nicht
verschmachten auf dem Wege. 15,33 Da sprachen seine Jünger zu ihm: Woher sollen wir soviel Brot nehmen in
der Wüste, um eine so große Menge zu sättigen? 15,34 Und Jesus sprach zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten:
Sieben und ein paar Fische. 15,35 Und er ließ das Volk sich auf die Erde lagern 15,36 und nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach sie und gab sie
seinen Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. 15,37 Und sie aßen alle und wurden satt; und sie sammelten auf, was an
Brocken übrigblieb, sieben Körbe voll. 15,38 Und die gegessen hatten, waren viertausend Mann, ausgenommen Frauen und
Kinder. 15,39 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er ins Boot und kam in
das Gebiet von Magadan.
16. Kapitel
Die Zeichenforderung der Pharisäer
(Mk 8,11.12; Lk 12,54-56)
16,1 Da traten die Pharisäer und Sadduzäer zu ihm; die versuchten ihn und
forderten ihn auf, sie (a) ein Zeichen vom Himmel sehen zu lassen. 16,2 Aber er antwortete und sprach: Des Abends sprecht ihr: Es wird ein
schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot. 16,3 Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute ein Unwetter kommen, denn der
Himmel ist rot und trübe. Über das Aussehen des Himmels könnt ihr
urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die (a) Zeichen der Zeit urteilen?* 16,4 Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen; doch (a) soll
ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Jona*. Und er
ließ sie stehen und ging davon.
Warnung vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer
(Mk 8,14-21)
16,5 Und als die Jünger ans andre Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen,
Brot mitzunehmen. 16,6 Jesus aber sprach zu ihnen: (a) Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig
der Pharisäer und Sadduzäer! 16,7 Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird's sein, daß wir
kein Brot mitgenommen haben. 16,8 Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, was
bekümmert ihr euch doch, daß ihr kein Brot habt? 16,9 Versteht ihr noch nicht? Denkt ihr nicht an die (a) fünf Brote für die
fünftausend und wieviel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt? 16,10 auch nicht an die (a) sieben Brote für die viertausend und wieviel Körbe
voll ihr da aufgesammelt habt? 16,11 Wieso versteht ihr denn nicht, daß ich nicht vom Brot zu euch geredet
habe? Hütet euch vielmehr vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! 16,12 Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, sie sollten sich hüten
vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und
Sadduzäer.
Das Bekenntnis des Petrus und die Verheißung an ihn
(Mk 8,27-30; Lk 9,18-21)
16,13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger
und sprach: Wer sagen die Leute, daß der Menschensohn sei? 16,14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist aJohannes der Täufer, andere, du
seist (a) Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder (b) einer der Propheten. 16,15 Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, daß ich sei? 16,16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: (a) Du bist Christus, des
lebendigen Gottes Sohn! 16,17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas
Sohn; (a) (b) denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein
Vater im Himmel. 16,18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen (a) (b) Felsen will ich
meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht
überwältigen. 16,19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: (a) alles, was du auf
Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du
auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein. 16,20 Da gebot er seinen Jüngern, niemandem zu sagen, daß er der Christus
sei. (a)
Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
(Mk 8,31-33; Lk 9,22)
16,21 Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach
Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern
und Schriftgelehrten und getötet werden und (a) (b) am dritten Tage auferstehen. 16,22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: Gott bewahre
dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht! 16,23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh weg von mir, Satan! Du
bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was
menschlich ist.
Von der Nachfolge
(Mk 8,34-9,1; Lk 9,23-27)
16,24 (a) Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der
verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. (b) 16,25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; (a) wer aber
sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden. 16,26 Was hülfe es dem Menschen, (a) wenn er die ganze Welt gewönne und nähme
doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er (b)
seine Seele auslöse? 16,27 Denn es wird geschehen, daß der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit
seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er (a) einem jeden vergelten
nach seinem Tun. 16,28 Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod
nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich. (a)
17. Kapitel
Die Verklärung Jesu
(Mk 9,2-13; Lk 9,28-36)
17,1 Und nach sechs Tagen (a) (b) (c) (d) (e) nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und
Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 17,2 (a) Und er wurde verklärt vor ihnen, und (b) sein Angesicht leuchtete wie
die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 17,3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 17,4 Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst
du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia
eine. 17,5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke.
Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: (a) Dies ist mein lieber Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 17,6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken
sehr. 17,7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und
fürchtet euch nicht! 17,8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 17,9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr
sollt von dieser Erscheinung (a) niemandem sagen, bis der Menschensohn von
den Toten auferstanden ist. 17,10 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die
Schriftgelehrten, zuerst müsse (a) Elia kommen? 17,11 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich kommen und
alles zurechtbringen. 17,12 Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht
erkannt, sondern (a) haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der
Menschensohn durch sie leiden müssen. 17,13 Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen
geredet hatte. (a)
Die Heilung eines mondsüchtigen Knaben
(Mk 9,14-29; Lk 9,37-42)
17,14 Und als sie zu dem Volk kamen, trat ein Mensch zu ihm, fiel ihm zu
Füßen 17,15 und sprach: Herr, erbarme dich über meinen Sohn! denn er ist
mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins
Wasser; 17,16 und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, und sie konnten ihm nicht
helfen. 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes
Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch
erdulden? Bringt ihn mir her! 17,18 Und Jesus bedrohte ihn; und der böse Geist fuhr aus von ihm, und der
Knabe wurde gesund zu derselben Stunde. 17,19 Da traten seine Jünger zu ihm, als sie allein waren, und fragten: (a)
Warum konnten wir ihn nicht austreiben? 17,20 Er aber sprach zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, ich
sage euch: (a) (b) (c) Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu
diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird
nichts unmöglich sein.*
Die zweite Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
(Mk 9,30-32; Lk 9,43-45)
17,21 aAls sie aber beieinander waren in Galiläa, sprach Jesus zu ihnen: Der
Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen, 17,22 und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen. Und
sie wurden sehr betrübt.
Von der Zahlung der Tempelsteuer
17,23 Als sie nun nach Kapernaum kamen, traten zu Petrus, die den
Tempelgroschen einnehmen, und sprachen: Pflegt euer Meister nicht den (a) (b)
Tempelgroschen zu geben? 17,24 Er sprach: Ja. Und als er heimkam, kam ihm Jesus zuvor und fragte: Was
meinst du, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden Zoll oder Steuern:
von ihren Kindern oder von den Fremden? 17,25 Als er antwortete: Von den Fremden, sprach Jesus zu ihm: So sind die
Kinder frei. 17,26 Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh hin an den See und wirf
die Angel aus, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den nimm; und wenn
du sein Maul aufmachst, wirst du ein Zweigroschenstück finden; das nimm
und gib's ihnen für mich und dich.
18. Kapitel
Der Rangstreit der Jünger
(Mk 9,33-37; Lk 9,46-48)
18,1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist
doch der Größte im Himmelreich? 18,2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie 18,3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet
wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. (a) 18,4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der
Größte im Himmelreich. 18,5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. (a)
Warnung vor Verführung zum Abfall
(Mk 9,42-47; Lk 17,1.2)
18,6 aWer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall
verführt, für den wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt
und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. 18,7 Weh der Welt der Verführungen wegen! Es müssen ja Verführungen kommen;
doch weh dem Menschen, der zum Abfall verführt! 18,8 (a) Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zum Abfall verführt, so hau
sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, daß du lahm oder
verkrüppelt zum Leben eingehst, als daß du zwei Hände oder zwei Füße hast
und wirst in das ewige Feuer geworfen. 18,9 Und wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, reiß es aus und wirf's von
dir. Es ist besser für dich, daß du einäugig zum Leben eingehst, als daß
du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen.
Vom verlorenen Schaf
(Lk 15,4-7)
18,10 Seht zu, daß ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich
sage euch: (a) Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines
Vaters im Himmel.* * Vers 11 findet sich erst in der späteren
Überlieferung: «Denn der Menschensohn ist gekommen, selig zu machen, was
verloren ist.» 18,11 Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins unter
ihnen sich verirrte: läßt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht
hin und sucht das verirrte? 18,12 Und wenn es geschieht, daß er's findet, wahrlich, ich sage euch: er
freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht
verirrt haben. 18,13 So ist's auch nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, daß auch nur
eines von diesen Kleinen verloren werde.
Zurechtweisung und Gebet in der Gemeinde
18,14 Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und (a) (b) (c) weise ihn zurecht
zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder
gewonnen. 18,15 Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit (a)
jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. 18,16 Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die
Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner. (a) (b) (c) 18,17 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im
Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im
Himmel gelöst sein. (a) (b) 18,18 Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf
Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem
Vater im Himmel. (a) 18,19 Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, (a) da bin ich
mitten unter ihnen.
Von der Vergebung («Der Schalksknecht»)
18,20 Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muß ich denn meinem
Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? 18,21 Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal
siebenmal. (a) (b) (c) 18,22 Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten
abrechnen wollte. 18,23 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war
ihm zehntausend Zentner Silber schuldig. 18,24 Da er's nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau
und (a) seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu
bezahlen. 18,25 Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte ihn an und sprach: Hab
Geduld mit mir; ich will dir's alles bezahlen. 18,26 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei, und die
Schuld erließ er ihm auch. 18,27 Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war
ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und
sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist! 18,28 Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit
mir; ich will dir's bezahlen. 18,29 Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis
er bezahlt hätte, was er schuldig war. 18,30 Als aber seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen
und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte. 18,31 Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht!
Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, (a) weil du mich gebeten hast; 18,32 hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht,
wie ich mich über dich erbarmt habe?a 18,33 Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, (a) bis
er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war. 18,34 So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander
nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder. (a) (b)
19. Kapitel
Von Ehe, Ehescheidung, Ehelosigkeit
(Mk 10,1-12)
19,1 Und es begab sich, als Jesus diese Reden vollendet hatte, daß er sich
aufmachte aus Galiläa und kam in das Gebiet von Judäa jenseits des
Jordans; 19,2 und eine große Menge folgte ihm nach, und er heilte sie dort. 19,3 Da traten Pharisäer zu ihm und versuchten ihn und sprachen: Ist's
erlaubt, daß sich ein Mann aus irgendeinem Grund von seiner Frau
scheidet? 19,4 Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den
Menschen geschaffen hat, (a) schuf sie als Mann und Frau 19,5 und sprach (1. Mose 2,24): «Darum wird ein Mann Vater und Mutter
verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch
sein»? 19,6 So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch*. Was nun Gott
zusammengefügt hat, das (a) soll der Mensch nicht scheiden!
19,7 Da fragten sie: Warum hat dann Mose geboten, ihr einen (a) Scheidebrief
zu geben und sich von ihr zu scheiden? 19,8 Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch zu scheiden von euren
Frauen, eures Herzens Härte wegen; von Anfang an aber ist's nicht so
gewesen. 19,9 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen
Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe. (a) (b)
19,10 Da sprachen seine Jünger zu ihm: Steht die Sache eines Mannes mit
seiner Frau so, dann ist's nicht gut zu heiraten. 19,11 Er sprach aber zu ihnen: Dies Wort fassen nicht alle, sondern nur die,
denen es gegeben ist. (a) 19,12 Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig; andere sind von
Menschen zur Ehe unfähig gemacht; und wieder andere haben sich selbst zur
Ehe unfähig gemacht um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der
fasse es!
Die Segnung der Kinder
(Mk 10,13-16; Lk 18,15-17)
19,13 Da wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er die Hände auf sie legte und
betete. Die Jünger aber fuhren sie an. 19,14 Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu
kommen; denn solchen gehört das Himmelreich. (a) 19,15 Und er legte die Hände auf sie und zog von dort weiter.
Die Gefahr des Reichtums («Der reiche Jüngling»)
(Mk 10,17-27; Lk 18,18-27)
19,16 Und siehe, einer trat zu ihm und fragte: Meister, was soll ich Gutes
tun, damit ich das ewige Leben habe? 19,17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich nach dem, was gut ist? Gut
ist nur Einer. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote. 19,18 Da fragte er ihn: Welche? Jesus aber sprach: «Du sollst nicht töten; du
sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch
Zeugnis geben; 19,19 ehre Vater und Mutter» (2. Mose 20,12- 16); und: «Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst» (3. Mose 19,18). 19,20 Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten; was fehlt
mir noch? 19,21 Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe,
was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen (a) (b) Schatz im Himmel
haben; und komm und folge mir nach! 19,22 Als der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt davon; denn er hatte
viele Güter. (a) 19,23 Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein
Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen. 19,24 Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein
Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. 19,25 Als das seine Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Ja,
wer kann dann selig werden? 19,26 Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist's
unmöglich; aber (a) bei Gott sind alle Dinge möglich.
Der Lohn der Nachfolge
(Mk 10,28-31; Lk 18,28-30)
19,27 Da fing Petrus an und sprach zu ihm: Siehe, (a) wir haben alles verlassen
und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür gegeben? 19,28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir
nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn
sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch (a) (b) sitzen auf zwölf
Thronen und (c) richten die zwölf Stämme Israels. 19,29 Und wer Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder
Kinder oder Äcker verläßt um meines Namens willen, der wird's hundertfach
empfangen und das ewige Leben ererben. 19,30 Aber viele, die die Ersten sind, werden die Letzten und die Letzten
werden die Ersten sein.
20. Kapitel
Von den Arbeitern im Weinberg
20,1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen
ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. 20,2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als
Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. 20,3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt
stehen 20,4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch
geben, was recht ist. 20,5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die
neunte Stunde und tat dasselbe. 20,6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu
ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? 20,7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen:
Geht ihr auch hin in den Weinberg. 20,8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem
Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den
letzten bis zu den ersten. 20,9 Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing
seinen Silbergroschen. 20,10 Als aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und
auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. 20,11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn 20,12 und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du
hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen
haben. 20,13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu
dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen
Silbergroschen? 20,14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem letzten dasselbe
geben wie dir. 20,15 Oder (a) habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein
ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? 20,16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.* *In
der späteren Überlieferung finden sich zusätzlich die Worte: «Denn viele
sind berufen, aber wenige sind auserwählt» (vgl. 22,14).
Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
(Mk 10,32-34; Lk 18,31-33)
20,17 Und Jesus zog hinauf nach Jerusalem und nahm die zwölf Jünger beiseite
und sprach zu ihnen auf dem Wege: 20,18 Siehe, wir (a) ziehen hinauf nach Jerusalem, und (b) (c) der Menschensohn wird
den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden; und sie
werden ihn zum Tode verurteilen 20,19 und werden ihn den Heiden überantworten, damit sie ihn verspotten und
geißeln und kreuzigen; und am dritten Tage wird er auferstehen.
Vom Herrschen und vom Dienen («Die Söhne des Zebedäus»)
(Mk 10,35-45)
20,20 Da trat zu ihm die Mutter der (a) Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen,
fiel vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten. 20,21 Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Laß diese meine
beiden Söhne sitzen in deinem Reich einen zu deiner Rechten und den andern
zu deiner Linken. (a) 20,22 Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wißt nicht, was ihr bittet. Könnt
ihr den (a) Kelch trinken, den ich trinken werde?* Sie antworteten ihm: Ja,
das können wir. 20,23 Er sprach zu ihnen: (a) (b) Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken,* aber das
Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben, steht mir nicht zu. Das wird
denen zuteil, für die es bestimmt ist von meinem Vater. 20,24 aAls das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder. 20,25 Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wißt, daß die Herrscher
ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. 20,26 So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein
will, der (a) (b) sei euer Diener; 20,27 und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, (a) 20,28 so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, daß er sich dienen lasse,
sondern (a) daß er diene und (b) gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.
Die Heilung von zwei Blinden bei Jericho
(Mk 10,46-52; Lk 18,35-43)
20,29 Und als sie von Jericho fortgingen, folgte ihm eine große Menge. 20,30 Und siehe, zwei Blinde saßen am Wege; und als sie hörten, daß Jesus
vorüberging, schrien sie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser! 20,31 Aber das Volk fuhr sie an, daß sie schweigen sollten. Doch sie schrien
noch viel mehr: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser! 20,32 Jesus aber blieb stehen, rief sie und sprach: Was wollt ihr, daß ich
für euch tun soll? 20,33 Sie sprachen zu ihm: Herr, daß unsere Augen aufgetan werden. 20,34 Und es jammerte Jesus, und er berührte ihre Augen; und sogleich wurden
sie wieder sehend, und sie folgten ihm nach.
21. Kapitel
Jesu Einzug in Jerusalem
(Mk 11,1-10; Lk 19,29-38; Joh 12,12-19)
21,1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den
Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus 21,2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und
gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr;
bindet sie los und führt sie zu mir! 21,3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf
ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. (a) 21,4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den
Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): «21,5 Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und
reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.» 21,6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 21,7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf,
und er setzte sich darauf. 21,8 Aber eine sehr große Menge (a) breitete ihre Kleider auf den Weg; andere
hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 21,9 Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: (a) Hosianna dem
Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in
der Höhe! 21,10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und
fragte: Wer ist der? 21,11 Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in
Galiläa.
Die Tempelreinigung
(Mk 11,15-19; Lk 19,45-48; Joh 2,13-16)
21,12 Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb heraus alle Verkäufer und
Käufer im Tempel und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände
der Taubenhändler 21,13 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): «Mein Haus
soll ein Bethaus heißen»; ihr aber macht eine (a) Räuberhöhle daraus. 21,14 Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie. 21,15 Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die
er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien: Hosianna dem Sohn Davids!,
entrüsteten sie sich 21,16 und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus antwortete
ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): «Aus dem Munde der Unmündigen
und Säuglinge hast du dir Lob bereitet»? 21,17 Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt hinaus nach Betanien und
blieb dort über Nacht.
Der verdorrte Feigenbaum
(Mk 11,12-14.20-24)
21,18 Als er aber am Morgen wieder in die Stadt ging, hungerte ihn. 21,19 Und er sah einen Feigenbaum an dem Wege, ging hin und (a) fand nichts
daran als Blätter und sprach zu ihm: Nun wachse auf dir niemals mehr
Frucht! Und der Feigenbaum verdorrte sogleich. 21,20 Und als das die Jünger sahen, verwunderten sie sich und fragten: Wie
ist der Feigenbaum so rasch verdorrt? 21,21 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch:
Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein Taten
wie die mit dem Feigenbaum tun, sondern, (a) wenn ihr zu diesem Berge sagt:
Heb dich und wirf dich ins Meer!, so wird's geschehen. 21,22 Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, so werdet ihr's
empfangen.
Die Frage nach Jesu Vollmacht
(Mk 11,27-33; Lk 20,1-8)
21,23 Und als er in den Tempel kam und lehrte, traten die Hohenpriester und
die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: aAus welcher Vollmacht tust du
das, und wer hat dir diese Vollmacht gegeben? 21,24 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch eine
Sache fragen; wenn ihr mir die sagt, will ich euch auch sagen, aus welcher
Vollmacht ich das tue. 21,25 Woher war die Taufe des Johannes? War sie vom Himmel oder von den
Menschen? Da bedachten sie's bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie
war vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht
geglaubt? 21,26 Sagen wir aber, sie war von Menschen, so müssen wir uns vor dem Volk
fürchten, denn sie (a) halten alle Johannes für einen Propheten. 21,27 Und sie antworteten Jesus und sprachen: Wir wissen's nicht. Da sprach
er zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das
tue.
Von den ungleichen Söhnen
21,28 Was meint ihr aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten
und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. 21,29 Er antwortete aber und sprach: Nein, ich will nicht. Danach reute es
ihn, und er ging hin. 21,30 Und der Vater ging zum zweiten Sohn und sagte dasselbe. Der aber
antwortete und sprach: aJa, Herr! und ging nicht hin. 21,31 Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie antworteten: Der
erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die (a) Zöllner und
Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr. 21,32 Denn Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr
glaubtet ihm nicht; aber (a) die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl
ihr's saht, tatet ihr dennoch nicht Buße, so daß ihr ihm dann auch
geglaubt hättet.
Von den bösen Weingärtnern
(Mk 12,1-12; Lk 20,9-19)
21,33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der (a) pflanzte einen
Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter darin und baute
einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. 21,34 Als nun die Zeit der Früchte herbeikam, sandte er seine Knechte zu den
Weingärtnern, damit sie seine Früchte holten. 21,35 Da nahmen die Weingärtner seine Knechte: den einen schlugen sie, den
zweiten töteten sie, den dritten steinigten sie. 21,36 Abermals sandte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; und sie
taten mit ihnen dasselbe. 21,37 Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen und sagte sich: Sie werden
sich vor meinem Sohn scheuen. 21,38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie zueinander: Das
ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbgut an uns bringen!a 21,39 Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten
ihn. 21,40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird, was wird er mit diesen
Weingärtnern tun? 21,41 Sie antworteten ihm: Er wird den Bösen ein böses Ende bereiten und
seinen Weinberg andern Weingärtnern verpachten, die ihm die Früchte zur
rechten Zeit geben. 21,42 Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Psalm
118,22.23): «Der (a) (b) Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum
Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor
unsern Augen»? 21,43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem
Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt. 21,44 Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen aber er
fällt, den wird er zermalmen.* *Dieser Vers findet sich bei einigen alten
Textzeugen nicht.
21,45 Und als die Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse hörten,
erkannten sie, daß er von ihnen redete. 21,46 Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen; aber sie fürchteten sich
vor dem Volk, denn es hielt ihn für einen Propheten.
22. Kapitel
Die königliche Hochzeit
(Lk 14,16-24)
22,1 Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und
sprach: 22,2 Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit
ausrichtete. (a) 22,3 Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu laden; doch
sie wollten nicht kommen. 22,4 Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen:
Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh
ist geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit! 22,5 Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der
andere an sein Geschäft. 22,6 Einige aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie. (a) 22,7 Da wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese
Mörder um und zündete ihre Stadt an. (a) 22,8 Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber
die Gäste waren's nicht wert. 22,9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr
findet. 22,10 Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen, (a)
wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll. 22,11 Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen
Menschen, der hatte (a) kein hochzeitliches Gewand an, 22,12 und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast
doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte. 22,13 Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße
und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern
sein. 22,14 Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Die Frage nach der Steuer («Der Zinsgroschen»)
(Mk 12,13-17; Lk 20,20-26)
22,15 Da gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie ihn in seinen
Worten fangen könnten; 22,16 und sandten zu ihm ihre Jünger samt den Anhängern des Herodes. Die
sprachen: (a) Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrst den Weg
Gottes recht und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen
der Menschen. 22,17 Darum sage uns, was meinst du: Ist's recht, daß man dem Kaiser Steuern
zahlt oder nicht? 22,18 Als nun Jesus ihre Bosheit merkte, sprach er: Ihr Heuchler, was
versucht ihr mich? 22,19 Zeigt mir die Steuermünze! Und sie reichten ihm einen Silbergroschen. 22,20 Und er sprach zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist das? 22,21 Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebt dem
Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! (a) 22,22 Als sie das hörten, wunderten sie sich, ließen von ihm ab und gingen
davon.
Die Frage nach der Auferstehung
(Mk 12,18-27; Lk 20,27-40)
22,23 An demselben Tage traten die Sadduzäer zu ihm, (a) (b) die lehren, es gebe
keine Auferstehung, und fragten ihn 22,24 und sprachen: Meister, Mose hat gesagt (5. Mose 25,5.6): «Wenn einer
stirbt und hat keine Kinder, so soll sein Bruder die Frau heiraten und
seinem Bruder Nachkommen erwecken.» 22,25 Nun waren bei uns sieben Brüder. Der erste heiratete und starb; und
weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder; 22,26 desgleichen der zweite und der dritte bis zum siebenten. 22,27 Zuletzt nach allen starb die Frau. 22,28 Nun in der Auferstehung: wessen Frau wird sie sein von diesen sieben?
Sie haben sie ja alle gehabt. 22,29 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die
Schrift kennt noch die Kraft Gottes. 22,30 Denn in der Auferstehung werden sie weder heiraten noch sich heiraten
lassen, sondern sie sind wie Engel im Himmel. 22,31 Habt ihr denn nicht gelesen von der Auferstehung der Toten, was euch
gesagt ist von Gott, der da spricht (2. Mose 3,6): «22,32 Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs»?
Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. 22,33 Und als das Volk das hörte, entsetzten sie sich über seine Lehre.
Die Frage nach dem höchsten Gebot
(Mk 12,28-31; Lk 10,25-28)
22,34 Als aber die Pharisäer hörten, daß er den Sadduzäern das Maul gestopft
hatte, versammelten sie sich. 22,35 Und einer von ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte: 22,36 Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz? 22,37 Jesus aber antwortete ihm: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt*» (5. Mose 6,5).
*Siehe Sach- und Worterklärungen. 22,38 Dies ist das höchste und größte Gebot. 22,39 Das andere aber ist dem gleich: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie
dich selbst» (3. Mose 19,18). 22,40 In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. (a)
Die Frage nach dem Davidssohn
(Mk 12,35-37; Lk 20,41-44)
22,41 Als nun die Pharisäer beieinander waren, fragte sie Jesus: 22,42 Was denkt ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er? Sie antworteten: (a) (b)
Davids. 22,43 Da fragte er sie: Wie kann ihn dann David durch den Geist Herr nennen,
wenn er sagt (Psalm 110,1): «22,44 Der Herr sprach zu meinem Herrn: (a) Setze dich zu meiner Rechten, bis
ich deine Feinde unter deine Füße lege»? 22,45 Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er dann sein Sohn? 22,46 Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, auch wagte niemand von dem
Tage an, ihn hinfort zu fragen.
23. Kapitel
Gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer
(Mk 12,38-40; Lk 20,45-47; 11,39-52)
23,1 Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern 23,2 und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und
Pharisäer. 23,3 Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren
Werken sollt ihr nicht handeln; denn (a) (b) sie sagen's zwar, tun's aber nicht. 23,4 (a) (b) Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen
auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen. 23,5 Alle ihre Werke aber tun sie, (a) damit sie von den Leuten gesehen werden.
Sie machen ihre (b) Gebetsriemen* breit und die Quasten* an ihren Kleidern
groß. 23,6 Sie (a) sitzen gern obenan bei Tisch und in den Synagogen 23,7 und haben's gern, daß sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi
genannt werden. 23,8 Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer
Meister; ihr aber seid alle Brüder. 23,9 Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer
ist euer Vater, der im Himmel ist. 23,10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer
Lehrer: Christus. 23,11 Der größte unter euch soll euer Diener sein. (a) 23,12 Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst
erniedrigt, der wird erhöht. (a) (b) (c) (d) (e) 23,13 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das
Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein, und die
hinein wollen, laßt ihr nicht hineingehen.* *Vers 14 findet sich erst in
der späteren Überlieferung: «Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr
Heuchler, die ihr die Häuser der Witwen freßt und zum Schein lange Gebete
verrichtet! Darum werdet ihr ein um so härteres Urteil empfangen» (vgl. Mk
12,40).
23,14 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land
und Meer durchzieht, damit ihr einen Judengenossen gewinnt; und wenn er's
geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie
ihr.
23,15 a Weh euch, ihr (a) verblendeten Führer, die ihr sagt: Wenn einer
schwört bei dem Tempel, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem
Gold des Tempels, der ist gebunden. 23,16 Ihr Narren und Blinden! Was ist mehr: das Gold oder der Tempel, der das
Gold heilig macht? 23,17 Oder: Wenn einer schwört bei dem Altar, das gilt nicht; wenn aber einer
schwört bei dem Opfer, das darauf liegt, der ist gebunden. 23,18 Ihr Blinden! Was ist mehr: das Opfer oder der Altar, der das Opfer
heilig macht? 23,19 Darum, wer schwört bei dem Altar, der schwört bei ihm und bei allem,
was darauf liegt. 23,20 Und wer schwört bei dem Tempel, der schwört bei ihm und bei dem, der
darin wohnt. 23,21 Und wer schwört bei dem Himmel, der schwört bei dem Thron Gottes und
bei dem, der darauf sitzt.
23,22 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den (a) (b)
Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und laßt das (c) Wichtigste im
Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben!
Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen. 23,23 Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele
verschluckt!
23,24 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, (a) die ihr die
Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und
Gier! 23,25 Du (a) blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers, damit
auch das Äußere rein wird!b
23,26 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid
wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen
sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! 23,27 So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen
seid ihr voller Heuchelei und Unrecht.
23,28 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den
Propheten Grabmäler baut und die Gräber der Gerechten schmückt 23,29 und sprecht: Hätten wir zu Zeiten unserer Väter gelebt, so wären wir
nicht mit ihnen schuldig geworden am Blut der Propheten! 23,30 Damit bezeugt ihr von euch selbst, daß ihr Kinder derer seid, (a) (b) (c) die die
Propheten getötet haben. 23,31 Wohlan, macht auch ihr das Maß eurer Väter voll! 23,32 Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis
entrinnen?
23,33 Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und
Schriftgelehrte; und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und
einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von
einer Stadt zur andern, 23,34 damit über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf
Erden, von dem Blut des gerechten aAbel an bis auf das Blut des (a)
Secharja, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und
Altar. 23,35 Wahrlich, ich sage euch: das alles wird über dieses Geschlecht kommen.
Klage über Jerusalem
(Lk 13,34.35)
23,36 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu
dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie
eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht
gewollt! 23,37 Siehe, «euer Haus soll euch wüst gelassen werden»a (Jeremia 22,5;
Psalm 69,26). 23,38 Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr
sprecht: (a) (b) Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
24. Kapitel
JESU REDE ÜBER DIE ENDZEIT
(Kapitel 24-25)
Das Ende des Tempels
(Mk 13,1.2; Lk 21,5.6)
24,1 Und Jesus ging aus dem Tempel fort, und seine Jünger traten zu ihm und
zeigten ihm die Gebäude des Tempels. 24,2 Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage
euch: (a) Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht
zerbrochen werde.
Der Anfang der Wehen
(Mk 13,3-13; Lk 21,7-19)
24,3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen,
als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? und was wird das
Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?a 24,4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, daß euch nicht
jemand verführe. 24,5 Denn es werden viele (a) kommen unter meinem Namen und sagen: (b) Ich bin
der Christus, und sie werden viele verführen. 24,6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt
nicht. Denn das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. 24,7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich
gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und
dort. 24,8 Das alles aber ist der Anfang der Wehen. 24,9 a Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und
ihr werdet gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern. 24,10 Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und
werden sich untereinander hassen. 24,11 Und es werden sich viele (a) (b) falsche Propheten erheben und werden viele
verführen. 24,12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in
vielen erkalten. (a) 24,13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. (a) (b) 24,14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen
Welt zum Zeugnis für (a) alle Völker, und dann wird das Ende kommen.
Die große Bedrängnis
(Mk 13,14-23; Lk 21,20-24)
24,15 Wenn ihr nun sehen werdet das Greuelbild der Verwüstung stehen an der
heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel (Daniel 9,27;
11,31), - wer das liest, der merke auf! -, 24,16 alsdann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist; 24,17 (a) und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hinunter, etwas aus seinem
Hause zu holen; 24,18 und wer auf dem Feld ist, der kehre nicht zurück, seinen Mantel zu
holen. 24,19 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden zu jener Zeit!a 24,20 Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat. 24,21 Denn (a) es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen
ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. 24,22 Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig
werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt. 24,23 Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus!
oder da!, so sollt ihr's nicht glauben. 24,24 Denn es werden falsche Christusse und (a) falsche Propheten aufstehen und
(b) (c) große Zeichen und Wunder tun, so daß sie, wenn es möglich wäre, auch die
Auserwählten verführten. 24,25 Siehe, ich habe es euch vorausgesagt. 24,26 (a) Wenn sie also zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste!, so
geht nicht hinaus; siehe, er ist drinnen im Haus!, so glaubt es nicht. 24,27 Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so
wird auch das Kommen des Menschensohns sein. 24,28 Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier. (a) (b)
Das Kommen des Menschensohns
(Mk 13,24-27; Lk 21,25-28)
24,29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die (a) (b) Sonne sich
verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden
vom Himmel fallen, und (c) die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und
dann werden (a) wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden (b) (c) (d) sehen den
Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und
Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel senden mit hellen (a) (b) Posaunen, und sie werden
seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels
bis zum andern.
Mahnung zur Wachsamkeit
(Mk 13,28-32; Lk 21,29-33; 12,39.40)
24,32 An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: wenn seine Zweige jetzt saftig
werden und Blätter treiben, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. 24,33 Ebenso auch: wenn ihr das alles seht, so wißt, daß er nahe vor der Tür
ist. 24,34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis
dies alles geschieht. 24,35 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht
vergehen. (a) (b) 24,36 Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im
Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. (a) 24,37 (a) (b) Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des
Menschensohns. 24,38 Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut - sie aßen, sie
tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem
Noah in die Arche hineinging; 24,39 und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle
dahin -, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns. 24,40 Dann werden zwei auf dem Felde sein; der eine wird angenommen, der
andere wird preisgegeben. 24,41 Zwei Frauen werden mahlen mit der Mühle; die eine wird angenommen, die
andere wird preisgegeben. (a) 24,42 Darum wachet; denn ihr wißt nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. (a) 24,43 Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüßte, (a) zu welcher
Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in
sein Haus einbrechen lassen. 24,44 Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer
Stunde, da ihr's nicht meint.
Vom treuen und vom bösen Knecht
(Lk 12,41-46)
24,45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr über seine Leute
gesetzt hat, damit er ihnen zur rechten Zeit zu essen gebe? 24,46 Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. 24,47 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. (a) 24,48 Wenn aber jener als ein böser Knecht in seinem Herzen sagt: (a) Mein Herr
kommt noch lange nicht, 24,49 und fängt an, seine Mitknechte zu schlagen, ißt und trinkt mit den
Betrunkenen: 24,50 dann wird der Herr dieses Knechts kommen an einem Tage, an dem er's
nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, 24,51 und er wird ihn in Stücke hauen lassen und ihm sein Teil geben bei den
Heuchlern; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
25. Kapitel
Von den klugen und törichten Jungfrauen
25,1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen
nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. (a) (b) 25,2 Aber fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. 25,3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. 25,4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. 25,5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und
schliefen ein. 25,6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt!
Geht hinaus, ihm entgegen! 25,7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. 25,8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn
unsre Lampen verlöschen. 25,9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und
euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst. 25,10 (a) Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit
waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. 25,11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu
uns auf! 25,12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: (a) Ich kenne
euch nicht. 25,13 Darum wachet! Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde. (a) *
Von den anvertrauten Zentnern
(Lk 19,12-27)
25,14 Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief
seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; 25,15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten
einen, (a) jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort. 25,16 Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte
mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. 25,17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere
dazu. 25,18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und
verbarg das Geld seines Herrn. 25,19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft
von ihnen. 25,20 Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf
Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe
da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen. 25,21 Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und (a) treuer Knecht,
du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh
hinein zu deines Herrn Freude! 25,22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr,
du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere
gewonnen. 25,23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du
bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein
zu deines Herrn Freude! 25,24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach:
Herr, ich wußte, daß du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht
gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; 25,25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der
Erde. Siehe, da hast du das Deine. 25,26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler
Knecht! Wußtest du, daß ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle,
wo ich nicht ausgestreut habe? 25,27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich
gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. 25,28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. 25,29 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben;
wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. (a) (b) 25,30 Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein
Heulen und Zähneklappern.
Vom Weltgericht
25,31 Wenn aber (a) der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und
alle Engel mit ihm, dann (b) wird er sitzen auf dem Thron seiner
Herrlichkeit, 25,32 und (a) alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und (b) er wird sie
voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 25,33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur
Linken. (a) 25,34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr
Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von
Anbeginn der Welt! 25,35 (a) Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich
bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein
Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. 25,36 Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank
gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr
seid zu mir gekommen. 25,37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir
dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? oder durstig und
haben dir zu trinken gegeben? 25,38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen?
oder nackt und haben dich gekleidet? 25,39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir
gekommen? 25,40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage
euch: (a) (b) (c) Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das
habt ihr mir getan. 25,41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr
Verfluchten, in das (a) ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen
Engeln! 25,42 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 25,43 Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich
bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im
Gefängnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. 25,44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich
hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder
im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 25,45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was
ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch
nicht getan. 25,46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in
das ewige Leben. (a) (b)
26. Kapitel
LEIDEN, STERBEN UND AUFERSTEHUNG JESU
(Kapitel 26-28)
(Mk 14-16; Lk 22-24; Joh 18-21)
Der Plan der Hohenpriester und Ältesten
26,1 Und es begab sich, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, daß er
zu seinen Jüngern sprach: 26,2 Ihr wißt, daß in zwei Tagen (a) Passa ist; und (b) der Menschensohn wird
überantwortet werden, daß er gekreuzigt werde. 26,3 Da versammelten sich die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes im
Palast des Hohenpriesters, der hieß (a) Kaiphas, 26,4 und hielten Rat, wie sie Jesus mit List ergreifen und töten könnten. 26,5 Sie sprachen aber: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr
gebe im Volk.
Die Salbung in Betanien
(Lk 7,36-50; Joh 12,1-8)
26,6 Als nun Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen, 26,7 trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Glas mit kostbarem Salböl und goß
es auf sein Haupt, als er zu Tisch saß. 26,8 Als das die Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese
Vergeudung? 26,9 Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können. 26,10 Als Jesus das merkte, sprach er zu ihnen: Was betrübt ihr die Frau? Sie
hat ein gutes Werk an mir getan. 26,11 Denn aArme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht
allezeit. 26,12 Daß sie das Öl auf meinen Leib gegossen hat, das hat sie für mein
Begräbnis getan. 26,13 Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der
ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan
hat.
Der Verrat des Judas
26,14 Da ging einer von den Zwölfen, mit Namen Judas Iskariot, hin zu den
Hohenpriestern 26,15 und sprach: (a) Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Und
sie boten ihm (b) dreißig Silberlinge. 26,16 Und von da an suchte er eine Gelegenheit, daß er ihn verriete.
Das Abendmahl
(Joh 13,21-26)
26,17 Aber am ersten (a) Tage der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus
und fragten: Wo willst du, daß wir dir das Passalamm zum Essen bereiten? 26,18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der
Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passa
feiern mit meinen Jüngern. (a) 26,19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten
das Passalamm. 26,20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. 26,21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch
wird mich verraten. 26,22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln, ihn zu
fragen: Herr, bin ich's? 26,23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht,
der wird mich verraten. 26,24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch
(a) weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für
diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre. 26,25 Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er
sprach zu ihm: Du sagst es.
26,26 a Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's
den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. 26,27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket
alle daraus; 26,28 das ist mein (a) Blut des (b) (c) Bundes,* das vergossen wird für viele zur
Vergebung der Sünden. 26,29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des
Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken
werde mit euch in meines Vaters Reich. 26,30 Und als sie den (a) Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den
Ölberg.
Die Ankündigung der Verleugnung des Petrus
26,31 Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis
nehmen an mir. Denn es steht geschrieben (Sacharja 13,7): «Ich werde den
Hirten schlagen, und (a) die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.» 26,32 Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach (a)
Galiläa. 26,33 Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle Ärgernis
nehmen, so will ich doch niemals Ärgernis nehmen an dir. 26,34 Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der
Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. (a) 26,35 Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müßte, will ich dich
nicht verleugnen. Das gleiche sagten auch alle Jünger.
Jesus in Gethsemane
26,36 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach
zu den Jüngern: Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete. 26,37 Und (a) er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und (b)
fing an zu trauern und zu zagen. 26,38 Da sprach Jesus zu ihnen: (a) Meine Seele ist betrübt bis an den Tod;
bleibt hier und wacht mit mir! 26,39 Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete
und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser (a) Kelch an mir
vorüber; doch (b) (c) nicht wie ich will, sondern wie du willst! 26,40 Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu
Petrus: Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? 26,41 (a) Wachet und betet, daß ihr nicht in (b) Anfechtung fallt! Der Geist ist
willig; aber das Fleisch ist schwach. 26,42 Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater,
ist's nicht möglich, daß dieser Kelch an mir vorübergehe, ohne daß ich ihn
trinke, so geschehe dein Wille! 26,43 Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller
Schlaf. 26,44 Und er ließ sie und ging abermals hin und (a) betete zum dritten Mal und
redete dieselben Worte. 26,45 Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr
weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, daß der Menschensohn
in die Hände der Sünder überantwortet wird. 26,46 Steht auf, laßt uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.
Jesu Gefangennahme
26,47 Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, einer von den Zwölfen, und
mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den
Hohenpriestern und Ältesten des Volkes. 26,48 Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen
ich küssen werde, der ist's; den ergreift. 26,49 Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi! und küßte
ihn. 26,50 Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, dazu bist du gekommen? Da traten
sie heran und legten Hand an Jesus und ergriffen ihn. 26,51 Und siehe, einer von denen, die bei Jesus waren, streckte die Hand aus
und zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und
hieb ihm ein Ohr ab. 26,52 Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn (a) wer
das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. 26,53 Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, daß er mir
sogleich mehr als zwölf Legionen (a) Engel schickte? 26,54 Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, daß es so geschehen muß? 26,55 Zu der Stunde sprach Jesus zu der Schar: Ihr seid ausgezogen wie gegen
einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen. Habe ich doch
täglich im Tempel gesessen und gelehrt, und ihr habt mich nicht
ergriffen. 26,56 Aber das ist alles geschehen, damit erfüllt würden die Schriften der
Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.
Jesus vor dem Hohen Rat
26,57 Die aber Jesus ergriffen hatten, führten ihn zu dem Hohenpriester
Kaiphas, wo die Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten. 26,58 Petrus aber folgte ihm von ferne bis zum Palast des Hohenpriesters und
ging hinein und setzte sich zu den Knechten, um zu sehen, worauf es hinaus
wollte. 26,59 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis
gegen Jesus, daß sie ihn töteten. 26,60 Und obwohl viele falsche Zeugen herzutraten, fanden sie doch nichts.
Zuletzt traten zwei herzu 26,61 und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann (a) den Tempel Gottes abbrechen und
in drei Tagen aufbauen. (b) 26,62 Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts
auf das, was diese gegen dich bezeugen? 26,63 Aber Jesus (a) schwieg still. Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich
beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, (b) daß du uns sagst, ob du der
Christus bist, der Sohn Gottes. 26,64 Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch sage ich euch: Von nun an werdet
ihr sehen den Menschensohn (a) sitzen zur Rechten der Kraft und (b) (c) (d) kommen auf
den Wolken des Himmels. 26,65 (a) (b) (c) Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott
gelästert! Was bedürfen wir weiterer Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die
Gotteslästerung gehört. 26,66 Was ist euer Urteil? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes
schuldig. 26,67 Da spien sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Einige
aber schlugen ihn ins Angesichta 26,68 und sprachen: Weissage uns, Christus, wer ist's, der dich schlug?
Die Verleugnung des Petrus
26,69 Petrus aber saß draußen im Hof; da trat eine Magd zu ihm und sprach:
Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa. 26,70 Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du
sagst. 26,71 Als er aber hinausging in die Torhalle, sah ihn eine andere und sprach
zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth. 26,72 Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen
nicht. 26,73 Und nach einer kleinen Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen
zu Petrus: Wahrhaftig, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache
verrät dich. 26,74 Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den
Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn. 26,75 Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der
Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und
weinte bitterlich.
27. Kapitel
Jesus vor Pilatus. Das Ende des Judas
27,1 Am Morgen aber faßten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volkes
den Beschluß über Jesus, ihn zu töten, 27,2 und sie banden ihn, führten ihn ab und überantworteten ihn dem
Statthalter Pilatus. 27,3 Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, daß er zum Tode verurteilt war,
reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern
und Ältesten zurücka 27,4 und sprach: Ich habe Unrecht getan, daß ich unschuldiges Blut verraten
habe. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu! 27,5 Und er warf die Silberlinge in den Tempel, ging fort und (a) erhängte
sich. 27,6 Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: (a) Es ist
nicht recht, daß wir sie in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld. 27,7 Sie beschlossen aber, den Töpferacker davon zu kaufen zum Begräbnis für
Fremde. 27,8 Daher heißt dieser Acker Blutacker bis auf den heutigen Tag. 27,9 (a) Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da
spricht: «Sie haben die dreißig Silberlinge genommen, den Preis für den
Verkauften, der geschätzt wurde bei den Israeliten, 27,10 und sie haben das Geld für den Töpferacker gegeben, wie mir der Herr
befohlen hat» (Jeremia 32,9; Sacharja 11,12.13).
27,11 Jesus aber stand vor dem Statthalter; und der Statthalter fragte ihn
und sprach: Bist du der König der Juden? Jesus aber sprach: Du sagst es. 27,12 Und als er von den Hohenpriestern und Ältesten verklagt wurde, (a) (b)
antwortete er nichts. 27,13 Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, wie hart sie dich verklagen? 27,14 Und er antwortete ihm nicht auf ein einziges Wort, so daß sich der
Statthalter sehr verwunderte. (a)
Jesu Verurteilung und Verspottung
27,15 Zum Fest aber hatte der Statthalter die Gewohnheit, dem Volk einen
Gefangenen loszugeben, welchen sie wollten. 27,16 Sie hatten aber zu der Zeit einen berüchtigten Gefangenen, der hieß
Jesus Barabbas. 27,17 Und als sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt
ihr? Wen soll ich euch losgeben, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt
wird, er sei der Christus? 27,18 Denn er wußte, daß sie ihn (a) aus Neid überantwortet hatten. 27,19 Und als er auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau zu ihm und
ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich
habe heute viel erlitten im Traum um seinetwillen. 27,20 Aber die Hohenpriester und Ältesten überredeten das Volk, daß sie um
Barabbas bitten, Jesus aber umbringen sollten. 27,21 Da fing der Statthalter an und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen
von den beiden soll ich euch losgeben? Sie sprachen: Barabbas! 27,22 Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich denn machen mit Jesus, von dem
gesagt wird, er sei der Christus? Sie sprachen alle: Laß ihn kreuzigen! 27,23 Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan? Sie schrien aber noch mehr:
Laß ihn kreuzigen! 27,24 Als aber Pilatus sah, daß er nichts ausrichtete, sondern das Getümmel
immer größer wurde, nahm er Wasser und (a) wusch sich die Hände vor dem Volk
und sprach: Ich bin unschuldig an seinem Blut; seht ihr zu! 27,25 Da antwortete das ganze Volk und sprach: (a) Sein Blut komme über uns und
unsere Kinder! 27,26 Da gab er ihnen Barabbas los, aber Jesus ließ er geißeln und
überantwortete ihn, daß er gekreuzigt werde. 27,27 Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in das
Prätorium und sammelten die ganze Abteilung um ihn. 27,28 Und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an 27,29 und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm aufs Haupt und gaben
ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und
verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König! 27,30 und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. (a)
Jesu Kreuzigung und Tod
27,31 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und
zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen. 27,32 Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit
Namen Simon; den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trug. 27,33 Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt:
Schädelstätte, 27,34 gaben sie ihm Wein zu trinken mit (a) Galle vermischt; und als er's
schmeckte, wollte er nicht trinken. 27,35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, (a) verteilten sie seine Kleider und
warfen das Los darum.* 27,36 Und sie saßen da und bewachten ihn. 27,37 Und oben über sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache
seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden König.
27,38 Und da wurden zwei (a) Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und
einer zur Linken. 27,39 Die aber vorübergingen, lästerten ihn und (a) schüttelten ihre Köpfe 27,40 und sprachen: (a) (b) Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei
Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom
Kreuz! 27,41 Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten
und Ältesten und sprachen: 27,42 Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er der
König von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn
glauben. 27,43 Er hat (a) Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Gefallen an ihm
hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.b 27,44 Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt
waren.
27,45 Und von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land
bis zur neunten Stunde. 27,46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani?
das heißt: (a) Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 27,47 Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft
nach Elia. 27,48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn
mit (a) Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. 27,49 Die andern aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elia komme und ihm
helfe! 27,50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.
27,51 Und siehe, der (a) (b) Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von oben an
bis unten aus. 27,52 Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten
sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf 27,53 und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die
heilige Stadt und erschienen vielen. 27,54 Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben
sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich,
dieser ist Gottes Sohn gewesen! 27,55 Und es waren viele Frauen da, die von ferne zusahen; die waren Jesus
aus Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient; (a) 27,56 unter ihnen war Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus und
Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.
Jesu Grablegung
27,57 aAm Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und
war auch ein Jünger Jesu. 27,58 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man
sollte ihm ihn geben. 27,59 Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch 27,60 und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte
hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und
ging davon. 27,61 Es waren aber dort Maria von Magdala und die andere Maria; die saßen
dem Grab gegenüber.
Die Bewachung des Grabes
27,62 Am nächsten Tag, der auf den (a) Rüsttag folgt, kamen die Hohenpriester
mit den Pharisäern zu Pilatus 27,63 und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, daß dieser Verführer (a)
sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen. 27,64 Darum befiehl, daß man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit
nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist
auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der
erste. 27,65 Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht
es, so gut ihr könnt. 27,66 Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten
den Stein.
28. Kapitel
Jesu Auferstehung
(Mk 16,1-10; Lk 24,1-10; Joh 20,1-18)
28,1 Als aber der Sabbat vorüber war und (a) (b) (c) der erste Tag der Woche anbrach,
kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 28,2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam
vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich
darauf. 28,3 Seine Gestalt war wie der Blitz und (a) (b) sein Gewand weiß wie der Schnee. 28,4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie
tot. 28,5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, daß
ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 28,6 Er ist nicht hier; (a) (b) (c) (d) er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her
und seht die Stätte, wo er gelegen hat; 28,7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, daß er auferstanden ist
von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach (a) Galiläa; dort
werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 28,8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und
liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. 28,9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie
traten zu ihm und umfaßten seine Füße und fielen vor ihm nieder. 28,10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt
es meinen (a) Brüdern, daß sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich
sehen. 28,11 Als sie aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die
Stadt und verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. 28,12 Und sie kamen mit den Ältesten zusammen, hielten Rat und gaben den
Soldaten viel Geld 28,13 und sprachen: Sagt, seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben
ihn gestohlen, während wir schliefen. (a) 28,14 Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn
beschwichtigen und dafür sorgen, daß ihr sicher seid. 28,15 Sie nahmen das Geld und taten, wie sie angewiesen waren. Und so ist
dies zum Gerede geworden bei den Juden bis auf den heutigen Tag.
Der Missionsbefehl
28,16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie
beschieden hatte. 28,17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber
zweifelten. 28,18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: (a) (b) Mir ist gegeben alle Gewalt
im Himmel und auf Erden. 28,19 Darum gehet hin und (a) (b) (c) machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den
Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes 28,20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, (a)
ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.